• 18.11.2003, 18:29:25
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"Die Presse" Kommentar: "Wenn Besuch kommt" (von Friederike Leibl)

Ausgabe vom 19.11.2003

Wien (OTS) - Wenn Freunde aus der Ferne zum Essen kommen, muss
etwas Besonderes auf den Tisch. Damit da nichts anbrennt, hat der
britische Premier Tony Blair für das Mittagessen mit dem Ehepaar
George W. und Laura Bush die Starköchin Nigella Lawson engagiert.
Noch gibt es nur Gerüchte, was die "häusliche Göttin", so Lawsons
Selbstbezeichnung, den Gästen am Donnerstag kredenzen wird.
Keine schlechte Idee wäre die Verabreichung ihrer "Suppe zum
Glücklichsein", einer Kürbissuppe mit viel Schlagobers. Denn richtig
glücklich ist keiner über den amerikanischen Besuch, der, als
Triumphzug geplant, nun zum Versteckspiel wird, um dem Zorn der
Massen auszuweichen. Zehntausende Friedensaktivisten brennen nur
darauf, dem US-Präsidenten ihre Plakate und vielleicht auch ihre
nackten Hinterteile hinzuhalten. Prominente Kritiker schreiben sich
seit Tagen die Finger wund, warum dem Mann, der die Wunden des
Irak-Kriegs frisch bluten lässt, nun auch noch der Staat gemacht
wird.
Tony Blair, zerzaust vom Krieg und seinen Folgen, braucht
innenpolitische Erfolge, nicht den falschen Schmuck, den Fotos von
Staatsbesuchen sonst ausmachen. Die Einladung des Briten an George W.
Bush liegt lange zurück. Nun, da alles ein wenig anders lief, ist es
nur fair, wenn die beiden Waffenbrüder gemeinsam die Suppe auslöffeln
müssen. Die zum Glücklichsein wird es nicht sein.

OTS0241    2003-11-18/18:29

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