• 26.11.2003, 12:00:36
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Mankers Konzept für das Volkstheater

Wien (OTS) - In die Suche nach der neuen Direktion des Wiener
Volkstheaters kommt Bewegung: Paulus Manker, Schauspieler, Regisseur,
Impresario ("Alma") und Theater-Extremist, gibt in der morgen
erscheinenden NEWS-Ausgabe ein spektakuläres Konzept für die Leitung
des Hauses bekannt.

Manker will den riesigen Bühnenraum (ein Guckkasten mit fast 1.000
Plätzen) grundlegend verändern: Durch Herablassen des (schalldichten)
Eisernen Vorhanges sollen zwei gleichzeitig bespielbare Räume
geschaffen werden: Einer im derzeitigen Zuschauerraum, in dessen
Mitte eine variable, aus Podesten und Tribünen bestenende Bühne und
500 Sitzplätze entstehen sollen. Und einer kleineren mit 400
Sitzplätzen auf der derzeitigen Bühne. Für einzelne Produktionen kann
jederzeit wieder der ursprüngliche Zustand hergestellt werden.

Entscheidend ist für Manker der Ensemblegedanke. "Wenn nicht jeder
Beteiligte, vom Protagonisten bis zum Requisiteur, weiß, womit er
seine Arbeit begründet, wird das Theater lächerlich." Manker verweist
auf die Unterstützerliste mit Zadek, Voss, Schell, Kirchner,
Schlingensief, Tukur, Mühe, Lothar, Heltau, Nicoletti, Hader ... "
Viele Theaterleute sehnen sich nach einem Zentrum, dem sie natürlich
nicht zwölf Monate angehören müssen. Ich meine diejenigen, die alles
erreicht haben und draufkommen, dass das nicht alles gewesen sein
kann." Selbst Peter Zadek ist erschwinglich, wenn ihn das Projekt
überzeugt, wie Tukur und Waller an den Hamburger Kammerspielen
bewiesen haben." Viele würden unter Reduktion ihrer übliche Gage ein
bis zwei Saisonen helfen, einem neuen Theater auf die Sprünge zu
helfen. "Dann müssten wir Subventionsgeber und Sponsoren soweit
überzeugt haben, dass Alltag in die Geschäftsgebarung einkehrt."
Dabei könnte mit Hilfe von Autoren wie Joshua Sobol blitzschnell auf
politische Ereignisse reagiert werden wie bei der denkwürdigen
Produktion "Eye Witness" in Tel Aviv, mit der die beiden sogar
Kampfpiloten dazu bewogen, das Bombardement palästinensischer
Siedlungen zu verweigern. Auch Luc Bondy hat
Festwochen-Koproduktionen angeboten.

Manker zum Spielplan: "Das Publikum folgt einem viel weiter, als
viele glauben. Es darf nur nicht den Eindruck haben, verarscht zu
werden. Zu ,Alma’ ist man mir 3.600 Kilometer nach Lissabon gefolgt,
weil etwas geboten wurde, was man anderswo nicht bekommt. So soll es
am Volkstheater auch sein." Mit dem Verlust von 20 bis 25% des
bisherigen Publikums müsse bei radikalem Neubeginn vielleicht
gerechnet werden, fügt Manker hinzu. "Es ist Grundvoraussetzung, dass
akzeptiert wird, dass dieses Theater einen anderen Charakter erhält
als zuletzt. Dann gewinnt man auch neues, unverbrauchtes Publikum
hinzu!" Sein Vater hat als Regisseur und Direktor mit
Nestroy-Inszenierungen Stilgeschichte geschrieben. "Das war der
proletarische, aufsässige Nestroy. Nur: Wo finden wir heute die
Schauspieler, die das verkörpern?" Manker weiß die Antwort: Die
großen Kabarettisten haben gelernt, Sprache als Waffe zu nutzen, und
das ist komödiantisch erstklassiger Form." Sie wären Mankers
Nestroy-Protagonisten.

OTS0165    2003-11-26/12:00

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