- 05.12.2003, 10:20:00
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Wien: Höchste Sterblichkeitsraten bei Herz-Kreislauf, Krebs und AIDS
Deutlich mehr Krankheits- und Todesfälle als in den Bundesländern - Ärztekammer fordert Weltstadtfaktor ein
Wien (OTS) - "Wien hat gesundheitspolitisch betrachtet einen
unglaublichen Mehraufwand", betonte Ärztekammerpräsident Prim. MR Dr.
Walter Dorner anlässlich der Präsentation von neuesten Daten zur
Gesundheit der Wienerinnen und Wiener. "In einigen
Krankheitsbereichen liegt die Erkrankungshäufigkeit und das
Sterblichkeitsrisiko der Wiener Bevölkerung deutlich über dem
österreichischen Durchschnitt". ****
Zudem ziehe eine Universitätsstadt Patienten aus der näheren und
weiteren Umgebung an, was ebenfalls einen diagnostischen und
therapeutischen Mehraufwand zur Folge hätte. "Die Politik aber
ignoriert beharrlich den so genannten Weltstadtfaktor und gefährdet
damit bewusst die medizinische Versorgung in der Bundeshauptstadt",
kritisiert der Ärztechef.
Die Besonderheiten in gesundheitspolitischer Hinsicht beziehen
sich auf eine spezielle Bevölkerungsstruktur, spezielle
gesundheitliche Probleme und andere gesundheitspolitische
Herausforderungen. Wien hat wie alle anderen Weltstädte auch einen
höheren Bedarf an medizinischen Leistungen. Dieses Weltstadtproblem
ist auf einige Charakteristika von urbanen Ballungsräumen
zurückzuführen. Wien hat bei bestimmten Erkrankungen (Herz-Kreislauf,
Krebs, AIDS, Bluthochdruck, Erkrankungen der Atmungsorgane, Diabetes,
etc.) die höchste Krankheits- und Sterblichkeitsrate.
Dr. Melitta Bohn-Rieder, Referentin für Weltstadtmedizin in der
Ärztekammer für Wien, weiß über die wienspezifischen Probleme
Bescheid: "In Wien ist die Zahl der sozial Schwachen, Arbeitslosen
und Sozialhilfeempfänger relativ hoch. Das Problem ist, dass Gruppen
mit niedrigem sozioökonomischen Status die höchsten Krankheitsrisiken
haben." Großstädter seien zudem mit zahlreichen negativen
Umweltfaktoren wie Lärm, Staub, Abgase, Stress, Anonymität und
Einsamkeit belastet, so Bohn-Rieder - alles Faktoren, die sich
negativ auf die Gesundheit auswirkten.
Die Probleme der Wiener Bevölkerung
Die Ergebnisse der Gesundenuntersuchung in Wien aus dem Jahr 2000
zeigen die gesundheitlichen Probleme der Wiener Bevölkerung sehr
deutlich: 66,5 Prozent der Wiener leiden unter Hypercholesterinämie
(zu hohe Cholesterinwerte), 63,8 Prozent haben Übergewicht, 14
Prozent verfügen über eine pathologische Lungenfunktion, 14 Prozent
haben einen Leberzellschaden und 12 Prozent leiden an Hypertonie
(Bluthochdruck).
Vom schlechteren allgemeinen Gesundheitszustand in Wien sind vor
allem Arbeiter betroffen. 60 Prozent der Arbeiter in Wien rauchen,
ebenfalls 60 Prozent leiden an Übergewicht, 25 Prozent an Adipositas
(Fettsucht), 33 Prozent an Hypertonie. Diese Daten liegen weit über
dem österreichischen Durchschnitt. Allein in Wien rauchen mehr als
550.000 Personen.
Univ.-Prof. Dr. Anita Rieder vom Institut für Sozialmedizin der
Medizinischen Universität Wien: "Die Wiener sind die eifrigsten
Raucher und haben deshalb auch mit den meisten Folgen des
Tabakkonsums zu rechnen und zu kämpfen. Der Bildungsunterschied ist
besonders deutlich: Ungefähr 50 Prozent der Wiener Hilfsarbeiter
rauchen. Hilfsarbeiter am Land und in der Stadt rauchen ebenfalls am
meisten, betrachtet nach Berufen, jedoch weniger als in Wien."
Mit dem ungesunden Lebensstil in Wien sind auch eine Reihe von
schweren, chronischen Erkrankungen häufiger anzutreffen. Besonders
gravierend stellt sich zum Beispiel die Situation bei der
Zuckerkrankheit dar. Im Vergleich zu Gesamtösterreich sind Wiener
Männer mit Pflichtschulabschluss in allen Altersgruppen am häufigsten
betroffen.
In Wien gibt auch einen größeren Prozentsatz an Herzinfarkten und
Schlaganfällen. Bei Schlaganfall überwiegen die über 50-jährigen
Männer, ähnlich wie auch beim chronischen Bluthochdruck, wobei
besonders auffällt, dass 0,5 Prozent der Wiener Frauen zwischen 45
und 59 Jahren dies angeben, im Vergleich zu nur 0,1 bis 0,2 Prozent
in anderen Regionen. (bb)
(Forts.)
OTS0073 2003-12-05/10:20
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