Vertragslos 2: Handbuch informiert über das genaue Procedere - Teil 2

Wien (OTS) - Krankenscheine verlieren ihre Gültigkeit - Kasse refundiert 80 Prozent des ursprünglichen Kassentarifs - Nicht betroffen sind die Versicherten der so genannten kleinen Kassen (BVA, VA, SVA, KFA)

Sollte es bis Ende Dezember dieses Jahres zu keiner Einigung zwischen Gebietskrankenkasse und Ärztekammer kommen und auch nicht die Bundesschiedskommission angerufen werden, dann beginnt am 1. Jänner 2004 der vertragslose Zustand in Wien. Bei der Wiener Gebietskrankenkasse versicherte Patienten müssten dann direkt beim Arzt bezahlen und erhalten danach von der WGKK 80 Prozent des bis zum 31. Dezember 2003 gültigen Kassentarifs refundiert.****

Der Krankenschein verliert seine Gültigkeit, da es im vertragslosen Zustand keinen Vertrag zwischen Gebietskrankenkasse und Ärztekammer über die Direktverrechnung ärztlicher Leistungen gibt. Davon betroffen wären alle Versicherten und Angehörigen der Wiener Gebietskrankenkasse, der Gebietskrankenkassen anderer Bundesländer, der Bauernkrankenkasse, der Bergbaukrankenkasse und aller anderen Betriebskrankenkassen sowie Urlauber aus den EU-Staaten. Auch Zu-beziehungsweise Überweisungen von Ärztinnen und Ärzten aus anderen Bundesländern führen nicht dazu, dass die Leistungen für diese Patienten mit der Wiener Gebietskrankenkasse abgerechnet werden können. Krankenstandsmeldungen werden nicht mehr in den Ordinationen, sondern durch einen vom Chefarzt der Krankenkasse bestimmten Arzt ausgestellt.

Einzelverträge über die Gesundenuntersuchungen sowie Mutter-Kind-Pass-Leistungen bleiben hingegen aufrecht und können weiterhin über Krankenschein verrechnet werden. Sollten aber hierbei weitere medizinische Maßnahmen erfolgen, dann fallen diese wiederum in die Bestimmungen des vertragslosen Zustands und müssten direkt beim Arzt bezahlt werden.

Nicht betroffen von einem vertragslosen Zustand in Wien wären die Versicherten und Angehörigen der so genannten kleinen Kassen (BVA, VA, SVA, KFA). Sie können weiterhin mit Krankenschein die Vertragsordinationen aufsuchen.

Auch Ärztefunkdienst betroffen

Ob es bei einem vertragslosen Zustand noch einen Ärztefunkdienst geben wird, ist derzeit ungewiss. Die entsprechenden Verträge wurden nämlich von der Wiener Gebietskrankenkasse am 30. September 2003 gleich mitgekündigt, womit dem Ärztefunkdienst die rechtliche Grundlage entzogen wurde. Ärztekammer-Vizepräsident Dr. Johannes Steinhart: "Wir führen derzeit Gespräche, ob und in welcher Form wir diese Einrichtung möglicherweise weiterführen können." Die Ärztekammer werde jedenfalls alles daran setzen, die Versorgung durch Hausärzte auch in den Nachtstunden sowie an Sonn- und Feiertagen fortzuführen, betonte Steinhart.

Die Frage des Ärztefunkdienstes ist vor allem deshalb so brisant, da der Ärztefunkdienst für alle Kassen im nunmehr von der WGKK gekündigten Gesamtvertrag geregelt war, die Kündigung also für die Versicherten aller Kassen, einschließlich der kleinen Kassen, gilt. (hpp)

(Forts.)

Rückfragen & Kontakt:

Ärztekammer für Wien - Pressestelle
Dr. Hans-Peter Petutschnig
Tel.: (++43-1) 51501/1223 od. 0664/1014222
Fax: (++43-1) 51501/1289
hpp@aekwien.or.at
http://www.aekwien.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NAW0002