Wien-Bratislava: OECD bestätigt hohes Wirtschaftspotenzial

Stadt Wien forciert zahlreiche Projekte zur Förderung der Region

Wien (OTS) - "Die Region Wien-Bratislava kann zu einer der wirtschafts- und gesellschaftspolitisch interessantesten und spannendsten Regionen im erweiterten Binnenmarkt der EU 25 werden", erklärten Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Vizebürgermeister Dr. Sepp Rieder und Verkehrs- und Stadtentwicklungsstadtrat Dipl. Ing. Rudolf Schicker im Vorfeld der Präsentation des "OECD-Territorial Reviews -Wien-Bratislava".

Der von Experten aus Österreich, der Slowakei und anderen EU-Mitglied-Staaten 2002/2003 ausgearbeitete Bericht wurde heute, Montag Vormittag, im Mediatower vorgestellt. Er zeigt die enormen Potenziale auf, die diese Region zu bieten hat und beschäftigt sich auch mit jenen Rahmenbedingungen, die notwendig sind, um diese Potenziale optimal zu nutzen.

Rieder: "Riesenpotenziale aber auch ein hartes Stück Arbeit"

Die Stadt Wien habe, ganz im Sinne der Empfehlungen des OECD Berichts, bereits eine Reihe von Projekten in Kooperation mit der EU, den Ländern Niederösterreich und Burgenland sowie privaten Partnern laufen, um das Zusammenwachsen der beiden Städte zu fördern und gemeinsam vom neu entstehenden Wirtschaftsraum zu profitieren. Beispiele dafür seien die neu gegründete Central Danube Region Marketing & Development GmbH, die grenzüberschreitende Projekte im Donauraum mit Partnern aus den Beitrittsländern initiieren und durchführen soll oder der im September beschlossene Aufbau einer multilateralen Europaregionsstruktur (BAER-Building a European Region). Klar sei aber auch, dass noch ein hartes Stück Arbeit bevorstehe, um die Potenziale in diesem Wirtschaftsraum voll ausschöpfen zu können, so Rieder und Schicker weiter.

4,5 Millionen Menschen und 22.000 Euro Brutto-Inlandsprodukt pro Einwohner

Die 2,9 Millionen Einwohner in den beiden Städten bzw. die 4,5 Millionen Einwohner in der gesamten Region Wien-Bratislava erwirtschaften ein regionales Brutto-Inlandsprodukt (BIP) von rund 22.000 Euro pro Kopf. Die Region liegt damit nur etwa 3.000 Euro unter dem österreichischen BIP. Zum Vergleich: Das Wiener BIP liegt bei 32.909 Euro. Das BIP steigt in der Region pro Jahr derzeit um 3,6 Prozent. Das wirtschaftliche Potenzial der Region zeigt sich auch im Ausmaß des Foreign Direct Investment (FDI), das sich in der Slowakei großteils auf die Region Bratislava konzentriert und bei den Investoren aus Wien und Österreich eine wichtige Rolle spielt.

Zusammenarbeiten ohne Grenzen

Das Wegfallen von Grenzen und die Entwicklung funktionaler Regionen werden von der OECD und auch der Stadt Wien als zentrale Impulse für positive Wachstums- und Integrationseffekte gesehen. Die Region Wien-Bratislava steht mitten in diesem Umwandlungsprozess, der umso vorteilhafter für beide Seiten sein wird, je rascher an gemeinsamen und aufeinander abgestimmten Strategien gearbeitet wird. Dabei geht es zum Beispiel um die konsequente Modernisierung von grenzüberschreitenden Planungs- und Behördenverfahren mit dem Ziel, eine höhere Leistungsfähigkeit bei der gemeinsamen Entscheidungsfindung und der Umsetzung von Projekten zu erreichen. Die OECD schlägt dazu die Einrichtung eines permanenten, grenzüberschreitenden Ausschusses vor, der die Kooperation und Integration erleichtern soll. Damit könnte auch ein professionelles Qualitätsmanagement für die Region Wien-Bratislava etabliert werden.

Wien und die Vienna Region haben in dieser Hinsicht bereits wichtige Schritte gesetzt, wie etwa mit der Central Danube Marketing & Development GmbH zur Entwicklung und Umsetzung grenzüberschreitender Donauraumprojekte. Ein weiteres Beispiel ist der im September beschlossene Aufbau einer multilateralen Europaregionsstruktur (BAER-Building a European Region). Weiters werden im Projekt JORDES regionale Entwicklungsstrategien für die beiden Städte und ihr Umland ausgearbeitet.

