Kossina: Die Umwelt atmet auf

Neue Winterdienst-Verordnung bringt ökologische Verbesserungen

Wien (OTS) - "Mit der neuen Winterdienst-Verordnung kann Wien aufatmen", betonte heute Umweltstadträtin Dipl. Ing. Isabella Kossina in einem Mediengespräch mit der Leiterin der MA 22, Umweltschutz, Dr. Karin Büchl-Krammerstätter und dem Leiter der MA 48, Abfallwirtschaft, Dipl. Ing. Peter Bortenschlager. Sie waren wesentlich an der Ausarbeitung der neuen Verordnung beteiligt. "Weniger Splitt auf Wiens winterlichen Straßen wird die Luftqualität im Winter und Frühjahr verbessern", ist Kossina überzeugt.

In den vergangenen Jahren verursachte Splitt hohe Feinstaubkonzentrationen besonders im Winter und Frühjahr. Vom vergangenen Jänner bis Ende Oktober 2003 gab es fast eine dreifache Überschreitung der festgelegten Immissionswerte. An sechs Wiener Messstellen misst die MA 22, Umweltschutz, Feinstaub.

Umweltstadträtin Kossina reagierte darauf: "Eine Verbesserung der Luftqualität kann durch den geringeren Einsatz von Splitt im Winter möglich werden. Mit der neuen 'Winterdienst-Verordnung 2003' sind dazu die richtigen Schritte gesetzt worden." Die "Auftaumittelverordnung 1982" wird damit ersetzt.

Die wichtigsten Änderungen: In der Nähe von Grünflächen ist das Streuen von Salz (d.s. Natrium- oder halogenidhaltige Auftaumittel, wie z.B. Calciumchlorid, Magnesiumchlorid oder Natriumacetat) wie bisher grundsätzlich verboten. Auf den übrigen Flächen wird Feuchtsalz in Zukunft erlaubt sein, kann aber gezielter und auch vorbeugend zum Einsatz gelangen. Eis- und Schneeglätte können durch diese Maßnahme besser vermieden und bekämpft werden. So ist bei angesagtem Eisregen die Präventivstreuung in Zukunft erlaubt.

"Durch das Verbot der Verwendung von Salz bei Grünflächen - hier dürfen Splitt oder umweltverträglichere Auftaumittel wie z.B. Kaliumkarbonat gestreut werden - werden Böden, Pflanzen und Gewässer besonders geschützt. Die ‚Winterdienst-Verordnung 2003’ ist damit ein wichtiger ökologischer Schritt für Wiens Umwelt", betonte Dr. Karin Büchl-Krammersätter, Leiterin der Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22).

Weiters sieht die Winterdienst-Verordnung ein generelles Verbot der Verwendung von stickstoffhaltigen Auftaumitteln vor, da diese zu einer Belastung des Bodens, zur Überdüngung und einer Verschmutzung des Grund- und Quellwassers führen können. Diese Bestimmung tritt jedoch erst am 1. Juli 2004 in Kraft.

Die "Winterdienst-Verordnung 2003" enthält - im Gegensatz zur bisher geltenden "Auftaumittelverordnung 1982" - auch Bestimmungen über abstumpfende Streumittel wie z.B. Splitt oder Blähton.

Basierend auf Messungen an Wiener Luftmessstellen, die eine wesentlich höhere Feinstaubbelastung in Wintermonaten im Vergleich zu anderen Monaten erkennen lassen, ist eine Beschränkung der Verwendung von Splittsorten, die im Straßenverkehr eine besonders hohe Staubbelastung verursachen, notwendig.

Es sind daher mit der "Winterdienst-Verordnung 2003" bestimmte abstumpfende Streumittel (u.a. Quarzsand, Quarzsplitt und Betonrecyclingsplitt) verboten. Für andere abstumpfende Streumittel wurden bestimmte Kriterien (wie z.B. Korngröße innerhalb einer Bandbreite von 2 bis 8 mm, Staubarmut, kantige Form, hohe Abriebhärte) vorgeschrieben, die ebenfalls die Entstehung von Feinstaub reduzieren sollen.

Schließlich sieht die neue Verordnung vor, dass auf öffentlichen Verkehrsflächen verwendete Auftaumittel (Salz) bzw. abstumpfende Streumittel (Splitt) einzukehren sind, wenn diese Mittel für die Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit nicht mehr notwendig sind.

