Kommentar WirtschaftsBlatt - Donnerstag Ausgabe, Michael Vorauer zu Niki Lauda

Ausgabe vom 6.11.2003

Wien (OTS) - Pleite Konkurs Ausgleich. Mit schreckgeweiteten
Augen werden diese Worte in österreichischen Wirtschaftskreisen mehr geraunt als ausgesprochen. "Hast du schon gehört, der XY ist pleite, Wahnsinn, gell?", schaudert es viele, wenn das Gespenst der Insolvenz wieder zugeschlagen hat. Die Freunde sind rasch dahin. Der Pleitier wird zum Paria. Unternehmerisches Scheitern ist im Einzelfall ein pechschwarzer Patzen auf der Weste eines Unternehmers. Nur die anonymen Insolvenzstatistiken werden mit voyeuristischen Genugtuung gelesen: Heiliger Florian, verschon' mein Haus, zünd' andere an. Gescheiterte Unternehmer, sollten sie je wieder wirtschaftlich aktiv werden, hüten sich in Österreich über ihre neuen Projekte auch nur ein lautes Wort zu verlieren. Niki Lauda ist anders. Mit grossem Tamtam präsentierte er gestern der breiten Öffentlichkeit seine Pläne für die Fluglinie Aero Lloyd Austria, die von der Pleite der Mutter schwer belastet ist. Der dreifache Formel-1-Weltmeister ließ sich als Motorsportler nicht unterkriegen und auch als Unternehmer steht er immer wieder auf. Das Aero Lloyd-Projekt ist immerhin Laudas dritter Anlauf als Flug-Unternehmer.

Mit dem ersten Start der Lauda Air baute Niki Nationale eine veritable Bruchlandung. "Lauda Air gibts nicht mehr", feixte damals so mancher Pilot der etablierten Airlines. Das Comeback als Rennfahrer brachte Lauda seinen dritten Weltmeistertitel und frisches Geld. Lauda war damals der bestbezahlte Rennfahrer der Welt. Statt sein Leben auf Ibiza zu geniessen, steckte er sein Geld in den Neu-Start der Lauda Air, die er gegen heftigsten Widerstand und im beinharten Konkurrenz-Kampf mit der AUA zum Fliegen brachte. Schwer verschuldet konnte er die Lauda Air 2000 an den Erzfeind AUA verkaufen und vermied damit den zweiten finanziellen Absturz. Egal ob die neue "Aero Lauda" nun Erfolg hat oder nicht. Lauda wird es wieder versuchen. Dem Kapperl-Träger ist österreichische Attitüde fremd. Er ist ein Unternehmer amerikanischen Typs aber leider eine Einzelerscheinung. Im amerikanischen und angel-sächsischen Raum ist unternehmerisches Scheitern kein Makel. Die Pleite wird als wirtschaftliche Lektion zur Chance für den Neubeginn. Von diesem Geist des Aufbruchs und des Anpackens könnte die österreichische Business-Community einen guten Schuss gebrauchen, nach dem Motto:
Wenn du auf die Nase fällst, steh' auf.

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