• 25.11.2003, 10:45:56
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Wiener Gemeinderat (1)

Kultur und Wissenschaft

Wien (OTS) - Der Wiener Gemeinderat setzte am Dienstag um 9 Uhr
die kurz nach Mitternacht unterbrochene Budgetdebatte mit dem Kapitel
Kultur und Wissenschaft fort.

Sie sehe eine bedenkliche Richtung in der Kulturpolitik, meinte
GR Mag. Marie Ringler (Grüne), das Budget sinke. Das sei bedauerlich,
das Geld für ein Gegenmodell zur bürgerlichen Kulturpolitik des
Bundes fehle. Es sei auch verwunderlich, dass die Sozialdemokratie
sich mehr um bürgerliche Kultur kümmere und die zeitgenössische,
experimentelle Kultur vernachlässige.

StR. Dr. Peter Marboe (ÖVP) zog Bilanz seiner Tätigkeit im
Wiener Gemeinderat. Seit sieben Jahren sei er Stadtrat, davon zwei
Drittel der Zeit Amtsführender. Die Kultur, das habe er gelernt,
brauche immer wieder neue Ideen, um die nötigen Mittel aufzutreiben.
Er erinnerte an den legendären Kulturstadtrat Viktor Matejka, der
1945 mit dem Hut in der Hand vor dem Rathaus Spenden gesammelt habe,
das sei 1945 das Kulturbudget gewesen.

Er sei immer für einen verantwortungsvollen Umgang mit der
Vergangenheit eingetreten. Es sei gelungen die Restitution
voranzutreiben, der Judenplatz sei ein anerkannter Ort des
Bewusstseins geworden. Er trete für eine vorurteilsfreie Welt ein, in
Wien dürfe es keinen Platz für Antisemitismus geben, das sei auch
sein Auftrag als christlicher Politiker. Die Bandbreite zwischen
Kulturpolitik und Kultur der Politik gelte es zu wahren.

Er freue sich darüber, dass Wien immer ein Ort der europäischen
Begegnung sei. Heimat und Patriotismus dürften nie falsch verstanden
werden. Wien sei kein Platz für Ausländerfeindlichkeit, die Wiener
seien Patrioten und Weltbürger.

Die Politik müsse der Kunst dienen und nicht umgekehrt, sie
müsse es möglich machen, die Träume der Kulturschaffenden zu
verwirklichen. Alternative Finanzierungsmöglichkeiten seien gefragt,
er appellierte an die Bundesregierung, Spenden an Kultureinrichtungen
steuerlich zu begünstigen.

Zum bevorstehenden Mozartjahr meinte der scheidende Stadtrat,
das sei eine tolle Chance für Wien, die Weltkulturstadt könne sich
weiter entwickeln, es solle kein reines Mozartgedenkjahr werden und
auch kein Spektakel oder Event.

Die Freiheitliche Kultursprecherin Mag. Heidemarie Unterreiner
betonte, die Höhe des Budgets sage nichts aus über die Qualität der
Kultur, dennoch bedauere sie den niedrigeren Budgetansatz. Die Linke
habe das Kulturressort immer als Ideologieressort gesehen und der
scheidende Stadtrat Marboe habe dies leider fortgesetzt. Sie
erinnerte an die "Affäre Schlingensief". Dem Wahlspruch Marboes "Mehr
Kultur in der Politik, weniger Politik in der Kultur" widerspreche er
mit seinem Mozartengagement. Für sie gelte es, kulturelle Identität
zu erhalten und zu stärken. Die Achtung der eigenen Sitten und der
eigenen Gebräuche dürfe nicht nur als "altvatrisch oder verstaubt"
betrachtet werden. Man dürfe stolz sein auf die eigene Kultur und auf
die eigene Geschichte. (Forts.) fk/vo

OTS0088    2003-11-25/10:45

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