• 17.12.2003, 11:26:19
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Chefarztpflicht Neu: Ärztekammer warnt vor "Bürokratie-Monster" -

Brettenthaler: "Patient zahlt die Zeche" - Ärzte mit Bürokratie bereits "völlig überfrachtet" - gänzliche Abschaffung der Chefarztpflicht überlegenswert

Wien (OTS) - Große Bedenken gibt es in der Österreichischen
Ärztekammer (ÖÄK) hinsichtlich der geplanten Neuregelung der
Chefarztpflicht im ASVG. Danach soll die Chefarztpflicht für
Medikamente nicht entfallen, sondern statt durch die Patienten
künftig durch die Ärzte abgewickelt werden. "Es besteht die Gefahr,
dass damit wieder ein neues Bürokratie-Monster entsteht", warnte der
Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Dr. Reiner
Brettenthaler, am Mittwoch in einer Aussendung. Angesichts der
enormen Menge von derzeit rund fünf Millionen genehmigungspflichtigen
Verschreibungen jährlich befürchtet er längere Wartezeiten für die
Patienten in den Ordinationen. Gehe man von den rund vier Minuten
aus, die der Arzt derzeit benötige, um eine einzelne Genehmigung per
Fax einzuholen, müssten die gut 4000 Kassen-Hausärzte "statt einer
Sprechstunde wöchentlich zwei Bürokratiestunden" einrichten,
kritisierte Brettenthaler. "Das ist Zeit, die beim Patienten fehlt",
warnte der Ärztechef. "Er zahlt dabei die Zeche."

Der Ärztechef erwartet bei der Abwicklung der Chefarztpflicht durch
den Arzt empfindliche Störungen im Vertrauensverhältnis mit dem
Patienten. Der Druck auf Ärzte, nur noch "billig" zu verschreiben,
steige durch die Neuregelung der Chefarztpflicht jedenfalls erheblich
an. Da die Ordinationen zudem mit Bürokratie "schon völlig
überfrachtet" seien, sei eine "gänzliche Abschaffung dieses
anachronistischen Elements ohne Wenn und Aber" überlegenswert. Der
ÖÄK-Präsident schlägt hierfür ein zweijähriges Pilotprojekt vor.

"Wir können und werden in den Ordinationen jedenfalls keine Wartesäle
für Patienten einrichten, die auf die Kassengenehmigung für ihre
Verschreibung warten. Wir Ärzte sind mit Verwaltungsaufgaben für die
Kassen schon über Gebühr belastet", betonte auch der Obmann der
Bundeskurie Niedergelassene Ärzte in der Österreichischen Ärztekammer
(ÖÄK), Dr. Jörg Pruckner. "Zusätzlichen bürokratischen Aufwand, der
weniger Zeit für Zuwendung für die Patienten bedeutet, lehnen wir mit
allem Nachdruck ab. Der Bürokratieabbau ist ein absolutes Muss für
die niedergelassenen Ärzte."

OTS0079    2003-12-17/11:26

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