WGKK: Studie belegt: Erhöhtes Versorgungsniveau in Großstädten gerechtfertigt

Erhöhtes Krankheitsrisiko der Großstadtbevölkerung führt zu stärkerer Inanspruchnahme ambulanter Gesundheitsleistungen

Wien (OTS) - Eine Studie des Österreichischen Bundesinstituts für Gesundheitswesen (ÖBIG) hat erstmals anhand aller relevanten verfügbaren Daten wissenschaftlich nachgewiesen, dass die Wiener Gebietskrankenkasse aufgrund der großstadtbedingten Besonderheiten des Bedarfes eine finanzielle Mehrbelastung gegenüber der durchschnittlichen Gebietskrankenkasse von 15 Prozent hat. Die WGKK fordert daher vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger, diesen "Großstadtfaktor" im Ausgleichsfonds der Krankenversicherung kommendes Jahr voll zu berücksichtigen. ****

Die Studie des ÖBIG hat analysiert, wie sich das Lebensumfeld und die sozioökonomische Lage der Bevölkerung auf den Gesundheitszustand und in weiterer Folge auf die Inanspruchnahme ambulanter Gesundheitsleistungen auswirkt. Es wurden die Entsprechenden Daten von Wien mit den Daten für ganz Österreich verglichen und in ein EDV-gestütztes Simulationsmodell eingespielt. Das Ergebnis: Der Bedarf an ambulanten Gesundheitsleistungen ist in Wien aufgrund erhöhter Krankheits- und Sterblichkeitsraten deutlich größer als im Bundesschnitt. Der ermittelte "Großstadtfaktor" beträgt 15 Prozent.

In der Studie wurden erstmals auch jene Faktoren des Lebensumfeldes berücksichtigt, die einen großen Einfluss auf den Gesundheitszustand der Menschen haben: Bildungsniveau, Arbeitslosigkeit, Langzeitarbeitslosigkeit, Anteil der Sozialhilfeempfänger etc. In Wien ist etwa der Anteil der Langzeitarbeitslosen um 89 Prozent und der Anteil der Sozialhilfeempfänger um das Eineinhalbfache höher als im Bundesschnitt.

Breiten Raum findet die vergleichende Analyse der Gesundheitsdaten: Lebenserwartung, Sterblichkeit, subjektiver Gesundheitszustand, Anteil chronisch Kranker, Anteil von Menschen mit großen Schmerzen, etc. So liegt beispielsweise die Sterblichkeitsrate in Wien in den letzten zehn Jahren um rund 8 Prozent über dem Bundesschnitt. Die Zahl der Menschen mit großen oder extremen Schmerzen ist in Wien um 62 Prozent höher als im österreichweiten Durchschnitt.

Lebensumfeld und Gesundheitszustand haben direkten Einfluss auf den Bedarf und die Inanspruchnahme von ambulanten medizinischen Leistungen. Wien hat daher auch eine deutlich höhere Dichte an Vertragsärzten als andere Bundesländer.

Die WGKK fordert daher mit Recht und guten Argumenten mehr Mittel aus dem Ausgleichsfonds der Krankenversicherungsträger beim Hauptverband. Schließlich sieht das ASVG die Berücksichtigung eines Großstadtfaktors explizit vor.

"Um das hohe Angebotsniveau für die Wienerinnen und Wiener halten zu können ist es ein Gebot der Stunde, alle jene Stellen im System ausfindig zu machen, wo ohne Nutzen für die Patienten unnötige Kosten verursacht werden. Alle Experten stimmen überein, das dies im ambulanten Sektor vor allem bei der Verschreibung teurer Originalmedikamente bei gleichzeitiger Möglichkeit der Verordnung eines wirkstoffgleichen aber billigeren Generikums der Fall ist. Tariferhöhungen für die niedergelassenen Ärzte müssen daher mit einer deutlichen Steigerung des Generikaanteils einher gehen" sagte der Obmann der WGKK Franz Bittner unter Verweis auf die laufenden Honorarverhandlungen mit der Wiener Ärztekammer.

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