• 21.11.2003, 08:52:37
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KENNEDY UND ÖSTERREICH - NEUTRALITÄT IM KALTEN KRIEG Heinz Fischer präsentiert Buch Martin Koflers im Parlament

Wien (PK) - Hat Kennedy etwas mit Österreich zu tun? Mit dieser
Frage beschäftigt sich ein Buch des Historikers Martin Kofler,
das gestern der Zweite Nationalratspräsident Heinz Fischer in
Anwesenheit von zahlreichen Gästen aus Politik, Diplomatie und
Wissenschaft im Parlament vorstellte.

Martin Kofler behandelt darin ein bislang vernachlässigtes Thema
der Geschichte Österreichs - die US-Sichtweise der
österreichischen Neutralität durch die Kennedy-Administration.
Auf Basis eines nach der Öffnung der Archive äußerst
umfangreichen Quellenfundus unterschiedlichster Provenienz
arbeitet der Autor die Rolle Österreichs als Modellfall für den
kommunistischen Osten, die Blockfreien und sogar das damals
umkämpfte Laos heraus. Die Bedeutung des "Vorpostens" der US-
Botschaft in Wien wird in dem Buch ebenso erörtert wie
maßgebliche Konzepte und Richtungsänderungen der Österreich-
Politik unter den Präsidenten Eisenhower und Kennedy. Ausführlich
zur Sprache kommt in Koflers Arbeit auch der Balance-Akt zwischen
Ost und West, den die Außenpolitik der österreichischen
Bundesregierungen unter den VP-Kanzlern Julius Raab und Alfons
Gorbach und den SP-Politikern Vizekanzler Bruno Pittermann und
Außenminister Bruno Kreisky unternommen hatten.

Der Zweite Nationalratspräsident Heinz Fischer verwies auf die
innenpolitische Situation in den frühen sechziger Jahre und
strich die zentrale Rolle Bruno Kreiskys in der österreichischen
Außenpolitik der damaligen Großen Koalition heraus. Auf das Foto,
das anlässlich des Besuches des Außenministers bei Kennedy im
Weißen Haus aufgenommen wurde - es ist auch das Titelfoto von
Koflers Buch -, sei Kreisky immer ganz besonders stolz gewesen,
erinnerte sich Fischer.

Univ.-Prof. Helmut Kramer hob in seinen einleitenden Worten den
starken multilateralen Charakter der Außenpolitik Kennedys hervor
und meinte, dies habe sich auch im Verhältnis der USA zu
Österreich gezeigt. Österreich sei von der Kennedy-Administration
eine große Bedeutung beigemessen worden, in der Neutralität haben
die USA einen absolut positiven Beitrag gesehen. Wichtig waren
aus Sicht Kramers auch die innenpolitischen Aspekte des Buches,
wobei er den Konsens zwischen ÖVP uns SPÖ über die Grundsätze der
österreichischen Außenpolitik hervorhob und die führende Rolle
Bruno Kreiskys ansprach.

Martin Kofler betonte, sämtliche Dokumente würden die positive
Neubewertung der Neutralität durch die USA unter Präsident
Kennedy belegen. Neutralität sei nicht mehr wie in der Ära
Eisenhower als unmoralisch eingestuft worden, vielmehr habe man
nun in der österreichischen, prowestlichen Neutralität einen
Modellfall für andere Staaten gesehen, insbesondere für den
damaligen Krisenherd Laos. Der wohlwollenden Position Kennedys
sei auf österreichischer Seite ein Abstimmungsverhalten in der
UNO gegenübergestanden, das Kofler mit dem lateinamerikanischer
Staaten verglich und als teilweise proamerikanischer als jenes
der NATO-Staaten bezeichnete. Dies sei eine Reaktion auf den
Marshall-Plan, aber auch auf die massive finanzielle
Unterstützung der USA beim Aufbau des österreichischen
Bundesheeres gewesen, vermutete Kofler.

Hat Kennedy etwas mit Österreich zu tun? Diese Frage beantwortet
Martin Kofler in seinem Buch mit einem eindeutigen Ja.

Martin Kofler wurde 1971 in Lienz geboren. Er studierte
Geschichte an der Universität Innsbruck und an der University of
New Orleans. Einer seiner Arbeitsschwerpunkte ist die Geschichte
Österreichs im Kalten Krieg. Sein Buch "Kennedy und Österreich"
ging aus einer geschichtlichen Dissertation hervor und erscheint
im Studienverlag. Es umfasst 181 Seiten und ist um 19,50 Euro im
Buchhandel erhältlich. (Schluss)

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OTS0021    2003-11-21/08:52

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