Chefarztpflicht Neu: Ärztekammer warnt vor "Bürokratie-Monster" -

Brettenthaler: "Patient zahlt die Zeche" - Ärzte mit Bürokratie bereits "völlig überfrachtet" - gänzliche Abschaffung der Chefarztpflicht überlegenswert

Wien (OTS) - Große Bedenken gibt es in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) hinsichtlich der geplanten Neuregelung der Chefarztpflicht im ASVG. Danach soll die Chefarztpflicht für Medikamente nicht entfallen, sondern statt durch die Patienten künftig durch die Ärzte abgewickelt werden. "Es besteht die Gefahr, dass damit wieder ein neues Bürokratie-Monster entsteht", warnte der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Dr. Reiner Brettenthaler, am Mittwoch in einer Aussendung. Angesichts der enormen Menge von derzeit rund fünf Millionen genehmigungspflichtigen Verschreibungen jährlich befürchtet er längere Wartezeiten für die Patienten in den Ordinationen. Gehe man von den rund vier Minuten aus, die der Arzt derzeit benötige, um eine einzelne Genehmigung per Fax einzuholen, müssten die gut 4000 Kassen-Hausärzte "statt einer Sprechstunde wöchentlich zwei Bürokratiestunden" einrichten, kritisierte Brettenthaler. "Das ist Zeit, die beim Patienten fehlt", warnte der Ärztechef. "Er zahlt dabei die Zeche."

Der Ärztechef erwartet bei der Abwicklung der Chefarztpflicht durch den Arzt empfindliche Störungen im Vertrauensverhältnis mit dem Patienten. Der Druck auf Ärzte, nur noch "billig" zu verschreiben, steige durch die Neuregelung der Chefarztpflicht jedenfalls erheblich an. Da die Ordinationen zudem mit Bürokratie "schon völlig überfrachtet" seien, sei eine "gänzliche Abschaffung dieses anachronistischen Elements ohne Wenn und Aber" überlegenswert. Der ÖÄK-Präsident schlägt hierfür ein zweijähriges Pilotprojekt vor.

"Wir können und werden in den Ordinationen jedenfalls keine Wartesäle für Patienten einrichten, die auf die Kassengenehmigung für ihre Verschreibung warten. Wir Ärzte sind mit Verwaltungsaufgaben für die Kassen schon über Gebühr belastet", betonte auch der Obmann der Bundeskurie Niedergelassene Ärzte in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Dr. Jörg Pruckner. "Zusätzlichen bürokratischen Aufwand, der weniger Zeit für Zuwendung für die Patienten bedeutet, lehnen wir mit allem Nachdruck ab. Der Bürokratieabbau ist ein absolutes Muss für die niedergelassenen Ärzte."

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