• 04.12.2003, 10:09:29
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KHOL: WIR HABEN EIN WUNDERBARES PARLAMENTSGEBÄUDE ÜBERNOMMEN Ausstellung: 120. Jahrestag der ersten Sitzung im Parlamentsgebäude

Wien (PK) - Vor genau 120 Jahren, am 4. Dezember 1883, sind die
Mitglieder des Abgeordnetenhauses des Reichsrates erstmals im
Plenarsaal des neuen Parlamentsgebäudes zu einer Sitzung
zusammengetreten. Vorher mussten sich die Parlamentarier mit
einem zweigeschoßigen Riegelwandbau am Schottentor begnügen, das
die Wienerinnen und Wiener despektierlich "Bretterbude" oder nach
dem Vater der Verfassung, dem Staatsminister Anton Ritter von
Schmerling "Schmerling-Theater" nannten. Österreich hatte bereits
im Jahr 1861 durch das Februarpatent mit dem Grundgesetz über die
Reichsvertretung ein Parlament mit der Bezeichnung "Reichsrat".

Dieser Jahrestag der offiziellen Übernahme des Parlamentsgebäudes
am Ring als neue Heimstätte der Gesetzgebung wurde zum Anlass
genommen, eine Ausstellung in der Säulenhalle zu gestalten. Sie
zeigt einen kurzen Überblick über die Baugeschichte sowie über
aktuelle Restaurierungsprojekte. Nationalratspräsident Andreas
Khol sagte in seiner Eröffnungsrede, man habe ein wunderbares
Gebäude übernommen, und wies auf die Verantwortung hin, das
Parlamentsgebäude zu erhalten, indem er Johann Wolfgang von
Goethe zitierte: "Was du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb
es, um es zu besitzen".

Das Morgenblatt der Neuen Freien Presse schrieb an diesem
4. Dezember 1883: "Mit diesem Gebäude hat er sich ein Denkmal
gesetzt, so dauerhaft und vielsagend, wie eben alle Schöpfungen
echter Kunst". Gemeint war der Architekt des Parlamentsgebäudes,
Theophil Hansen, der mit dem im Stil des Historismus unter
Verwendung der Formen griechischer antiker Tempelarchitektur
erbauten Parlamentsgebäude der Demokratie und der Aufgabe der
Volksvertretung ein architektonisches Gleichnis errichten wollte
und auch errichtet hat. Das Parlamentsgebäude wurde zum Symbol
der parlamentarischen Demokratie in Österreich, womit nicht nur
in künstlerischem Sinn, sondern auch in historischem und
demokratiepolitischem Sinn die Verpflichtung verbunden ist, das
Haus und seine Bausubstanz zu bewahren. Dem muss daher auch
kontinuierlich durch Restaurierungs-, Sanierungs- und
Erneuerungsarbeiten entsprochen werden.

In einer PowerPoint-Präsentation wurde den Anwesenden ein
Streifzug zur Baugeschichte, von den Entwürfen und vom Baubeginn
angefangen, über eine Dokumentation des Baufortschritts bis hin
zur ersten Sitzung des Abgeordnetenhauses geboten. Zu sehen waren
auch die seither aufgetretenen Schäden an der Parlamentsrampe und
an den Quadrigen.

Die Schau selbst zeigt ausgewählte Exponate zu diesem
Themenkreis, darunter ein Modell der Quadrigen aus vergoldeter
Bronze aus dem Museum für Angewandte Kunst, das erstmals
ausgestellt wird. Eine weitere Premiere stellt eine
Schreibtischgarnitur mit Statuette der Pallas Athene dar, eine
Leihgabe der Wirtschaftskammer, welche noch nie in ihrer
Gesamtheit der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Die
Betrachterinnen und Betrachter können auch ein Rad eines
Triumphwagens (Quadriga) bewundern. Sie erhalten darüber hinaus
nicht nur Informationen über deren Restaurierung, sondern auch
über die Arbeitsschritte zur Blattvergoldung der
Gusseisenaufsätze der Schornsteine, die, wie alles am
Parlamentsgebäude, ein Kunstwerk sind.

Von Interesse ist auch ein Bild der ersten Sitzung des
Abgeordnetenhauses im neuen Parlamentsgebäude und das
Stenographische Protokoll dieser 315. Sitzung in der IX. Session
am 4. Dezember 1883. Wie die Wiener Abendpost berichtete, ist
damals ein Gesetzentwurf betreffend die Unfallversicherung der
Arbeiter eingebracht worden. Der Finanzminister hat an diesem Tag
den Staatsvoranschlag für 1884 eingebracht.

Die Ausstellung ist noch in der nächsten Woche zu sehen. Von der
Parlamentsdirektion wurde dazu ein Katalog erstellt (Schluss)

Eine Aussendung der Parlamentskorrespondenz
Tel. +43 1 40110/2272, Fax. +43 1 40110/2640
e-Mail: [email protected], Internet: http://www.parlament.gv.at

OTS0068    2003-12-04/10:09

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