"Die Presse" Glosse: "AUA und ÖBB: Zwei halbe Lösungen" (von Andreas Unterberger)

Ausgabe vom 18.11.2003

Wien (OTS) - Wir hören so gerne die gute Nachricht, dass wir die schlechte überhören. Die lautet im Kern: Noch ist nichts vorüber, weder bei der ÖBB noch bei der AUA können wir uns auf die Rückkehr zur Normalität verlassen. Das Kommando "Streik aus" gilt nur bedingt. Langfristig ist bei keinem der beiden großen Verkehrs-Marktführer wirklich eine Lösung sichergestellt.
Wie sich die Botschaften gleichen: Bei AUA wie ÖBB geht die Ungewissheit, die überflüssig lange Zeit der Gespräche über die tückischen Details jeweils bis März/April. Hängt dieser seltsame Termin-Gleichklang vielleicht gar damit zusammen, dass die Gewerkschafter glauben, mit einer nach Landtagswahlen geschwächten Regierung dann leichteres Spiel zu haben? Vor allem die ÖBB-Gewerkschaft droht ja jetzt schon wieder mit Streik, die AUA-Betriebsräte sind noch vorsichtiger.
Für die Kunden ist das Signal letztlich ebenso klar, wie es für die beiden staatlichen Betriebe verheerend ist: Niemand kann sich darauf verlassen, dass AUA-Tickets wirklich auch mit einem Flug honoriert werden, und vor allem dass Frachtaufträge bei der ÖBB auch zum rechtzeitigen Rollen eines Güterzugs führen werden. Wie etliche Auftraggeber darauf reagieren werden, kann sich jeder ausrechnen. Ebenso, was das langfristig für die Arbeitsplätze von AUA-Piloten und Eisenbahnern bedeutet. Eine halbe Lösung ist noch gar keine Lösung. Sie sichert bestenfalls den Weihnachtsfrieden.

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