• 11.11.2003, 17:33:01
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Wie, bitte, soll es weitergehen?

Reinhard Göweil über die fatale Entwicklung bei den ÖBB

Wien (OTS) - Erstens: Die Bahn ist nicht das miese Unternehmen,
als das es in den vergangenen Wochen oft dargestellt wurde. Zweitens:
Die Bahn kann so nicht weitermachen, es muss Veränderungen geben.
Zwei Gegen-Sätze, im wahrsten Sinn des Wortes, und trotzdem beide
wahr. Darum gibt es in dieser Auseinandersetzung keinen Guten und
keinen Bösen - wenn schon, dann zwei Böse. Denn sowohl die
Eisenbahnergewerkschaft als auch die Politik (nicht nur die seit dem
Jahr 2000) haben das "Unternehmen Bahn" sei jeher stärker behindert
als gefördert. Die Gewerkschaft, weil sie die ÖBB als ihr Eigentum
betrachtete und mit üppigen Sozialleistungen praktisch unbeweglich
machte. Die Politik, weil sie nie echte Verkehrspolitik machte und
viele unsinnige Entscheidungen traf.

Aus Parteien-Willkür wurde beispielsweise 2001 Generaldirektor
Helmut Draxler demontiert, der als bisher einziger ÖBB-Chef dort
etwas zusammengebracht hatte. Vier verschiedene Verkehrsminister in
drei Jahren waren nicht besonders hilfreich.Nachdem jahrelang Murks
passierte, geschieht nun alles blitzartig und damit nicht besonders
ausgereift: Die Infrastruktur der Bahn in zwei Teile zu zerlegen, ist
wirtschaftlich nicht nachvollziehbar.Also kommt es zum Showdown mit
der Gewerkschaft. Mindestens 24 Stunden stehen die ÖBB still. Die
große Frage lautet: Was dann? Hat dann die Gewerkschaft das ihre
getan, und die notwendige, aber nicht beste ÖBB-Reform geht ihren
Weg? Dass die Regierung nachgibt, die nach den internen Krämpfen
Reformkraft beweisen will, ist unwahrscheinlich. Streikt die ÖBB dann
eine Woche? Zwei Wochen? Wird der Streik zum Flächenbrand?

Keine der beiden Streitparteien scheint eine Strategie zu haben,
wie ein möglicher Ausweg aussehen könnte. Wenn die Sache weiter
eskaliert, wären die Opfer nicht nur Schüler und Pendler, sondern
alle Arbeitnehmer und -geber des Landes. Wer bereit ist, so
fahrlässig mit dem Wirtschaftsstandort umgeht, diskreditiert sich
selbst. Weg mit Justament-Standpunkten, zurück an den
Verhandlungstisch, das ist der einzige Ausweg. Auch wenn derzeit
weder die Regierung noch die Gewerkschafter davon etwas hören wollen.

OTS0237    2003-11-11/17:33

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