- 21.11.2003, 08:52:36
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3,5 Millionen Stunden Freiwilligendienst von Jugendlichen geleistet
Eine erfolgreiche Initiative feiert 35 Jahre
Wien (OTS) - 2300 Jugendliche haben in den letzten 35 Jahren im
Rahmen des Freiwilligen S0ozialen Jahres (FSJ) Erstaunliches
geleistet. Sie haben in einem Alters- oder Pflegeheim, in einem
Kindergarten oder - hort, in einer Obdachlosen- oder
Flüchtlingseinrichtung, in einem Jugendheim, einer
Behindertenwohngruppe oder - werkstätte 10 bzw. 11 Monate
kontinuierlich, mit vollem Elan und freiwillig gearbeitet.
Konfliktmanagement, Kommunikation und Berufsorientierung
Die jungen Menschen, im Alter zwischen 18 und 21 Jahren werden in
diesem Freiwilligendienst pädagogisch begleitet und erhalten Schulung
u.a. in fachspezifischen Themen, Kommunikation, Konfliktlösung
Selbsterfahrung (Grenzen setzen, Nähe und Distanz), ein
Bewerbungstraining und konkrete Hilfe in der Berufsorientierung.
Diese Bildungsarbeit wird insbesondere vom Bundesministerium für
soziale Sicherheit und Generationen, dem Lebensministerium sowie den
Bundesländern Oberösterreich, Niederösterreich, Tirol, Vorarlberg und
der Steiermark gefördert.
Die Jugendlichen sind sozialversicherungsrechtlich abgesichert und
erhalten für ihr Engagement ein Taschengeld.
Eine Absolventin des FSJ kommentiert ihre gemachten Erfahrungen wie
folgt: "Gelernt habe ich dieses Jahr Verantwortung zu übernehmen,
selbständig zu arbeiten, geduldig zu sein und dass der Umgang mit
alten Menschen etwas sehr beglückendes sein kann. Ich kann das FSJ
nur weiterempfehlen."
FSJ - Einstiegshilfe in den Pflege- oder Sozialberuf
Etwas mehr als 80% der Jugendlichen, die das FSJ gemacht haben,
entscheiden sich später für einen Sozialberuf oder eine sozial- bzw.
pflegespezifische Ausbildung. "In einer Zeit, wo wir ganz fieberhaft
Menschen suchen, die im Pflegebereich arbeiten wollen, ist das FSJ
ein unverzichtbares Angebot! Im FSJ gelingt es, junge Menschen für
einen Sozial- oder Pflegeberuf nicht nur zu begeistern sondern sie
auch realitätsbezogen und unmittelbar für eine solche
Berufsausbildung vorzubereiten, es ist so zusagen ein bewährtes best
practise Modell für ein höchst aktuelles Problem. Noch dazu
finanziert sich dieses Projekt zu 93% selbst", so die Vorsitzende des
FSJ, Mag. Judit Marte.
Von 20 auf 150
In den ersten Jahren seit der Gründung des FSJ waren 20 bis 30 junge
Menschen im Einsatz, heute sind 150 Jugendliche in 83 Einsatzstellen
österreichweit im Einsatz. Daher wird am 22. November im Kolpinghaus
in Linz das 35 jährige Bestehen des FSJ gefeiert. Ca. 140 ehemalige
FSJlerInnen und Landeshauptmann Pühringer, Landesrat Ackerl sowie
der Caritas Direktor der Diözese Linz Mathias Mühlberger haben ihr
Kommen bereits zugesagt. Maria Fischerlehner, die Geschäftsführerin
des FSJ: "Es wird beim Fest einige Überraschungen geben. Wir sind wir
bei unseren Recherchen auf erstaunliche Lebensgeschichten gestoßen,
die mit dem FSJ begonnen haben. Auch werden sich die ehemaligen
FSJlerInnen in einem Netzwerk neu organisieren. Für Aktion ist
gesorgt, das kann ich versichern."
FSJ - Überlebenselixier für Solidaritätsgefühl
"Ich kann das ohnmächtige Jammern über den wachsenden Egotripp und
den Verlust an Solidarität in unserer Gesellschaft nicht mehr hören.
Tun statt Jammern, muss die Devise sein, die Rahmenbedingungen für
freiwilliges Engagement verbessern und Angebote schaffen, dass keiner
mehr daran vorbei gehen kann", betont die Vorsitzende des FSJ Judit
Marte. Solidarität kann in unserer Gesellschaft nur überleben, wenn
es gelingt, das soziale Engagement junger Menschen zu fördern bzw. es
in ihnen zu wecken. Genau dieses Anliegen, so die Geschäftsführerin
Maria Fischerlehner war eine der Gründungsideen des FSJ im Jahre
1968. "Gleichzeitig beobachten wir, dass das freiwillige soziale Jahr
für die Jugendlichen enorm wertvoll ist, um eine fundierte und gut
überlegte Ausbildungs- oder Berufsentscheidung zu treffen. Die
Jugendlichen gewinnen in dem Jahr Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein
und ein reichhaltiges Repertoire an sozialen
Schlüsselqualifikationen, die für eine erfolgreiche Tätigkeit im
Berufsleben unverzichtbar sind."
Licht am Ende des Tunnels - Familienbeihilfe kommt
Schon mehr als ein Jahrzehnt bemüht sich das FSJ, dass die
freiwilligen Helferinnen und Helfer die Familienbeihilfe nicht
verlieren. Die Jugendlichen, aber auch deren Eltern erleben es als
extrem ungerecht, dass ihre Kinder mit dem Eintritt in das FSJ die
Familienbeihilfe verlieren. Würden ihre Kinder arbeitslos gemeldet
oder eher ziellos ein Studium beginnen, wäre Ihnen die
Familienbeihilfe sicher. Stellen sie sich ein Jahr in den Dienst der
Gesellschaft und leisten damit einen ganz großartigen Beitrag für das
soziale Gefüge im Land, bestraft man sie mit dem Verlust der
Familienbeihilfe. Das kann es wohl nicht sein. Erstmals findet sich
in einem Regierungsübereinkommen das Ziel, den Familien, deren Kinder
das FSJ machen, die Familienbeihilfe zu gewähren. Das ist ein
Durchbruch! Es wäre eine Krönung der 35 Jahr Feier, es heuer noch zu
erleben. "Aber keine Sorge", so die Vorsitzende Mag. Judit Marte,
"wir werden auch ordentlich feiern, wenn die FSJlerInnen erst bei der
36. Jahrfeier des FSJ den Anspruch auf Familienbeihilfe erhalten."
Positive Resonanz
Judit Marte verweist auf 35 Jahre enorm positive Rückmeldungen zu den
Aktivitäten des Freiwilligen Sozialen Jahres von politischen oder
kirchlichen Verantwortungsträgern, aus dem Bereich der Fachhoch-und
Sozialbetreuungsschulen, von Eltern oder von Leitern der
Einsatzstellen. In besonderer Weise motivierend, beschreibt Judit
Marte, die Kommentare der Absolventinnen des FSJ. "Lassen sie mich
einen davon zitieren. ´Es ist fast unglaublich, was man in einem Jahr
nicht alles bekommen und erleben kann. Super, dass es diese
Möglichkeit gibt`."
Weitere Informationen sowie Statements zum FSJ von 35
Persönlichkeiten aus Politik, Kirche, Kultur und FSJ-Alltag finden
Sie auf der Homepage: www.fsj.at
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