Wien: Höchste Sterblichkeitsraten bei Herz-Kreislauf, Krebs und AIDS

Deutlich mehr Krankheits- und Todesfälle als in den Bundesländern - Ärztekammer fordert Weltstadtfaktor ein

Wien (OTS) - "Wien hat gesundheitspolitisch betrachtet einen unglaublichen Mehraufwand", betonte Ärztekammerpräsident Prim. MR Dr. Walter Dorner anlässlich der Präsentation von neuesten Daten zur Gesundheit der Wienerinnen und Wiener. "In einigen Krankheitsbereichen liegt die Erkrankungshäufigkeit und das Sterblichkeitsrisiko der Wiener Bevölkerung deutlich über dem österreichischen Durchschnitt". ****

Zudem ziehe eine Universitätsstadt Patienten aus der näheren und weiteren Umgebung an, was ebenfalls einen diagnostischen und therapeutischen Mehraufwand zur Folge hätte. "Die Politik aber ignoriert beharrlich den so genannten Weltstadtfaktor und gefährdet damit bewusst die medizinische Versorgung in der Bundeshauptstadt", kritisiert der Ärztechef.

Die Besonderheiten in gesundheitspolitischer Hinsicht beziehen sich auf eine spezielle Bevölkerungsstruktur, spezielle gesundheitliche Probleme und andere gesundheitspolitische Herausforderungen. Wien hat wie alle anderen Weltstädte auch einen höheren Bedarf an medizinischen Leistungen. Dieses Weltstadtproblem ist auf einige Charakteristika von urbanen Ballungsräumen zurückzuführen. Wien hat bei bestimmten Erkrankungen (Herz-Kreislauf, Krebs, AIDS, Bluthochdruck, Erkrankungen der Atmungsorgane, Diabetes, etc.) die höchste Krankheits- und Sterblichkeitsrate.

Dr. Melitta Bohn-Rieder, Referentin für Weltstadtmedizin in der Ärztekammer für Wien, weiß über die wienspezifischen Probleme Bescheid: "In Wien ist die Zahl der sozial Schwachen, Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger relativ hoch. Das Problem ist, dass Gruppen mit niedrigem sozioökonomischen Status die höchsten Krankheitsrisiken haben." Großstädter seien zudem mit zahlreichen negativen Umweltfaktoren wie Lärm, Staub, Abgase, Stress, Anonymität und Einsamkeit belastet, so Bohn-Rieder - alles Faktoren, die sich negativ auf die Gesundheit auswirkten.

Die Probleme der Wiener Bevölkerung

Die Ergebnisse der Gesundenuntersuchung in Wien aus dem Jahr 2000 zeigen die gesundheitlichen Probleme der Wiener Bevölkerung sehr deutlich: 66,5 Prozent der Wiener leiden unter Hypercholesterinämie (zu hohe Cholesterinwerte), 63,8 Prozent haben Übergewicht, 14 Prozent verfügen über eine pathologische Lungenfunktion, 14 Prozent haben einen Leberzellschaden und 12 Prozent leiden an Hypertonie (Bluthochdruck).

Vom schlechteren allgemeinen Gesundheitszustand in Wien sind vor allem Arbeiter betroffen. 60 Prozent der Arbeiter in Wien rauchen, ebenfalls 60 Prozent leiden an Übergewicht, 25 Prozent an Adipositas (Fettsucht), 33 Prozent an Hypertonie. Diese Daten liegen weit über dem österreichischen Durchschnitt. Allein in Wien rauchen mehr als 550.000 Personen.

Univ.-Prof. Dr. Anita Rieder vom Institut für Sozialmedizin der Medizinischen Universität Wien: "Die Wiener sind die eifrigsten Raucher und haben deshalb auch mit den meisten Folgen des Tabakkonsums zu rechnen und zu kämpfen. Der Bildungsunterschied ist besonders deutlich: Ungefähr 50 Prozent der Wiener Hilfsarbeiter rauchen. Hilfsarbeiter am Land und in der Stadt rauchen ebenfalls am meisten, betrachtet nach Berufen, jedoch weniger als in Wien."

Mit dem ungesunden Lebensstil in Wien sind auch eine Reihe von schweren, chronischen Erkrankungen häufiger anzutreffen. Besonders gravierend stellt sich zum Beispiel die Situation bei der Zuckerkrankheit dar. Im Vergleich zu Gesamtösterreich sind Wiener Männer mit Pflichtschulabschluss in allen Altersgruppen am häufigsten betroffen.

In Wien gibt auch einen größeren Prozentsatz an Herzinfarkten und Schlaganfällen. Bei Schlaganfall überwiegen die über 50-jährigen Männer, ähnlich wie auch beim chronischen Bluthochdruck, wobei besonders auffällt, dass 0,5 Prozent der Wiener Frauen zwischen 45 und 59 Jahren dies angeben, im Vergleich zu nur 0,1 bis 0,2 Prozent in anderen Regionen. (bb)

(Forts.)

Rückfragen & Kontakt:

Ärztekammer für Wien - Pressestelle
Dr. Hans-Peter Petutschnig
Tel.: (++43-1) 51501/1223 od. 0664/1014222
Fax: (++43-1) 51501/1289
hpp@aekwien.or.at
http://www.aekwien.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NAW0001