- 26.11.2003, 09:17:00
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Grußworte von Bundespräsident Klestil für Festveranstaltung "50 Jahre IDM"
Wien (OTS) -
Grußworte von Bundespräsident Dr. Thomas Klestil, die auf der
Festveranstaltung "50 Jahre Institut für den Donauraum und
Mitteleuropa (IDM)" am 26. November 2003 verlesen wurden
Verehrte Festgäste!
Ich möchte auf diesem Weg die Gelegenheit wahrnehmen, dem Institut
für den Donauraum und Mitteleuropa meine besten Glückwünsche zu
übermitteln und alle beim heutigen Festakt Anwesenden sehr herzlich
zu grüßen.
In der schwierigsten Zeit des Kalten Krieges begründet, musste
das Institut für den Donauraum und Mitteleuropa vor einem halben
Jahrhundert seine Aufgaben ganz anders definieren als in der Zeit
nach dem historischen Umbruch in Europa - nämlich nach 1989, als
Eiserner Vorhang und Berliner Mauer gefallen waren.
Seit damals ist das IDM zu einer unverzichtbaren Einrichtung des
Dialogs, der wissenschaftlichen Begegnung und Förderung junger
Menschen aus den jungen Demokratien geworden - um nur einige der
wichtigsten Aufgaben hervorzuheben. Es ist beeindruckend, welche
Fülle von Seminaren, Tagungen und Diskussionsabenden auf dem
Programm des Instituts stehen - und wie vielfältig und professionell
auch dessen Publikationen sind. Ich freue mich auch über die
Vernetzung Ihrer Organisation mit verwandten Einrichtungen im In- und
Ausland - wodurch das Bewusstsein verstärkt wird, dass wir einander
in dieser Großregion Europas viel zu sagen haben.
Und so ist es mir im Namen der Republik - aber auch persönlich -
ein Anliegen - dem Institut für den Donauraum und Mitteleuropa dafür
zu danken, die unverzichtbare Funktion einer "Drehscheibe" auszuüben
und Brücken zu unseren Freunden in Ost- und Südosteuropa zu bauen.
Dieser Dank richtet sich vor allem an Präsident Dr. Erhard Busek und
den Vorstand des Instituts.
Verehrte Festgäste!
Die Europäische Integration steht heute vor einer ihrer größten
Bewährungsproben. Zum einen gilt es, die bisher umfangreichste
Erweiterung in der Geschichte der Europäischen Union in der Praxis
des Alltags auch tatsächlich zu bewältigen, zum anderen werden gerade
in diesen Tagen und Wochen die entscheidenden Weichenstellungen für
die künftige Gestalt und auch inhaltliche Ausformung der Union
vorgenommen. Um diese Aufgaben erfolgreich zu bewältigen, brauchen
wir neuen Schwung. Vergessen wir nicht, in einem Europa von 25
Mitgliedsstaaten geht es ja nicht um den kleinsten gemeinsamen
Nenner, sondern um die größtmögliche Gemeinsamkeit, die es
solidarisch zu entwickeln gilt.
Die furchtbaren Terroranschläge, die wir dieser Tage erleben mussten,
sind auch eine Mahnung für die Union zu größerer Geschlossenheit und
vertiefter Integration, damit sie in ihrem internationalen Auftreten
und außenpolitischen Handeln mehr Durchsetzungsvermögen finden kann.
Wir müssen uns aber auch darüber im klaren sein, dass die großen
Herausforderungen unserer Zeit weder von den Europäern, noch von den
Amerikanern allein gelöst werden können. Dies kann nur in einer
transatlantischen Partnerschaft gelingen, einer Partnerschaft, die ja
mehr ist als nur ein bloßes Zweckbündnis, weil sie auf gemeinsamen
Werten und Überzeugungen gründet.
Seit Beginn meiner Amtszeit im Jahre 1992 habe ich mich stets für die
Erweiterung der Europäischen Union, die den europäischen Friedensraum
nachhaltig absichert, eingesetzt und auf die Bedeutung dieses
Vorhabens für unser Land hingewiesen.
Gemeinsam mit Richard von Weizsäcker, Arpad Göncz und Vaclav
Havel habe ich vor zehn Jahren jährliche Treffen der
Staatspräsidenten des Zentraleuropäischen Raums initiiert. Bei dem
letzten Treffen im Mai d.J. in Salzburg nahmen bereits 17
Staatsoberhäupter Zentraleuropas teil, nicht nur Präsidenten der
Europäischen Union und der neuen Mitgliedsstaaten, sondern auch der
zukünftigen neuen Nachbarn der erweiterten Union. Bei unseren sehr
offenen und konstruktiven Aussprachen haben wir nicht nur Fragen der
nachhaltigen Entwicklung in den Transformationsländern behandelt,
sondern uns auch mit der Stellung Europas in der Welt beschäftigt.
Wir waren uns einig, dass angesichts der vielfältigen neuen
Bedrohungsbilder und globalen Probleme, wie der zunehmenden Kluft
zwischen Arm und Reich, der Gefahren für unsere Umwelt und des
fundamentalistischen Terrors, der uns einen religiös und kulturell
begründeten "Kampf der Kulturen" aufzwingen will, dass ein
gemeinsames und entschlossenes Auftreten der Europäischen Union
unerlässlicher denn je geworden ist.
Lassen Sie mich abschließend besonders hervorheben, dass vielleicht
ein Grund für das aktive Mitwirken Österreichs am Erweiterungsprozess
auch darin liegt, dass sich zahlreiche Nichtregierungsorganisationen
so konsequent dafür eingesetzt haben. Das Institut für den Donauraum
und Mitteleuropa hat hier eine ganz besondere Vorreiterrolle
übernommen.
In diesem Sinne möchte ich dem Institut und allen seinen
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nochmals danken und für die Zukunft
viel Erfolg wünschen. Der heutigen Festveranstaltung wünsche ich
einen guten Verlauf!
OTS0033 2003-11-26/09:17
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