Weniger Salz und weniger Splitt

"Mir war es wichtig, dass weniger Salz und weniger Splitt auf die Böden gelangen und trotzdem Eis- und Schneeglätte gezielt bekämpft werden. Die Sicherheit der Menschen und des Naturschutzes stehen dabei im Vordergrund. Durch den Einsatz von Sole ( Feuchtsalz:
Natriumchlorid mit Sole befeuchtet) wird rund 20 Prozent weniger Salz verwendet und kann gezielter auf die Fahrbahn aufgebracht werden. Windverwehungen können diesem Auftaumittel nichts anhaben. Das Feuchtsalz bleibt dort, wo man es aufgetragen hat und ist damit effektiver als trockenes Salz", so Kossina.

Außerdem reagiert es durch die Beigabe von Feuchtigkeit rascher, sodass die Verkehrssicherheit schneller hergestellt ist. Alle Fahrzeuge des Fuhrparks der MA 48, Winterdienst, sind ab sofort bereit Feuchtsalz aufzutragen. Sie wurden für diesen Zweck umgerüstet.

Zehn Meter Schutzzone für Grünflächen

In Parks, Alleen und Grünflächen ist der Einsatz von Natriumchlorid grundsätzlich verboten (ausgenommen bei der generellen Aufhebung des Salzstreuverbotes, z.B. bei Eisregen). Hier darf Splitt, Kaliumcarbonat und z.B. Blähton gestreut werden.

Kossina: "Bei allen Grünflächen gilt eine zehn Meter Schutzzone. Ein wesentlicher Beitrag für die Natur und für die Böden, denn so wird der Schädigung des Erdreichs und der Pflanzen vorgebeugt."

Dipl. Ing. Peter Bortenschlager: "Insgesamt betreut die MA 48, Winterdienst, ein 2800 Kilometer langes Straßennetz, was einer Strecke von Wien nach Lissabon entspricht. Bis zu 1400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind bei winterlichen Straßenverhältnissen im Einsatz. 79 Großfahrzeuge des Fuhrparks und 140 private Fahrzeuge sind bei Bedarf rund um die Uhr unterwegs. Für Nebengassen hat die Straßenreinigung 179 Klein-LKW und Traktoren zur Verfügung.

Mit der neuen Winterdienstverordnung kann der Winterdienst der MA 48, noch effizienter und vorausschauender planen. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag für die Sicherheit der Fußgeher und aller Verkehrsteilnehmer."

Bortenschlager betont jedoch: "Gehsteige müssen von Hausbesitzern, Hausbesorger und Reinigungsfirmen rechtzeitig betreut werden. Dieser Zuständigkeitsbereich liegt nicht bei der MA 48. Präventivstreuung auch am Gehsteig ist nur mit befeuchtetem Natriumchlorid bzw. befeuchtetem Kaliumcarbonat und nicht mit Splitt erlaubt. Auch hier muss eine zehn Meter Schutzzone zu Grünflächen eingehalten werden."

Lagerbestände an abstumpfenden Streumitteln (z.B. Splitt) dürfen bis längstens 1. Mai 2005 aufgebraucht werden. Kossina: "Als Umweltstadträtin empfehle ich jedoch sofort umzusteigen, so wie dies auch die MA 48 ab sofort tut."

Der Einsatz von stickstoffhaltigen Auftaumitteln wie zum Beispiel Harnstoff ist ab dem Winter 2004/2005 generell verboten, da sie zu einer Belastung des Bodens, zur Überdüngung und zur Verschmutzung des Grundwassers führen können.

Die Splitteinkehrung auf Gehsteigen und Gehwegen muss ab sofort bei jeder Tauperiode durchgeführt werden. Verantwortlich dafür sind private Hausbesitzer, Hausbesorger oder Privatfirmen.

"Der Winterdienst habe für eine Millionenstadt wie Wien einen hohen Stellenwert. Die MA 48 ist mit der neuen Winterdienstverordnung bestens gerüstet. Trotzdem sollte bei schlechten Fahrbahnverhältnissen die öffentlichen Verkehrsmittel verstärkt genutzt werden", unterstrich die Wiener Umweltstadträtin. Immer wieder gebe es auch Probleme mit Fahrzeugen, die auch im Winter mit Sommerreifen unterwegs sind. Kossina: "Für jeden verantwortungsbewussten Fahrer ist der Umstieg auf Winterreifen selbstverständlich." (Schluss) bfm

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