ÖAMTC-Test beweist: Herantrinken an 0,5 Promillegrenze mit Alkotestern ist der falsche Weg

Sechs Alkotest-Geräte auf dem Prüfstand des Clubs

Wien (ÖAMTC-Presse) - Der ÖAMTC hat sechs gängige Alkotester unter die Lupe genommen und auf ihre Tauglichkeit geprüft. Die Ergebnisse des Tests sind aber nicht mehr als ein Partygag - erwiesen sich doch die von den Alkotestern "ausgespuckten" Promille-Werte größtenteils als falsch. Das hat der Vergleich mit einem amtlich geeichten Alkomat-Gerät der Exekutive offensichtlich gemacht. "Die Geräte dienen maximal nur zur groben Orientierung des Autofahrers. Die Abweichungen zum tatsächlichen Promille-Wert waren teilweise enorm", resümiert ÖAMTC-Verkehrssicherheitsexperte Roman Michalek.

Mit dem Slogan "Rasch und unkompliziert zum exakten Promille-Wert" werben viele Anbieter von Alkotestern. Tatsächlich rasch und in den meisten Fällen unkompliziert lieferten beim ÖAMTC-Praxis-Test die meisten Alkomat-Geräte die Werte. Bei der exakten Auswertung der Promille-Höhe haperte es allerdings gewaltig. Das zeigte sich anhand der Promille-Messung bei den Testkandidaten Daniela (24 Jahre, 56 kg, 1,69 m) und Philipp (29 Jahre, 80 kg, 1,83 m). Die Abweichungen vom niedrigst gemessenen Wert zum höchsten betrugen im Extremfall 0,2 Promille.

"Das schlechte Abschneiden der meisten getesteten Geräte macht deutlich, dass das Herantrinken an die 0,5-Promille-Grenze schlicht und ergreifend nicht funktioniert", sagt Michalek. Nicht umsonst halten sich die Hersteller deshalb schadlos. In allen Bedienungsanleitungen steht zu lesen, dass z.B. "auch bei sorgfältiger Anwendung sich Abweichungen zwischen Atemalkohol-Konzentration und der allein maßgebenden Blutalkohol-Konzentration ergeben können".

In die Bewertung aufgenommen wurde die Genauigkeit der Werte und die Handhabung:

* Handalkomat alco-control-CA 2000: Das Gerät misst die Alkoholkonzentration in der Atemluft. Im ÖAMTC-Test zeigte dieser Handalkomat kaum niedrigere Werte als das amtlich geeichte Alkomat-Gerät. Der Unterschied zum Gerät der Exekutive betrug bei beiden Testkandidaten 0,08 Promille. Die Handhabung des Geräts war einfach. Preis: 127 Euro. Erhältlich ist das Gerät über das Internet.

* Handalkomat ACS Alert: Dieses Alkomat-Gerät ist in Österreich noch nicht erhältlich, steht aber vor der Markteinführung und wurde der Exekutive als Vortest-Gerät angeboten. Gemessen wird die Alkoholkonzentration in der Atemluft. Dieses Gerät lieferte beim Test die besten Ergebnisse, die Abweichungen zum Alkomat-Gerät der Exekutive waren relativ gering. Die höchste Abweichung im Verhältnis zum geeichten Gerät der Exekutive betrug lediglich 0,04 Promille. Einziger Kritikpunkt ist die relativ lange "Vorwärmzeit" des Gerätes von mehreren Minuten. Der Preis für diesen Handalkomaten steht noch nicht fest. Er wird von Hersteller-Seite mit maximal 1.000 Euro angegeben.

* Handalkomat SanoMed: Das Gerät funktionierte erst nach mehreren Fehlversuchen, wodurch mehrere Messungen notwendig waren. Die Unterschiede zum amtlichen Alkomat-Gerät betrugen mehr als 0,2 Promille. Das Plus des Gerätes liegt bei der Anwenderfreundlichkeit. Der Preis für dieses Handalkomat-Gerät beträgt 59,80 Euro.

* Dräger Alco-Check 0,5: Die Ergebnisse des Einmaltests mit Messbeutel waren ungenau. Auch bei geringem Alkoholisierungsgrad zeigte der Einmaltest einen Wert von über 0,5 Promille an. Um überhaupt zu einem Ergebnis zu kommen, ist im wahrsten Sinn des Wortes ein langer Atem notwendig: Der benötigte Kraftaufwand zum Aufblasen des Messbeutels ist sehr hoch. Preis pro Stück: 4,70 Euro.

* Alktest aus dem Internet: Programm zum Gratis-Download aus dem Internet. Der Alktest berechnet den Promillewert nach der Eingabe folgender
Werte: Geschlecht, Körpergewicht, Zeitraum der Alkoholaufnahme sowie Art und Menge der konsumierten Getränke. Verglichen zum amtlich geeichten Alkomat-Gerät waren die Ergebnisse sehr hoch. Der Unterschied zum Alkomaten der Exekutive machte bei Daniela mehr als 0,6 Promille aus. Bei Philipp errechnete das Programm um 0,3 Promille zuviel. Hier liegt das Plus eindeutig bei der Anwendung, die leicht und übersichtlich ist.

* Alkotester von firstsite: Der Alkotester für Mobiltelefone versteht sich laut Anbieter in erster Linie als "Fun Application" und richtet sich vornehmlich an Jugendliche. Bei der Berechnung der Blutalkohol-Konzentration werden folgende Parameter berücksichtigt:
Zeitpunkt der Alkoholaufnahme für jedes einzelne Getränk, Gewicht, Körpergröße, Geschlecht und Alter. Überraschend: Dieser Alkotester braucht sich hinter den Handalkomaten nicht zu verstecken, die Werte waren im Vergleich relativ genau. So gab der Alkotester bei Daniela um 0,16 Promille und bei Philipp um 0,17 Promille zuviel an. Einzig die Handhabung ist kompliziert und erfordert einiges an Übung. In Österreich wird die firstsite-Anwendung noch nicht angeboten.

Das Resümee des ÖAMTC-Verkehrssicherheitsexperten Roman Michalek:
"Die Geräte taugen in der Praxis nicht und dürfen nicht zum Herantrinken angedacht werden. Denn Trunkenheit beginnt nicht erst bei 0,5 Promille. Schon ab 0,2 Promille Blutalkohol-Gehalt steigt die Gefahr, dass der Autolenker Situationen falsch einschätzt." Es ist nicht möglich, dass die genaue Promillezahl nach der Anzahl der alkoholischen Getränke berechnet wird. Faktoren wie Körpergewicht, Stress, Tagesverfassung und individuelle Alkoholverträglichkeit wirken sich maßgeblich auf die Fahrtüchtigkeit nach Alkoholkonsum aus.

Aviso an die Redaktionen:
Fotos zum ÖAMTC-Alkomat-Geräte-Test finden sich auf der Homepage des Clubs unter http://www.oeamtc.at/presse/.

(Schluss)
ÖAMTC-Pressestelle/Michael Holzinger

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