• 17.11.2003, 10:58:25
  • /
  • OTS0061 OTW0061

Wien-Bratislava: OECD bestätigt hohes Wirtschaftspotenzial

Stadt Wien forciert zahlreiche Projekte zur Förderung der Region

Wien (OTS) - "Die Region Wien-Bratislava kann zu einer der
wirtschafts- und gesellschaftspolitisch interessantesten und
spannendsten Regionen im erweiterten Binnenmarkt der EU 25 werden",
erklärten Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Vizebürgermeister Dr. Sepp
Rieder und Verkehrs- und Stadtentwicklungsstadtrat Dipl. Ing. Rudolf
Schicker im Vorfeld der Präsentation des "OECD-Territorial Reviews -
Wien-Bratislava".

Der von Experten aus Österreich, der Slowakei und anderen
EU-Mitglied-Staaten 2002/2003 ausgearbeitete Bericht wurde heute,
Montag Vormittag, im Mediatower vorgestellt. Er zeigt die enormen
Potenziale auf, die diese Region zu bieten hat und beschäftigt sich
auch mit jenen Rahmenbedingungen, die notwendig sind, um diese
Potenziale optimal zu nutzen.

Rieder: "Riesenpotenziale aber auch ein hartes Stück Arbeit"

Die Stadt Wien habe, ganz im Sinne der Empfehlungen des OECD
Berichts, bereits eine Reihe von Projekten in Kooperation mit der
EU, den Ländern Niederösterreich und Burgenland sowie privaten
Partnern laufen, um das Zusammenwachsen der beiden Städte zu fördern
und gemeinsam vom neu entstehenden Wirtschaftsraum zu profitieren.
Beispiele dafür seien die neu gegründete Central Danube Region
Marketing & Development GmbH, die grenzüberschreitende Projekte im
Donauraum mit Partnern aus den Beitrittsländern initiieren und
durchführen soll oder der im September beschlossene Aufbau einer
multilateralen Europaregionsstruktur (BAER-Building a European
Region). Klar sei aber auch, dass noch ein hartes Stück Arbeit
bevorstehe, um die Potenziale in diesem Wirtschaftsraum voll
ausschöpfen zu können, so Rieder und Schicker weiter.

4,5 Millionen Menschen und 22.000 Euro Brutto-Inlandsprodukt
pro Einwohner

Die 2,9 Millionen Einwohner in den beiden Städten bzw. die 4,5
Millionen Einwohner in der gesamten Region Wien-Bratislava
erwirtschaften ein regionales Brutto-Inlandsprodukt (BIP) von rund
22.000 Euro pro Kopf. Die Region liegt damit nur etwa 3.000 Euro
unter dem österreichischen BIP. Zum Vergleich: Das Wiener BIP liegt
bei 32.909 Euro. Das BIP steigt in der Region pro Jahr derzeit um 3,6
Prozent. Das wirtschaftliche Potenzial der Region zeigt sich auch im
Ausmaß des Foreign Direct Investment (FDI), das sich in der Slowakei
großteils auf die Region Bratislava konzentriert und bei den
Investoren aus Wien und Österreich eine wichtige Rolle spielt.

Zusammenarbeiten ohne Grenzen

Das Wegfallen von Grenzen und die Entwicklung funktionaler
Regionen werden von der OECD und auch der Stadt Wien als zentrale
Impulse für positive Wachstums- und Integrationseffekte gesehen. Die
Region Wien-Bratislava steht mitten in diesem Umwandlungsprozess, der
umso vorteilhafter für beide Seiten sein wird, je rascher an
gemeinsamen und aufeinander abgestimmten Strategien gearbeitet wird.
Dabei geht es zum Beispiel um die konsequente Modernisierung von
grenzüberschreitenden Planungs- und Behördenverfahren mit dem Ziel,
eine höhere Leistungsfähigkeit bei der gemeinsamen
Entscheidungsfindung und der Umsetzung von Projekten zu erreichen.
Die OECD schlägt dazu die Einrichtung eines permanenten,
grenzüberschreitenden Ausschusses vor, der die Kooperation und
Integration erleichtern soll. Damit könnte auch ein professionelles
Qualitätsmanagement für die Region Wien-Bratislava etabliert werden.

Wien und die Vienna Region haben in dieser Hinsicht bereits
wichtige Schritte gesetzt, wie etwa mit der Central Danube Marketing
& Development GmbH zur Entwicklung und Umsetzung
grenzüberschreitender Donauraumprojekte. Ein weiteres Beispiel ist
der im September beschlossene Aufbau einer multilateralen
Europaregionsstruktur (BAER-Building a European Region). Weiters
werden im Projekt JORDES regionale Entwicklungsstrategien für die
beiden Städte und ihr Umland ausgearbeitet.

