• 03.12.2003, 11:00:00
  • /
  • OTS0088 OTW0088

Pharma-Industrie geschlossen gegen 61. ASVG-Novelle

Der vorliegende Gesetzesentwurf bringt Nachteile für Industrie und Patienten.

Wien (OTS) - "Den vorliegenden Gesetzesentwurf wollen und können
wir so nicht mittragen", erklärt Ulrich Bode, Präsident der Pharmig,
Vereinigung pharmazeutischer Unternehmen. Grund für die Ablehnung der
Pharma-Industrie ist die Tatsache, dass der Gesetzesentwurf, der
morgen im Parlament beschlossen werden soll, in entscheidenden
Punkten vom vorher vereinbarten Verhandlungsergebnis abweicht. So sei
die versprochene Abschaffung der Chefarztpflicht in Wahrheit
Makulatur, da der Chefarzt auch weiterhin die
Medikamentenverschreibung kontrolliert - und zwar über den Arzt. Für
den Patienten ändert sich leider nur wenig: Statt im Büro des
Chefarztes muss er nun in der Ordination des Arztes auf die
chefärztliche Genehmigung seines Medikaments warten. "Wir wollen
jedoch die individuelle Chefarztgenehmigung ganz abschaffen", stellt
Alexander Mayr, Präsident des Fopi, des Forums der forschenden
pharmazeutischen Industrie, klar. "Der vorliegende Gesetzesentwurf
würde aber die Zugangsbarrieren für Patienten verschärfen statt diese
abzuschaffen."

Ähnlich ist die Situation bei der Aufnahme von innovativen
Medikamenten ins Heilmittelverzeichnis, das die Bezahlung von
Arzneimitteln durch die Kasse ermöglicht. "Vom versprochenen
leichteren Zugang ist jetzt keine Rede mehr", kritisiert
Pharmig-Präsident Bode. "Stattdessen setzt sich die
innovationsfeindliche Haltung des Hauptverbands fort." Ein Grund
dafür sei unter anderem die Zusammensetzung der HEK, der
Heilmittel-Evaluierungs-Kommission. Dieses Gremium wird künftig eine
Empfehlung darüber abgeben, welche Medikamente ins
Heilmittelverzeichnis aufgenommen werden und welche nicht - die
Mehrheit in dieser Kommission stellen aber Vertreter des
Hauptverbands. Von unabhängigen Empfehlungen, so die Befürchtung,
könne daher nicht ausgegangen werden.

Kritik am Gesetzesentwurf kommt aber auch vom stellvertretenden
Obmann des Österreichischen Generikaverbands, Ulrich Sekotill. "Die
neue Preisregelung für Generikahersteller ist schlicht und einfach
existenzbedrohend. Wir haben extrem niedrige Preise und das in einem
extrem kleinen Markt. Anstatt Generika zu fördern, macht es uns die
Regierung künftig noch schwerer."

Die Vertreter der Pharma-Industrie appellieren nun gemeinsam an
Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat, den umstrittenen Entwurf in
letzter Sekunde zurückzuziehen und weitere Verhandlungen zu
ermöglichen. "Es wäre schade", so Pharmig-Präsident Bode, "würde die
Chance auf eine echte Gesundheitsreform einmal mehr vertan."

OTS0088    2003-12-03/11:00

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PHA

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel