• 18.11.2003, 16:12:45
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WirtschaftsBlatt-Kommentar Diätkur für die Notenbank

von Christian Höller

Wien (OTS) - Die europäischen Notenbanken streichen Tausende Jobs.
Denn seit der Einführung des Euro haben sie einen Teil ihrer
Kompetenzen an die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt abgeben
müssen. Bei der deutschen Bundesbank wird bis 2007 ein Viertel der
Mitarbeiter abgebaut. Bei der Banque de France fällt jeder fünfte Job
dem Sparprogramm zum Opfer. Ähnlich läuft es in anderen Ländern.

Nur die österreichische Notenbank (OeNB) hat bislang kein
detailliertes Sparpaket vorgelegt. Doch zumindest die Einsicht von
Vizegouverneur Wolfgang Duchatczek, dass er in seinem Haus
"Einsparpotenzial" sieht, lässt hoffen.

Eine Schlankheitskur würde mehr als gut tun. Da in Österreich
viele OeNB-Mitarbeiter über einen beamtenähnlichen Status verfügen,
sind Kündigungen nicht so leicht möglich wie in anderen Ländern. Doch
es ist nicht einzusehen, warum in der OeNB andere Gesetze herrschen
als in der Marktwirtschaft.

Die Chefs von BA-CA und Erste Bank verhandeln mit den
Gewerkschaften über die Abschaffung der Pragmatisierungen: Die OeNB
sollte ähnliche Zeichen setzen.

Die Regierung hat den Sparbedarf erkannt und beginnt systematisch,
die OeNB-Reserven anzuzapfen. Erst vor kurzem hat sich die OeNB
verpflichtet, jährlich rund 75 Millionen Euro an die
Forschungsstiftung auszuzahlen. Dem Vernehmen nach will die Regierung
die OeNB auch in anderen Bereichen stärker an die Brust nehmen. Die
Organisation soll gestrafft werden, was im Klartext weniger Personal
bedeuten dürfte. Zusätzlich sollen nicht betriebsnotwendige
Beteiligungen veräussert werden. Dafür ist nicht der Sanktus der EZB
erforderlich.

Zu hinterfragen ist der imposante Immobilienbesitz. Zwar ist es
lobenswert, dass die Bank Teile der Pensionsreserven in Immobilien
angelegt hat. Doch anstatt in Immobilienfonds zu investieren, hat das
Haus mit 70 Mitarbeitern eines der führenden Immo-Unternehmen
aufgebaut. Dieses besitzt ein Einkaufszentrum in Amstetten sowie
Objekte in Brüssel und Amsterdam. Laut Regierungsprogramm sollen die
Pensionsrückstellungen der OeNB auf das "versicherungsmathematisch
notwenige Ausmass" reduziert werden.

Zu straffen wäre auch das OeNB-Filialnetz. Bedarf es tatsächlich
in jeder Landeshauptstadt eine eigene OeNB-Niederlassung? Ähnlich wie
in anderen Ländern sollte sich die Notenbank auch bei uns auf die
Kernkompetenzen konzentrieren.

OTS0230    2003-11-18/16:12

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