• 11.11.2003, 11:55:11
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Greenpeace: Folgen des Prestige-Unglücks dauern noch bis 2015

Umweltorganisation präsentiert Studie ein Jahr nach dem Tankerunglück

Wien/Madrid (OTS) - Ein Jahr nach dem Tankerunglück vor der
spanischen Küste hat die Umweltorganisation jetzt eine Studie über
die Auswirkungen der Ölpest auf Menschen und Umwelt vorgelegt.
Hunderttausende Tiere starben durch den giftigen Ölschlamm, 2000
Kilometer Küste sind betroffen. Die Nahrungskette im Meer wurden
empfindlich gestört. Untersuchungen ergaben, dass Meerestiere mit
giftigen Rückständen verseucht wurden. Die Fischerei-Industrie hatte
durch die Fangverbote erhebliche Einbußen zu erleiden. Auch die
Tourismusindustrie verzeichnete Einnahmenrückgänge bis zu 20 Prozent.
Eine Normalisierung des Ökosystems ist erst 2015 zu erwarten. "Es ist
schockierend, wie wenig die Welt auf das Unglück reagiert hat. Noch
immer kreuzen 3.400 Einhüllentanker auf den Weltmeeren und gefährden
das Leben im Meer. Die Giftstoffe aus dem Schweröl der Prestige
werden sich noch jahrelang in der Nahrungskette anreichern, bis sie
schließlich auf unseren Tellern landen", kritisierte
Greenpeace-Sprecher Franko Petri anlässlich des Jahrestages der
Prestige-Katastrophe am 13. November.

Birdlife und die spanische ornithologische Gesellschaft haben
ermittelt, dass im Zuge der Ölpest bis zu 300.000 Vögel starben. Aber
auch Meeresschildkröten, Delfine, Haie und Wale litten unter der
Verschmutzung. Besonders stark waren wenig oder nicht mobile
Meerestiere von der Verseuchung betroffen, darunter zahlreiche
Muschelarten, Seeigel, Krabben, Hummer, Aale und viele Fischarten.
Durch die krebserregenden polyzyklischen Kohlenwasserstoffe, die fast
50 Prozent des Prestige-Schweröls ausmachen, werden bei den Tieren
genetische, biochemische und physiologische Veränderungen erwartet.
Die Gifte reichern sich in der Nahrungskette an, an deren Ende der
Mensch steht. Besonders viele Rückstände wurden in Weichtieren,
Krustentieren und Kopffüßlern festgestellt. Stichproben bei Austern,
Tintenfischen, Krabben und anderen Meerestieren ergaben an der
Unglücksküste eine Verseuchung von mehr als 30 Prozent über dem Wert,
der für den menschlichen Verzehr erlaubt ist.

Besonders stark betroffen war die Fischerei. Mehr als 120.000
Menschen leben allein in Galizien von der Fischerei. Die Hälfte der
spanischen Fangflotte - das sind mehr als 6000 Schiffe - ist dort
stationiert. Das letzte Fangverbot wurde erst im Oktober 2003
aufgehoben. Das galizische Bruttoregionalprodukt ist nach dem Sinken
der Prestige um einen halben Prozent gefallen. Das entspricht einer
Verlustsumme von 1,4 Mrd Euro. Auch die Tourismusindustrie wurde
geschädigt: Galizien und Kantabrien notierten zehn Prozent
Einnahmenrückgang, Asturien knapp 20 Prozent.

Greenpeace kritisiert, dass trotz dieser größten Ölpest in Europa
keine neuen Regelungen auf internationaler Ebene zum Schutz der Meere
erlassen wurden. Nur die EU hat Einhüllentankern mit Schweröl seit
20. Oktober 2003 das Einlaufen in EU-Häfen verboten. Die
internationale Schifffahrtsorganisation IMO weigert sich noch immer,
Verbote für Gefahrentransporte in den 3.400 Einhüllentankern zu
erlassen. Stattdessen will die IMO Greenpeace wegen ihrer
Umweltschutz-Aktivitäten den Beobachterstatus aberkennen, den die
Umweltorganisation seit 1991 inne hat.

Greenpeace fordert weiterhin die verschuldensunabhängige Haftung für
die gesamte Kette der Ölindustrie von der Produktion bis zur
Verarbeitung. Ein Jahr nach dem Sinken der Prestige ist die
Schuldfrage noch immer ungeklärt, weil die Ölkonzerne ihre Haftung
für solche Unglücksfälle leicht verschleiern können. Greenpeace
fordert auch das sofortige Verbot für Gefahrentransporte in
Einhüllentankern und die Einrichtung von Meeresschutzgebieten. Auch
verstärkte Kontrollen zur Erhöhung der Schifffahrtssicherheit sind
dringend nötig. "Die Ölkonzerne dürfen sich nicht mehr der
Verantwortung stehlen, indem sie die niederen Standards der
Billigflaggenländer ausnützen", warnte Petri.

OTS0104    2003-11-11/11:55

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