- 26.11.2003, 10:52:34
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Industrie sieht weiterhin massive Bedrohung durch den Emissionshandel
Kritik der IV an Aussagen von Prof. Schleicher - Verniedlichung oder Ideologisierung des Themas dient weder politischer Lösung noch 170.000 Arbeitnehmern in energieintensiver Industrie
Wien (OTS) - (PdI) Die Industriellenvereinigung (IV) weist die
gestern kolportierte Meldung (APA0517), wonach der Grazer
Volkswirtschafter Prof. Schleicher nur "sehr geringe" Kosten durch
den Emissionshandel auf die energieintensiven Unternehmen zukommen
sieht, mit Nachdruck zurück.
1. Prof. Schleicher ist Auftragnehmer einer breit angelegten
Studie, die als eine Grundlage der Umsetzung des Emissionshandels
dienen kann (beauftragt von BMWA, BMLFUW, WKÖ, IV, den Branchen
Papier und Zement, sowie der voestalpine). Diese Studie soll eine
gemeinsame Basis für die Zuteilung von Emissionszertifikaten sachlich
erarbeiten und ist bis dato nicht einmal abgeschlossen, geschweige
denn mit den Auftraggebern ausdiskutiert. Dies soll bis Ablauf der
Begutachtungsfrist erst erfolgen.
2. Die genannten Kosten von 10 Mio. Euro/a sind für die
Industriellenvereinigung nicht nachvollziehbar. Sowohl die Annahme
eines Zertifikatspreises von 10 Euro (die meisten Schätzungen liegen
zwischen 10 und 20 Euro) als auch einer Minderzuteilung von 1 Mio. t
(allein das Wachstum der Industrie macht ein Dreifaches aus) müssen
als extrem unrealistisch gelten.
3. Der volkswirtschaftliche Vergleich von allfälligen Kosten des
Emissionshandels mit der Wertschöpfung der Industrie ist irrelevant
für jeden Betriebswirt und jedes betroffene Unternehmen, die diese
Kosten aus dem Ertrag des Unternehmens bestreiten müssen. Dies gilt
insbesondere dann, wenn diese Unternehmen vom Emissionshandel
überproportional betroffen sind und in direkter Konkurrenz mit
ausländischen Produzenten steht, die diese Kosten nicht zu tragen
haben (z.B. in den neuen EU-Nachbarländern). Ein Hohn sind diese
Vergleiche vor allem für Unternehmen, die jährliche
Ertragsschmälerungen durch den Preisdruck am Markt hinnehmen müssen.
Die Industriellenvereinigung möchte eine sachliche Diskussion
dieses, für den Standort so wichtigen Themas. Eine Verniedlichung
oder Ideologisierung des Themas dient weder dessen politischer Lösung
noch den 170.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern einer
energieintensiven Industrie, die zu den umweltfreundlichsten
Industrien weltweit zählt.
Völlig inakzeptabel sei die Vorgangsweise von Prof. Schleicher,
der als ein Studienautor mit Ergebnissen an die Öffentlichkeit geht,
bevor er die Auftraggeber informiert und damit offensichtlich
Meinungsmache betreibt. Die Frage ist: "Für wen?", schloss der
Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Dkfm. Lorenz Fritz.
OTS0105 2003-11-26/10:52
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