• 05.12.2003, 12:09:32
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  • OTS0144 OTW0144

WGKK: Studie belegt: Erhöhtes Versorgungsniveau in Großstädten gerechtfertigt

Erhöhtes Krankheitsrisiko der Großstadtbevölkerung führt zu stärkerer Inanspruchnahme ambulanter Gesundheitsleistungen

Wien (OTS) - Eine Studie des Österreichischen Bundesinstituts für
Gesundheitswesen (ÖBIG) hat erstmals anhand aller relevanten
verfügbaren Daten wissenschaftlich nachgewiesen, dass die Wiener
Gebietskrankenkasse aufgrund der großstadtbedingten Besonderheiten
des Bedarfes eine finanzielle Mehrbelastung gegenüber der
durchschnittlichen Gebietskrankenkasse von 15 Prozent hat. Die WGKK
fordert daher vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger, diesen
"Großstadtfaktor" im Ausgleichsfonds der Krankenversicherung
kommendes Jahr voll zu berücksichtigen. ****

Die Studie des ÖBIG hat analysiert, wie sich das Lebensumfeld und
die sozioökonomische Lage der Bevölkerung auf den Gesundheitszustand
und in weiterer Folge auf die Inanspruchnahme ambulanter
Gesundheitsleistungen auswirkt. Es wurden die Entsprechenden Daten
von Wien mit den Daten für ganz Österreich verglichen und in ein
EDV-gestütztes Simulationsmodell eingespielt. Das Ergebnis: Der
Bedarf an ambulanten Gesundheitsleistungen ist in Wien aufgrund
erhöhter Krankheits- und Sterblichkeitsraten deutlich größer als im
Bundesschnitt. Der ermittelte "Großstadtfaktor" beträgt 15 Prozent.

In der Studie wurden erstmals auch jene Faktoren des
Lebensumfeldes berücksichtigt, die einen großen Einfluss auf den
Gesundheitszustand der Menschen haben: Bildungsniveau,
Arbeitslosigkeit, Langzeitarbeitslosigkeit, Anteil der
Sozialhilfeempfänger etc. In Wien ist etwa der Anteil der
Langzeitarbeitslosen um 89 Prozent und der Anteil der
Sozialhilfeempfänger um das Eineinhalbfache höher als im
Bundesschnitt.

Breiten Raum findet die vergleichende Analyse der
Gesundheitsdaten: Lebenserwartung, Sterblichkeit, subjektiver
Gesundheitszustand, Anteil chronisch Kranker, Anteil von Menschen mit
großen Schmerzen, etc. So liegt beispielsweise die Sterblichkeitsrate
in Wien in den letzten zehn Jahren um rund 8 Prozent über dem
Bundesschnitt. Die Zahl der Menschen mit großen oder extremen
Schmerzen ist in Wien um 62 Prozent höher als im österreichweiten
Durchschnitt.

Lebensumfeld und Gesundheitszustand haben direkten Einfluss auf
den Bedarf und die Inanspruchnahme von ambulanten medizinischen
Leistungen. Wien hat daher auch eine deutlich höhere Dichte an
Vertragsärzten als andere Bundesländer.

Die WGKK fordert daher mit Recht und guten Argumenten mehr Mittel
aus dem Ausgleichsfonds der Krankenversicherungsträger beim
Hauptverband. Schließlich sieht das ASVG die Berücksichtigung eines
Großstadtfaktors explizit vor.

"Um das hohe Angebotsniveau für die Wienerinnen und Wiener halten
zu können ist es ein Gebot der Stunde, alle jene Stellen im System
ausfindig zu machen, wo ohne Nutzen für die Patienten unnötige Kosten
verursacht werden. Alle Experten stimmen überein, das dies im
ambulanten Sektor vor allem bei der Verschreibung teurer
Originalmedikamente bei gleichzeitiger Möglichkeit der Verordnung
eines wirkstoffgleichen aber billigeren Generikums der Fall ist.
Tariferhöhungen für die niedergelassenen Ärzte müssen daher mit einer
deutlichen Steigerung des Generikaanteils einher gehen" sagte der
Obmann der WGKK Franz Bittner unter Verweis auf die laufenden
Honorarverhandlungen mit der Wiener Ärztekammer.

OTS0144    2003-12-05/12:09

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