Hoher Anteil an qualifizierten Arbeitskräften

Die Region Wien-Bratislava zeichnet sich durch einen sehr hohen
Anteil an qualifizierten Arbeitskräften und eine annähernd gleiche
Rate an Beschäftigten im Dienstleistungssektor aus (68% im
slowakischen Teil, 74% in Wien). Wenngleich die Arbeitslosenrate im
slowakischen Teil mit rund 10 Prozent mehr als doppelt so hoch liegt
wie in Österreich, sind markante Migrationsströme von Bratislava nach
Wien aufgrund des hohen Wirtschaftswachstums im Ballungsraum
Bratislava nicht zu erwarten.

Die OECD stellt in der Region Wien-Bratislava eine - auch für
viele andere Grenzregionen typische - Zersplitterung von Wirtschafts-
und Arbeitsmarkt fest. Als Lösung wird eine systematische Kooperation
und Koordination zwischen den Arbeitsmarkteinrichtungen dies- und
jenseits der Grenzen vorgeschlagen. Ein grenzüberschreitend
betriebenes Arbeitsmarktinformationssystem, ein gemeinsamer
Arbeitsmarktausschuss und Maßnahmen, die zur frühzeitigen Aufhebung
der Übergangsregelungen führen könnten, würden eine dynamische und
nachhaltige Entwicklung der Metropolregion Wien-Bratislava fördern.

Um differenzierte Steuerungsmöglichkeiten am
grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt zur Verfügung zu haben, hat Wien
nach ersten Vorerhebungen in den späten 90er Jahren ein
Interreg-IIIA-Projekt zur Entwicklung, Anwendung und Validierung
eines Monitoringinstruments zur regelmäßigen Beobachtung der
Veränderungen am Arbeitsmarkt im Zuge der EU-Erweiterung beauftragt
(LAMO-Labour Market Monitoring).

Wissenschaft und Forschung über die Grenzen hinweg

Wien ist eines der wichtigsten Hochtechnologiezentren und
größter Wissenschafts- und Forschungsstandort Österreichs. Seine
Dynamik kann zukünftig deutlich erhöht werden, wenn der
Wissensaustausch zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen
verstärkt wird, zum Beispiel mit der Bildung von Clustern. Eine
gezielte Verknüpfung des differenzierten Wiener Innovationssystems
mit dem in Bratislava kann mittelfristig substanzielle Vorteile für
beide Seiten im Bereich Forschung und Entwicklung bringen.

Mit CENTROPE/DIANE haben die drei Wirtschafts- und
Regionalentwicklungsagenturen der Vienna Region gemeinsam mit der
Austrian Business Agency bereits ein attraktives Instrument
geschaffen, um den grenzüberschreitenden Wirtschaftsstandort mit
seinen Zukunftsindustrien Biotechnologie, Automotive Industries und
Informations- und Kommunikationstechnologien international zu
vermarkten.

Gemeinsame Infrastruktur für mehr Mobilität

Mobilität ist eine entscheidende Voraussetzung für einen
funktionierenden Wirtschaftsraum. Ziel ist es, die
Verkehrsinfrastruktur zwischen den beiden Städten zu verbessern und
die Straßen- und Schienenverbindungen zwischen Wien und Bratislava
rasch auszubauen. Der OECD Bericht nennt als mögliche Maßnahmen die
Verschmelzung der beiden städtischen und regionalen Transportsysteme
im Raum Wien-Bratislava in einem grenzüberschreitenden öffentlichen
Verkehrsverbund, ein gemeinsames Management der Flughäfen Wien
Schwechat und Bratislava, sowie die gemeinsame Nutzung von
marktwirtschaftlichen Instrumenten zur Verkehrssteuerung. Wien hat
diesbezüglich bereits mehrfach klare Vorstellungen und Forderungen an
den Bund gerichtet.

Quelle

Der "Territorial Review" wurde gemeinsam von der OECD,
Österreich (BKA), der Slowakei (Ministerium für Bauten und
Regionalentwicklung) und den Städten Wien (MA 18 und 27) und
Bratislava (Referat für regionale Zusammenarbeit und
Auslandsbeziehungen) durchgeführt.
OECD-Territorial Reviews: Vienna-Bratislava (Austria/Slovak
Republic), 2003
ISBN 92-64-10468-2
(Schluss) gaw

OTS0061    2003-11-17/10:58

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel