WirtschaftsBlatt-Kommentar Mehr PS für Autozulieferer

von Arno Maierbrugger

Wien (OTS) - Organisation ist alles: Das Autozulieferland Österreich bekommt nach langem Hin und Her endlich eine einheitliche Dachorganisation für eine der umsatzstärksten, wertschöpfungsträchtigsten und exportintensivsten Branchen unseres Landes überhaupt: Die "Triple A Service GmbH", in der drei Auto-Cluster, Wirtschaftskammer-Fachverbände und Industriellenvereinigung in Zukunft mit einer Stimme sprechen sollen.

Bevor dieser Zusammenschluss zu dem gediehen war, was er jetzt ist, ging hinter den Kulissen die Post ab: Der Automobil-Cluster Oberösterreich, dominiert von Firmen wie BMW, MAN, voestalpine oder Miba, steht seit jeher im Wettsttreit mit dem steirischen Cluster ACstyria, in dem Magna die erste Geige spielt. Dazu kam noch der von den anderen als indifferent empfundene Automobilcluster für Wien, Niederösterreich und Burgenland, der neben Siemens, Magna oder Bosch auch IT-, Marketing- und Consultingfirmen vereint.

Nicht, dass die Firmen aufeinander eifersüchtig wären - stets aber versuchte die Landespolitik, die umsatzstarken Cluster zu umarmen und dabei politisches Kleingeld einzuwechseln. Jetzt soll Schluss damit sein. Mit 1. Jänner werden die drei Einzelcluster gebündelt und der kaum mit viel öffentlicher Aufmerksamkeit belästigte Zulieferverband AOEM aufgelöst.

Dem neuen Dachverband müsste seine Rolle klar sein: Österreichs Zulieferbranche hat, bei allem Auftragsvolumen, das bisher für die vorwiegend deutsche Autohersteller-Kundschaft abgewickelt wurde, Handlungsbedarf. Das beispielsweise wegen der Tatsache, dass Österreichs Zulieferern Aufträge entgehen, weil man das Volkswagen-Slovakia-Werk von diesseits der Grenze nur per Feldweg oder Lastenkahn erreicht. Auch das Werk von PSA und Toyota in Böhmen ist nicht wesentlich leichter von Österreich anzusteuern.

Schafft es die fast 40 Milliarden Euro schwere Zulieferbranche nicht, ihre Interessen besser durchzusetzen, wird die einseitige Abhängigkeit von deutschen Herstellern grösser werden: Halb Steyr steht und fällt mit der Auftragslage bei BMW und MAN; BMW und DaimlerChrysler sehen Magna Steyr in erster Linie als "Outsourcing-Partner" - während in China eifrig an neuen Produktionsstrassen gebaut wird. Leichte Weltmarktprobleme schlagen auf Zulieferer mit hoher Werksabhängigkeit voll durch. Das muss sich ändern.

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