• 06.11.2003, 18:19:18
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"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Verteilungskrampf" (Von Peter Nindler)

Ausgabe vom 7. November 2003

Innsbruck (OTS) - Als Tischtennis-Weltmeister Werner Schlager vor
wenigen Tagen zum Sportler des Jahres gekürt wurde, hallte ein
Bekenntnis durch den Festsaal - nämlich jenes zur Förderung und
Unterstützung der so genannten Randsportarten. Rund 240.000 Euro
erhielten unsere Tischtennis-Spieler heuer aus der mit 36 Mio. Euro
dotierten Sportförderung. 53 Fachverbände dürfen sich jährlich ein
Stück vom Kuchen abschneiden.
Der Fußball erhält naturgemäß mit elf Millionen Euro das größte Stück
davon. Trotzdem nagen viele Vereine am Hungertuch, weil sich Frank
Stronach nun einmal für Austria Wien entschieden hat. Der Unterschied
zum Tischtennis dürfte da kein großer sein, außer dass Schlager
gehaltsmäßig nicht mit einem Austria-Spieler zu vergleichen ist.
Zweifellos fließt die Sportförderung nicht in die Brieftaschen der
Stars, sondern kommt dem Nachwuchs zugute. Dennoch können die
Subventionen den finanziellen Niedergang vieler Fußballvereine nicht
verhindern.
Aber gerade dies macht wieder den großen Unterschied zu den
Randsportarten aus. Die Tischtennisspieler können nicht Pleite gehen,
weil sie auf kleinem Fuß leben. Spätestens wenn das
Lizensierungsverfahren für die Fußballvereine wieder beginnt, wird
auch das Jammern kaum mehr zu überhören sein. Der Kreislauf beginnt
von neuem, der Ruf an die Politik ebenfalls - obwohl der Fußball
aufgrund seiner Breitenwirkung ohnehin einen Großteil der
Sponsormillionen für sich vereinnahmt und somit den nicht so sehr im
Rampenlicht der Öffentlichkeit stehenden Sportarten entzieht.
Die Sportförderung ist an ihre Grenzen gestoßen, weil sie vielfach
lediglich Überleben sichert, aber als Steuerungselement kaum wirkt.
Der Ruf mancher Politiker nach einer noch in Schilling gedachten
Sportmilliarde wird da keine Abhilfe schaffen. Eine Aufstockung ist
immer willkommen, aber nur dann sinnvoll, wenn auch der
Verteilungsschlüssel ernsthaft und kritisch hinterfragt wird.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion - Tel.: 05 04 03/ DW 601

OTS0280    2003-11-06/18:19

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