• 10.12.2003, 17:00:12
  • /
  • OTS0214 OTW0214

"Besser Ein-Mann-Betriebe als gar keine" von Daniela Friedinger

Wiblatt-Kommentar Donnerstag-Ausgabe

Wien (OTS) - Manche Meldungen haben einen Bart so lang wie der des
Weihnachtsmannes. Und sie sind ebenso entbehrlich wie es nach Ansicht
fanatischer Christkindl-Änhänger der Weihnachtsmann in unseren
Gefilden ist. Als Beispiel dafür gilt die neuerliche Mahnung des KSV,
dass der Gründerboom der vergangenen Jahre lediglich auf
Einzelunternehmen fusse. Gewiss, es ist verdienstvoll, dass einer
hinter die nackten Zahlen blickt. Dass einer der Gesamtstatistik jene
von protokollierten Firmen und Ein-Mann-Betrieben beifügt. Dass einer
Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl, der alle Jahre wieder über
neue Gründerrekorde jubelt, auf den Boden der Realität herunter holt.
Schliesslich ist es Fakt, dass die Zahl der neu protokollierten, also
ins Firmenbuch eingetragenen und meist etwas grösseren Betriebe, seit
Jahren bei 5000 bis 6000 stagniert, während die Zahl der Einzelfirmen
steigt. Tatsache ist aber auch, dass diese Klein- und Kleinstbetriebe
allemal besser sind als keine neuen Unternehmen. Zum einen beleben
sie die österreichische Selbstständigenquote, die bei nicht einmal
acht Prozent liegt, und sie sind anders als in vielen
südeuropäischen Ländern doch mehr als blosse Strassentandler. Zum
anderen ist durch Studien belegt, dass im ersten Jahr zwar nur vier
Prozent der Neuen auf mehr als fünf Mitarbeiter kommen, nach drei
Jahren dieser Anteil aber auf 20 Prozent steigt. Und schliesslich
spiegelt die Gründerstatistik die Gesamtwirtschaft und ihren
Strukturwandel wider.

Schon jetzt zählen rund zwei Drittel der österreichischen Betriebe
nicht mehr als ein bis zwei Mitarbeiter. Da die Zahl der grossen
Industriebetriebe zudem schrumpft, kleine Dienstleister hingegen mehr
werden, ist es nur logisch, wenn diese Entwicklung auch in der
steigenden Zahl der Ein-Mann-Betriebsgründungen ihren Niederschlag
findet. Freilich kann man einwenden, es würden sich viele in den
Gründerdaten verstecken, die vom früheren Arbeitgeber in die
Selbstständigkeit gezwungen wurden. Doch selbst wenn, ist es doch
besser, sie päppeln die Gründerstatistik auf als sie tun das bei der
Arbeitslosenquote. Und letztlich zeigen sogar diese so genannten
neuen Selbstständigen: Der Trend geht endlich weg von der Beamten-
und Versorgungs- hin zur Unternehmermentalität.

OTS0214    2003-12-10/17:00

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel