• 06.11.2003, 13:40:20
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ÖGB: Betriebliche Gesundheitsförderung rechnet sich Ursachen von Erkrankungen an den Wurzeln bekämpfen

Wien/Stockerau (ÖGB). "Strategien für ein gesünderes Arbeitsumfeld
machen sich sowohl für Betriebe als auch für MitarbeiterInnen
bezahlt", stellte der Leitende Sekretär im ÖGB, Dr. Richard Leutner,
heute bei einer Pressekonferenz der Firma Saint-Gobain Isover Austria
AG in Stockerau fest. Diese präsentierte bei einer "kick
off"-Veranstaltung gestern und heute das betriebliche
Gesundheitsförderungsprojekt bei Gesundheitstagen. "Wer in
betriebliche Gesundheitsförderung investiert, erreicht eine
Steigerung der Arbeitszufriedenheit und der Arbeitsqualität sowie
eine Verbesserung des Betriebsklimas", stellte Leutner fest.

Untersuchungen zeigen, dass durch betriebliche
Gesundheitsförderung die arbeitsbedingten Erkrankungen zurückgehe und
die Arbeitszufriedenheit deutlich steige. Vom ÖGB regelmäßig
durchgeführte Befragungen unterstreichen zudem, dass die Gestaltung
der Arbeitsbedingungen für die ArbeitnehmerInnen in Österreich ein
wichtiges Anliegen sei. "Daher wird das Projekt zur betrieblichen
Gesundheitsförderung FIIT (Fit im Isover Team) bei St. Gobain Isover
Austria vom ÖGB auch aktiv unterstützt", stellte Leutner fest. Ein
wesentliches Merkmal einer erfolgreichen betrieblichen
Gesundheitsförderung stelle die aktive Beteiligung der
MitarbeiterInnen bei Gesundheitszirkeln dar. Dadurch könne die
Erfahrung und das Wissen der Beschäftigten zur Verbesserung der
Arbeitsbedingungen genutzt werden.

Rund 300.000 Beschäftigte arbeiten in der Nacht und rund eine
halbe Million leistet regelmäßig Schicht-, Wechsel- und Turnusarbeit.
Besonders Schichtarbeit stellt aus physiologischen und sozialen
Gründen eine große gesundheitliche Belastung für die Beschäftigten
dar. "SchichtarbeiterInnen leben in zwei verschiedenen zum Teil
widersprechenden Zeitordnungen. Die Zeitordnung des Betriebes stimme
nicht mit der allgemeinen Zeitordnung des gesellschaftlichen Lebens
überein. SchichtarbeiterInnen seien daher oft von gesellschaftlichen
Aktivitäten ausgeschlossen, was den sozialen und familiären Bereich
negativ beeinflusse, so der Leitende Sekretär im ÖGB. Die
gesundheitlichen Belastungen dieser Tätigkeit machen sich erst nach
mehreren Jahren bemerkbar. Leutner: "Schlaflosigkeit,
Magen-Darm-Beschwerden, Kopfscherzen, Unruhe und Nervosität sind die
häufigst vorkommenden gesundheitliche Beeinträchtigungen, die
Schichtarbeit hervorruft.

MitabeiterInnen aktiv einbeziehen

Daher liege es auf der Hand, dass auf die Gestaltung der
Arbeitsbedingungen besonderer Wert gelegt werden müsse. Die
Belastungen können zwar nicht völlig vermieden, durch bestimmte
Maßnahmen aber zumindest reduziert werden. Als Beispiel nannte
Leutner, dass durch Umstellungen die Schichtpläne gesundheitsfördernd
gestaltet werden können. Leutner weiter: "Die MitarbeiterInnen haben
sehr viel Wissen und Erfahrung über ihren Arbeitsplatz. Diese
Erfahrungen können von den Beschäftigten in den Gesundheitszirkeln
eingebracht werden."

Berücksichtigt müsse auch werden, dass es in Zukunft mehr ältere
arbeitende Menschen geben werde. Beträgt in Österreich derzeit der
Anteil der mehr als 60-Jährigen 21 Prozent, so wird dieser Anteil bis
zum Jahr 2030 auf rund 35 Prozent steigen. Die Gründe dafür sind
einerseits demographische Entwicklungen, andererseits aber auch
politische Entscheidungen wie die so genannte
"Pensionssicherungsreform". Leutner: "Diese Entwicklung wird die
Betriebe vor große Herausforderungen stellen."

Ursachen an den Wurzeln bekämpfen

Im Jahr 2001 entfielen 8.409.243 Krankenstandstage auf Muskel- und
Skeletterkrankungen. "Diese Erkrankungen sind durch Kurbehandlungen
allein nicht in den Griff zu bekommen und müssen präventiv bereits an
der Wurzel im Betrieb bekämpft werden" sagt Leutner. Auch hier sei
die betriebliche Gesundheitsförderung ein wirksames Instrument, um
länger gesund arbeiten zu können.

Ziel betrieblicher Gesundheitsförderung müsse es sein Gesundheit
im Betrieb zu stärken, Krankheiten vorzubeugen und das Wohlbefinden
am Arbeitsplatz zu verbessern. Daraus ergibt sich bei der
betrieblichen Gesundheitsförderung ein zweifacher Vorteil. Einmal für
die Unternehmen und ein zweites Mal für die Belegschaft. Effekte sind
eine Steigerung der Arbeitszufriedenheit und der Arbeitsqualität
sowie eine Verbesserung des Betriebsklimas. Alle diese Faktoren
wirken sich letztendlich positiv auf die Arbeitsproduktivität aus",
so Leutner abschließend. (ew)

ÖGB, 6. November 2003                              Nr. 920

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OTS0216    2003-11-06/13:40

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