"Besser Ein-Mann-Betriebe als gar keine" von Daniela Friedinger

Wiblatt-Kommentar Donnerstag-Ausgabe

Wien (OTS) - Manche Meldungen haben einen Bart so lang wie der des Weihnachtsmannes. Und sie sind ebenso entbehrlich wie es nach Ansicht fanatischer Christkindl-Änhänger der Weihnachtsmann in unseren Gefilden ist. Als Beispiel dafür gilt die neuerliche Mahnung des KSV, dass der Gründerboom der vergangenen Jahre lediglich auf Einzelunternehmen fusse. Gewiss, es ist verdienstvoll, dass einer hinter die nackten Zahlen blickt. Dass einer der Gesamtstatistik jene von protokollierten Firmen und Ein-Mann-Betrieben beifügt. Dass einer Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl, der alle Jahre wieder über neue Gründerrekorde jubelt, auf den Boden der Realität herunter holt. Schliesslich ist es Fakt, dass die Zahl der neu protokollierten, also ins Firmenbuch eingetragenen und meist etwas grösseren Betriebe, seit Jahren bei 5000 bis 6000 stagniert, während die Zahl der Einzelfirmen steigt. Tatsache ist aber auch, dass diese Klein- und Kleinstbetriebe allemal besser sind als keine neuen Unternehmen. Zum einen beleben sie die österreichische Selbstständigenquote, die bei nicht einmal acht Prozent liegt, und sie sind anders als in vielen südeuropäischen Ländern doch mehr als blosse Strassentandler. Zum anderen ist durch Studien belegt, dass im ersten Jahr zwar nur vier Prozent der Neuen auf mehr als fünf Mitarbeiter kommen, nach drei Jahren dieser Anteil aber auf 20 Prozent steigt. Und schliesslich spiegelt die Gründerstatistik die Gesamtwirtschaft und ihren Strukturwandel wider.

Schon jetzt zählen rund zwei Drittel der österreichischen Betriebe nicht mehr als ein bis zwei Mitarbeiter. Da die Zahl der grossen Industriebetriebe zudem schrumpft, kleine Dienstleister hingegen mehr werden, ist es nur logisch, wenn diese Entwicklung auch in der steigenden Zahl der Ein-Mann-Betriebsgründungen ihren Niederschlag findet. Freilich kann man einwenden, es würden sich viele in den Gründerdaten verstecken, die vom früheren Arbeitgeber in die Selbstständigkeit gezwungen wurden. Doch selbst wenn, ist es doch besser, sie päppeln die Gründerstatistik auf als sie tun das bei der Arbeitslosenquote. Und letztlich zeigen sogar diese so genannten neuen Selbstständigen: Der Trend geht endlich weg von der Beamten-und Versorgungs- hin zur Unternehmermentalität.

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