Kurswechsel und BEIGEWUM fordern Freilassung von Song Du-Yul

Wien (OTS) - Song Du-Yul, Kurswechsel-Autor im Jahr 1996,
Professor für Soziologie an der Universität Münster und eine der Leitfiguren der koreanischen Demokratisierungsbewegung, ist vor einigen Wochen in Korea unter dubiosen Beschuldigungen festgenommen worden. Verschiedenste Organisationen der koreanischen Demokratie-Bewegung haben zur Solidarität mit Song Du-Yul aufgerufen. Die Redaktion der Zeitschrift Kurswechsel und der Beirat für gesellschafts-, wirtschafts- und umweltpolitische Alternativen, BEIGEWUM, verurteilen die Verhaftung von Song Du-Yul und fordern seine sofortige Freilassung.

Song Du-Yul lebt seit mehreren Jahrzehnten im bundesdeutschen Exil. Von 1967 bis zum 22.9.2003 galt für ihn ein Einreiseverbot nach Süd-Korea. Nach seiner erstmaligen Wiedereinreise nach Korea wurde er verhaftet. "Dabei", so die Frankfurter Rundschau vom 4.11.2003, "hat er alles abgeklärt, bevor er reiste, eingeladen von der Demokratiestiftung. Präsident Roh Moo Hyun werde ihn und mehr als 30 demokratische Exilanten empfangen, Gastvorlesung werde er halten, eine Ehrendoktorwürde war ihm angeboten, kurz: sein demokratisches Engagement und sein Eintreten für die Wiedervereinigung war zu würdigen." Stattdessen wurde er vom Geheimdienst verhaftet und 15 Stunden täglich verhört. Der deutschen Botschaft wurde der Zugang zum deutschen Staatsbürger Song Du-Yul verweigert. Zum Verhör wird er laut Auskunft seines Sohnes "mit Handschellen und zusätzlich an den Oberarmen mit einem Seil gefesselt". Vorgeworfen wird Song Du-Yul, ein gefährlicher nordkoreanischer Agent zu sein. Die Anschuldigungen beruhen u.a. auf Aussagen des nord-koreanischen Überläufers Hwang Jang Yop. Dieser gilt als unglaubwürdig, ein südkoreanisches Gericht untersagte ihm schon vor längerem, gewisse unbewiesene Behauptungen weiterzuverbreiten. Dass er mehrfach in Nord-Korea war, hat Song Du-Yul nie abgestritten. Motiviert waren diese Besuche aus wissenschaftlichen Gründen und aus patriotischem Einheitswunsch.

Für die süd-koreanische demokratische Bewegung ist nicht auszuschliessen, dass der "Fall Song" von der koreanischen Rechtsopposition gegen den Präsidenten Roh instrumentalisiert wird bzw. dass Song Du-Yul bewusst in eine Falle gelockt wurde. Redaktion des Kurswechsel und BEIGEWUM-Vorstand kritisieren die Verhaftung von Song Du-Yul als einen unverständlichen Schritt der südkoreanischen Behörden und fordern dessen Haftentlassung. Für die Redaktion des Kurswechsels erklärt ao.Univ.Prof.Dr. Joachim Becker: "Sollte der international angesehene Wissenschaftler Song Du-Yul nicht unverzüglich freigelassen werden, wäre dies ein schwerer Schlag für die demokratische Entwicklung Südkoreas und das internationale Ansehen des Landes."

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ao.Univ.Prof. Dr. Joachim Becker
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