Alte Pillen in neuen Schachteln

Arzneimittelreform erleichtert Zugang für neue Medikamente ohne therapeutischen Zusatznutzen

Wien (OTS) - Der Generikaverband warnt vor den Plänen der Gesundheitsministerin, neue Medikamente automatisch von den Krankenkassen erstatten zu lassen. Denn längst nicht jedes neue Medikament wirkt auch besser. Bisher wurden Arzneimittel vom Hauptverband vor der Aufnahme ins Heilmittelverzeichnis pharmaökonomisch überprüft. Im Rahmen des Arzneimittelpakets wird überlegt diese Prüfung abzuschaffen. Damit sollen PatientInnen rascheren Zugang zu medizinischen Innovationen erhalten. Tatsächlich wird dadurch auch Scheininnovationen Tür und Tor geöffnet. Bei diesen "neuen" Medikamenten handelt es sich zwar um chemische, nicht aber um medizinische Innovationen. Die Wirkung entspricht der bereits bekannter Arzneimittel. Der Vorteil für die Pharmaindustrie: auch auf chemische Innovationen kann ein Patent angemeldet werden, selbst wenn es keinen zusätzlichen therapeutischen Nutzen gibt. Die Konkurrenz durch günstigere Generika kann so auf Jahre verhindert werden."Profitieren davon werden die Börsenkurse der Pharmakonzerne",so Wimmer, "aber ganz sicher nicht die Beitragszahler".

Scheininnovationen verstopfen Arzneimittelmärkte

Der deutsche Arzneimittelmarkt kämpft bereits heute schwer mit den hohen Kosten, die durch die zunehmende Verordnung von teuren Scheininnovationen verursacht werden. In den letzten Jahren kamen insgesamt 681 neue Wirkstoffe auf den Markt. Nur 172 davon brachten echten medizinischen Fortschritt. Von den derzeit 25 umsatzstärksten Medikamenten in Deutschland sind die Hälfte Scheininnovationen. Mit modernem Marketing und einseitigen Informationen über die angeblichen Vorteile dieser "neuen" Medikamente lassen sich auch ohne echten therapeutischen Zusatznutzen hohe Preise erzielen. Die Kostenlawine bei Arzneimitteln hat also nicht nur medizinische Gründe. "Sie ist", so Wimmer,"auch das Ergebnis von geschicktem Marketing und fehlender Kontrolle".

Österreichisches Qualitätsinstitut gefordert

Damit der österreichische Arzneimittelmarkt nicht zum Selbstbedienungsladen der Pharmalobby wird fordert Wimmer ein unabhängiges Qualitätsinstitut zur Bewertung neuer Medikamente. Denn gerade im Zusammenhang mit der Bewertung von Arzneimitteln gibt es in Österreich erhebliche Defizite."Es werden längst nicht alle Studien veröffentlicht, die zu Arzneimitteln in Auftrag gegeben werden". Hier könnte ein öffentliches Register für Medikamentenversuche Abhilfe schaffen. Es liege auch im Interesse der forschenden Industrie hier Abhilfe zu schaffen, so Wimmer. Wenn PatientInnen wirklich im Mittelpunkt stehen, dann müsse auch im Arzneimittelbereich umfassende Transparenz herrschen.

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