Hoher Anteil an qualifizierten Arbeitskräften

Die Region Wien-Bratislava zeichnet sich durch einen sehr hohen Anteil an qualifizierten Arbeitskräften und eine annähernd gleiche Rate an Beschäftigten im Dienstleistungssektor aus (68% im slowakischen Teil, 74% in Wien). Wenngleich die Arbeitslosenrate im slowakischen Teil mit rund 10 Prozent mehr als doppelt so hoch liegt wie in Österreich, sind markante Migrationsströme von Bratislava nach Wien aufgrund des hohen Wirtschaftswachstums im Ballungsraum Bratislava nicht zu erwarten.

Die OECD stellt in der Region Wien-Bratislava eine - auch für viele andere Grenzregionen typische - Zersplitterung von Wirtschafts-und Arbeitsmarkt fest. Als Lösung wird eine systematische Kooperation und Koordination zwischen den Arbeitsmarkteinrichtungen dies- und jenseits der Grenzen vorgeschlagen. Ein grenzüberschreitend betriebenes Arbeitsmarktinformationssystem, ein gemeinsamer Arbeitsmarktausschuss und Maßnahmen, die zur frühzeitigen Aufhebung der Übergangsregelungen führen könnten, würden eine dynamische und nachhaltige Entwicklung der Metropolregion Wien-Bratislava fördern.

Um differenzierte Steuerungsmöglichkeiten am grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt zur Verfügung zu haben, hat Wien nach ersten Vorerhebungen in den späten 90er Jahren ein Interreg-IIIA-Projekt zur Entwicklung, Anwendung und Validierung eines Monitoringinstruments zur regelmäßigen Beobachtung der Veränderungen am Arbeitsmarkt im Zuge der EU-Erweiterung beauftragt (LAMO-Labour Market Monitoring).

Wissenschaft und Forschung über die Grenzen hinweg

Wien ist eines der wichtigsten Hochtechnologiezentren und größter Wissenschafts- und Forschungsstandort Österreichs. Seine Dynamik kann zukünftig deutlich erhöht werden, wenn der Wissensaustausch zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen verstärkt wird, zum Beispiel mit der Bildung von Clustern. Eine gezielte Verknüpfung des differenzierten Wiener Innovationssystems mit dem in Bratislava kann mittelfristig substanzielle Vorteile für beide Seiten im Bereich Forschung und Entwicklung bringen.

Mit CENTROPE/DIANE haben die drei Wirtschafts- und Regionalentwicklungsagenturen der Vienna Region gemeinsam mit der Austrian Business Agency bereits ein attraktives Instrument geschaffen, um den grenzüberschreitenden Wirtschaftsstandort mit seinen Zukunftsindustrien Biotechnologie, Automotive Industries und Informations- und Kommunikationstechnologien international zu vermarkten.

Gemeinsame Infrastruktur für mehr Mobilität

Mobilität ist eine entscheidende Voraussetzung für einen funktionierenden Wirtschaftsraum. Ziel ist es, die Verkehrsinfrastruktur zwischen den beiden Städten zu verbessern und die Straßen- und Schienenverbindungen zwischen Wien und Bratislava rasch auszubauen. Der OECD Bericht nennt als mögliche Maßnahmen die Verschmelzung der beiden städtischen und regionalen Transportsysteme im Raum Wien-Bratislava in einem grenzüberschreitenden öffentlichen Verkehrsverbund, ein gemeinsames Management der Flughäfen Wien Schwechat und Bratislava, sowie die gemeinsame Nutzung von marktwirtschaftlichen Instrumenten zur Verkehrssteuerung. Wien hat diesbezüglich bereits mehrfach klare Vorstellungen und Forderungen an den Bund gerichtet.

Quelle

Der "Territorial Review" wurde gemeinsam von der OECD, Österreich (BKA), der Slowakei (Ministerium für Bauten und Regionalentwicklung) und den Städten Wien (MA 18 und 27) und Bratislava (Referat für regionale Zusammenarbeit und Auslandsbeziehungen) durchgeführt.
OECD-Territorial Reviews: Vienna-Bratislava (Austria/Slovak Republic), 2003
ISBN 92-64-10468-2
(Schluss) gaw

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