• 28.10.2003, 16:34:21
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Alte Pillen in neuen Schachteln

Arzneimittelreform erleichtert Zugang für neue Medikamente ohne therapeutischen Zusatznutzen

Wien (OTS) - Der Generikaverband warnt vor den Plänen der
Gesundheitsministerin, neue Medikamente automatisch von den
Krankenkassen erstatten zu lassen. Denn längst nicht jedes neue
Medikament wirkt auch besser. Bisher wurden Arzneimittel vom
Hauptverband vor der Aufnahme ins Heilmittelverzeichnis
pharmaökonomisch überprüft. Im Rahmen des Arzneimittelpakets wird
überlegt diese Prüfung abzuschaffen. Damit sollen PatientInnen
rascheren Zugang zu medizinischen Innovationen erhalten. Tatsächlich
wird dadurch auch Scheininnovationen Tür und Tor geöffnet. Bei diesen
"neuen" Medikamenten handelt es sich zwar um chemische, nicht aber um
medizinische Innovationen. Die Wirkung entspricht der bereits
bekannter Arzneimittel. Der Vorteil für die Pharmaindustrie: auch auf
chemische Innovationen kann ein Patent angemeldet werden, selbst wenn
es keinen zusätzlichen therapeutischen Nutzen gibt. Die Konkurrenz
durch günstigere Generika kann so auf Jahre verhindert
werden."Profitieren davon werden die Börsenkurse der
Pharmakonzerne",so Wimmer, "aber ganz sicher nicht die
Beitragszahler".

Scheininnovationen verstopfen Arzneimittelmärkte

Der deutsche Arzneimittelmarkt kämpft bereits heute schwer mit den
hohen Kosten, die durch die zunehmende Verordnung von teuren
Scheininnovationen verursacht werden. In den letzten Jahren kamen
insgesamt 681 neue Wirkstoffe auf den Markt. Nur 172 davon brachten
echten medizinischen Fortschritt. Von den derzeit 25 umsatzstärksten
Medikamenten in Deutschland sind die Hälfte Scheininnovationen. Mit
modernem Marketing und einseitigen Informationen über die angeblichen
Vorteile dieser "neuen" Medikamente lassen sich auch ohne echten
therapeutischen Zusatznutzen hohe Preise erzielen. Die Kostenlawine
bei Arzneimitteln hat also nicht nur medizinische Gründe. "Sie ist",
so Wimmer,"auch das Ergebnis von geschicktem Marketing und fehlender
Kontrolle".

Österreichisches Qualitätsinstitut gefordert

Damit der österreichische Arzneimittelmarkt nicht zum
Selbstbedienungsladen der Pharmalobby wird fordert Wimmer ein
unabhängiges Qualitätsinstitut zur Bewertung neuer Medikamente. Denn
gerade im Zusammenhang mit der Bewertung von Arzneimitteln gibt es in
Österreich erhebliche Defizite."Es werden längst nicht alle Studien
veröffentlicht, die zu Arzneimitteln in Auftrag gegeben werden". Hier
könnte ein öffentliches Register für Medikamentenversuche Abhilfe
schaffen. Es liege auch im Interesse der forschenden Industrie hier
Abhilfe zu schaffen, so Wimmer. Wenn PatientInnen wirklich im
Mittelpunkt stehen, dann müsse auch im Arzneimittelbereich umfassende
Transparenz herrschen.

OTS0215    2003-10-28/16:34

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