- 11.11.2003, 13:11:18
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Schulreform-Diskussion: Bildung muss zum Thema werden!
Hochhauser stellt 5-Punkte-Programm der Wirtschaft zu "Klasse Zukunft" vor - Podiumsdiskussion in der WKÖ: gemeinsame Zielrichtung von Wirtschaft und Wissenschaft
Wien (PWK785) - "Gute Ausbildung ist für einen attraktiven
Wirtschaftsstandort unerlässlich", betonte die stv. Generalsekretärin
der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Anna-Maria Hochhauser. Als
Schlüssel für die Zukunft im internationalen Wettbewerb bezeichnete
die stv. Sektionschefin im Bildungsministerium, Heidrun Strohmeyer,
Qualifikation und Kompetenz. Und dass Bildung zum wirtschaftlichen
Produktivitätsfaktor geworden ist, stellte der Vorsitzende der
Zukunftskommission, Günter Haider, klar. Über die große Bedeutung
eines soliden und effizienten Bildungssystem für Österreich herrschte
also Einigkeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft bei der
Diskussionsveranstaltung "reform@schule" am Montag Abend in der WKÖ.
"Wir müssen jedoch mehr über Bildung reden", erklärte Günter Haider,
der ein umfassendes und nachhaltiges Reformkonzept der
Zukunftskommission zur Schulreform präsentierte. Denn nur so könne
die ambitionierte Umsetzung auch rasch zu Ergebnissen führen. "Der
internationale Wettbewerb nimmt beachtlich zu und die Vorlaufzeiten
im Bildungsbereich sind ausgesprochen lang", so Haider.
Um Bildung zum Thema zu machen hat die WKÖ auch Wirtschaft,
Wissenschaft und Politik aufs Podium geladen und ihr
5-Punkte-Programm zur Diskussion gestellt. Generalsekretärin
Hochhauser begrüßte ausdrücklich die Vorschläge zur Schulreform als
großen Schritt in die richtige Richtung und stellte die für die
Wirtschaft prioritären Bereiche vor: "Das Herzstück einer umfassenden
Reform der Schulorganisation liegt sicher in der finanziellen und
personellen Autonomie der Schulen. Die WKÖ spricht sich auch für die
Einführung nationaler und zentral überprüfbarer Leistungsstandards
nach Pflicht- und Mittelschule aus. Im Hinblick auf die schwierige
Arbeitsmarktsituation für Schulabgänger wird es immer wichtiger die
Jugendlichen gut auf das Arbeitsleben vorzubereiten", so Hochhauser.
Ebenso wichtig sei, dass allen Eltern und Kindern das Angebot einer
qualitativ und pädagogisch wertvollen Ganztagsbetreuung gemacht
werden kann. Selbstverständlich müsse auch die regelmäßige
Weiterbildung von Lehrern in der unterrichtsfreien Zeit werden, wobei
die Weiterbildungsinhalte von der Schulleitung definiert werden
sollten. Generell sollte der Arbeitsplatz eines Lehrers künftig in
der Schule sein. "So wird die Transparenz über ihre Leistungen
erhöht, Teamarbeit gefördert und die Lehrer sind für Schüler und
Eltern leichter erreichbar", erklärte Hochhauser die Forderungen aus
Sicht der Wirtschaft.
Einen wesentlichen Beitrag "um Schule gemeinsam neu zu denken",
leistet die Initiative des Bildungsministeriums "Klasse Zukunft" mit
der jüngst eingerichteten Internetplattform. Die stellvertretende
Sektionsleiterin, Heidrun Strohmeyer, sprach von einem breit
angelegten Beteiligungsprozess, bei dem jeder mitdiskutieren und
mitgestalten kann. Auch sie bekannte sich zu Autonomie und
Dezentralisierung und mehr Ergebnisverantwortung in der Schule.
Anwesenheitspflicht von Lehrern sei allerdings noch kein Garant für
engeren Schülerkontakt und eine bessere Gesamtsituation.
Im Rahmen der Podiumsdiskussion stellte sich auch der
Bildungssprecher der ÖVP, Abgeordneter zum Nationalrat Werner Amon,
hinter das Reformkonzept, betonte aber, dass nun die Detailfragen
diskutiert werden müssen. So sei einerseits Schulautonomie im Sinne
von "sparsamer wirtschaften" notwendig, andererseits sei er
skeptisch, ob Schulen künftig selbst die Lehrerauswahl treffen
sollten. "Ungemein wichtig ist die Einführung von
Leistungsstandards", betonte Amon und machte auf die aktuellen
vielfach großen Unterschiede zwischen Hauptschulen im städtischen und
ländlichen Bereich aufmerksam. Auch sage er, Amon, ja zum
Sitzenbleiben, "allerdings mit klaren, eindeutigen Regeln." Bei der
Ganztagsbetreuung müsse die Wahlmöglichkeit erhalten bleiben und die
Arbeitsplätze in den Schulen gehören deutlich verbessert, wenn die
Lehrer dort auch nachmittags tätig sein sollen, so der
Bildungssprecher.
"Als Unternehmer und Mutter bzw. Vater" zeigten sich die
KMU-Vertreter Renate Römer, Transportunternehmerin und Spartenobmann
der Wirtschaftskammer Wien, und Michael P. Walter, Erzeugungs- und
Handelsunternehmer und WIFI Österreich Kurator, mit dem
5-Punkte-Programm der Wirtschaft zufrieden. "Junge Menschen müssen
mit Basis-Wissen ausgebildet sein und motiviert und zufrieden in das
Berufsleben einsteigen können. Die Wirtschaft braucht Lehrlinge und
die jungen Menschen wollen Arbeit bekommen, dies setzt eine adäquate
Aus- bzw. Bildung voraus", so Römer. Walter: "Die Zielsetzungen des
Reformkonzepts sind richtig, Schule muss besser organisiert werden
und möglichst bald auch die räumlichen Voraussetzungen für die
‚Schule neu‘ geschaffen werden."
Auch die Industrie, vertreten durch Direktor Josef Kolarz-Lakenbacher
von Siemens NÖ, zeigte sich einer Meinung mit KMUs und Wissenschaft.
Industriebetriebe wünschen sich rasch bestausgebildete junge
Menschen, damit sie in der Praxis auch das berufliche Leben lernen.
"Wichtig erscheint uns, dass sich die Rolle des Lehrers in Richtung
‚coach‘ entwickelt." Generell müsse der Wettbewerb zwischen den
Schulen verstärkt werden, dann werde Österreich auch für den
internationalen Wirtschaftsstandort- und Bildungswettbewerb gerüstet
sein und weiterhin erfolgreich mitspielen können. (Ne)
OTS0152 2003-11-11/13:11
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