• 11.12.2003, 13:47:23
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Steiermark: Katastrophale Preissituation bei Schweinebauern hält an

Wlodkowski: Verlust von EUR 18,- pro Schwein - EU muss wirksam gegensteuern

Graz (AIZ) - "Das Preistief bei Schweinen ist für die heimischen
Bauern eine wirtschaftliche Katastrophe", betonte heute der
steirische Landwirtschaftskammer-Präsident Gerhard Wlodkowski vor
Journalisten. Derzeit habe jeder Schweinebauer pro verkauftem Schwein
einen Verlust von EUR 18,- zu tragen. Davon seien allein EUR 6,- auf
die dürrebedingten Höchstpreise für Futtermittel wie Mais und Soja
zurückzuführen. "Insgesamt ist dies für die heimischen Schweinehalter
ruinös", warnte der Präsident. Er forderte von der EU wirksame
Maßnahmen zur Marktentlastung, wie etwa die Ankurbelung der
Drittlandexporte durch entsprechende Erstattungen.

Ein typisch steirischer Vollerwerbsbetrieb mit 50 Muttersauen und
eigener Aufzucht schreibt laut Wlodkowski durch die derzeitige Misere
einen Betriebsverlust von EUR 18.000,-. Somit seien weder die
Arbeitskosten noch ein Teil der Produktionskosten gedeckt, rechnet
der Kammerpräsident vor.

Probleme durch hohen Euro- und geringen Dollar-Kurs

Hauptverursacher der europäischen Schweinekrise sei der massiv
gefallene Dollarkurs. Dieser habe seit Oktober 2002 gegenüber dem
Euro um rund 27% an Wert verloren. "Infolgedessen hat Europa seine
traditionellen Exportmärkte in Südostasien, Hongkong, Japan oder
Russland an die Mitbewerber USA, Brasilien oder Kanada verloren",
erläuterte Wlodkowski. Diese Länder könnten Schweinefleisch zumindest
um knapp ein Drittel billiger auf diesen europäischen Zielmärkten
anbieten.

EU muss Exporte ankurbeln

Der Präsident forderte daher von der EU den raschen Einsatz
wirksamer marktsteuernder Instrumente, um die Talfahrt der
Schweinepreise zu stoppen und für die Bauern wieder angemessene und
gerechte Preisverhältnisse herzustellen. "Mein größtes Mitgefühl
gehört jenen Betrieben, die auf Grund dieser europäischen Preismisere
ans Aufhören denken oder gezwungen werden, das Handtuch zu werfen",
unterstrich Wlodkowski. Durch die letzte Schweinekrise 98/99 hätten
knapp 6.000 Betriebe aufgegeben.

Konkret forderte Wlodkowski von der EU die sofortige Stützung der
EU-Exporte in Drittstaaten. Insbesondere die Belieferung des
wichtigen russischen Marktes mit EU-Schweinefleisch sei hier zu
nennen. Russland beabsichtige den Markt für ein Importkontingent von
230.000 t Schweinefleisch zu öffnen.

Bundesregierung soll für Kostenentlastung der Bauern sorgen

Von der Bundesregierung verlangte der Präsident die rasche
Umsetzung des vergünstigen Agrardiesels, um gegenüber den
europäischen Berufskollegen Wettbewerbsnachteile aufzuheben. Der
Dieselpreis liege in Österreich um 40% über dem europäischen
Durchschnitt und 119% über jenem von Dänemark, dem kostengünstigsten
EU-Land, argumentierte er. Außerdem dürfe es zu keiner Überwälzung
der Tierkörperverwertungs-Gebühren an die Bauern kommen.
Im Zusammenhang mit dem bundesweiten Tierschutzgesetz erklärte
Wlodkowski, alle über die EU-Standards hinausgehenden
Tierschutzkosten könnten von den Bauern nicht getragen werden, dies
lasse die angespannte Marktsituation nicht zu. Mit dem neu
geschaffenen Tiergesundheitsdienst erfolge eine umfassende Kontrolle
der Bauern. Es seien daher keine zusätzlichen Kontrollinstanzen wie
Tieranwaltschaft oder Tierombudsmänner notwendig.

An jene 25 österreichischen Schlachthöfe, die seit geraumer Zeit
keine Marketingbeiträge für Schweinefleisch mehr zahlen, richtete der
Präsident den Appell, ihre ausstehenden Beiträge zu entrichten, weil
mit diesem Geld die dringend notwendige Schweinefleischwerbung
finanziert werden könne.

"Wenn EU, Bundesregierung und Schlachthöfe nicht handeln, kommt es
zu einem wirtschaftlichen Einbruch in den ländlichen Regionen",
befürchtet der Kammerpräsident. Schätzungen zufolge könnten durch die
jetzige Schweinekrise bis Mitte 2004 weitere 2.000 Höfe zum Aufgeben
gezwungen werden. Zwischen 2001 und 2002 ist die Zahl der steirischen
Schweinebauern bereits von 20.050 auf 18.160 gesunken. In der Folge
könnten durch verringerte Investitionstätigkeit der Landwirtschaft,
eine verstärkte Abwanderung und durch die fehlende Kaufkraft in den
ländlichen Gebieten zusätzlich rund 4.000 außerlandwirtschaftliche
Arbeitsplätze gefährdet sein.

Entspannung auf dem Markt erst im Frühsommer 2004 erwartet

"Eine merkbare Entspannung der Situation auf dem Schweinemarkt
wird laut Prognosen erst im Frühsommer 2004 erwartet", erklärte Heinz
Schlögl, Geschäftsführer der Schweine-Vermarktungsgemeinschaft
Styriabrid. Durch den EU-Beitritt der zehn Kandidatenländer ergebe
sich ein zusätzliches Absatzpotenzial für Fleisch von etwa 100 Mio.
Konsumenten. Derzeit seien Ausfuhren in Beitrittsländer auf Grund der
ungünstigen Dollar-Euro-Parität fast nicht möglich. "Ab Mai 2004 wird
der Export dorthin deshalb einfacher, weil diese Staaten ihren Status
als Drittland verlieren. Alle Handelsbarrieren wie Zölle und
Grenzbeschränkungen fallen folglich weg, der freie Warenverkehr wird
umgesetzt", erklärte Schlögl. Außerdem werde durch zunehmenden
Wohlstand die Kaufkraft für hochwertige Lebensmittel größer.

Weiters werde die Tierhaltung in den neuen EU-Ländern abermals
zurückgehen, weil die Anlagen und Gebäude veraltet seien und für
notwendige Investitionen das Geld fehle. "Daher werden für die EU-15
und damit vor allem für Österreich die Exportchancen steigen", meinte
der Geschäftsführer. Styriabrid habe seit zwei Jahren sehr gute
Kontakte zu einigen Beitrittsländern, insbesondere zum Nachbarn
Slowenien. "Wir haben heuer bereits einige Tausend Schweine zu
unserem Partnerschlachthof in Murska Sobota exportiert. Diese
Zusammenarbeit soll in den nächsten Jahren weiter verstärkt werden.
Auch mit Ungarn finden bereits viel versprechende Gespräche statt",
berichtete Schlögl.
(Schluss)

Rückfragehinweis:
AIZ - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst

Tel: 01/533-18-43,   mailto:[email protected]
   http://www.aiz.info
   FAX: (01) 535-04-38
OTS0181    2003-12-11/13:47

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AIZ

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