"Weltjournal" am 22. Oktober im ORF: "Die Opfer des Megadamms"

Hunderttausende Chinesen warten auf ein neues Heim

Wien (OTS) - Im "Weltjournal" am Mittwoch, dem 22. Oktober, um
22.30 Uhr in ORF 2 präsentiert Annette Scheiner folgende Themen:

China: Die Opfer des Megadamms

Ende Juni wurde der Drei-Schluchten-Staudamm am chinesischen Jangtse-Fluss in Betrieb genommen. Das wegen der tiefen Eingriffe in die Natur umstrittene Bauwerk ist das größte Wasserkraftprojekt der Welt. Mehr als eine Million Chinesen mussten wegen dieses Megadamms aus Städten und Dörfern umgesiedelt werden. Während sich das Leben für viele verbessert hat, weil sie in moderne Modelldörfer umquartiert wurden, warten Hunderttausende nach wie vor auf neue Quartiere. Die Gelder, die für die Umsiedlungen vorgesehen waren, verschwinden in den Taschen korrupter Behörden, die Menschen bleiben auf der Strecke.

Schweiz: Die Angst vor Ausländern

Der erwartete Rechtsruck bei den Wahlen in der Schweiz ist eingetreten. Eines der bestimmenden Wahlkampfthemen war die Ausländerpolitik. Der Wahlsieger der Schweizer Volkspartei (SVP), Christoph Blocher, ist dafür, dass die Schweizer auch weiterhin an den Urnen über die Einbürgerung der Ausländer abstimmen. Dabei bleiben vor allem Einwanderer aus Ex-Jugoslawien oder aus islamischen Staaten auf der Strecke, für die Betroffenen - die seit vielen Jahren in der Schweiz leben und auch dringend gebraucht werden, eine entwürdigende Situation. Das Schweizer Bundesgericht hat dieses Instrument der direkten Demokratie nun kritisiert und will, dass auf parlamentarischer Ebene über die Einbürgerung von Ausländern abgestimmt wird. Carola Schneider widmet sich dem frustrierenden Schicksal einer jungen Bosnierin und geht der Angst vor den Ausländern nach.

Denkmalstreit: Polen gegen Deutsche

Sechzig Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wird in Deutschland nicht mehr nur über die Täterrolle, sondern auch über deutsche Opfer diskutiert. Auf Beschluss der Siegermächte wurden 1945 bis 1946 rund zwölf Millionen Deutsche aus ihrer alten Heimat im heutigen Polen und Tschechien vertrieben. Viele von ihnen überlebten die Vertreibungen nicht. Das Projekt des "Bundes der Vertriebenen", in Berlin ein Zentrum gegen Vertreibungen zu errichten, sorgt jetzt in Warschau für Aufregung. Die Deutschen, so der Grundtenor der Kritik, hätten vergessen, dass sie den Zweiten Weltkrieg ausgelöst haben. Joana Radzyner über den heiklen Geschichtsstreit aus Polen.

Portugal: Das Sex-Dorf

Viele Gründe hat es bisher nicht gegeben, in die 30.000-Einwohner-Stadt Braganca im nordöstlichsten Winkel Portugals zu reisen. Aber seit kurzem ist die Gemeinde in aller Munde, denn 400 brasilianische Freudenmädchen haben sich dort angesiedelt und verdienen ihr Geld in Klubs, Snackbars und Discotheken. Die moralische Standfestigkeit der Einheimischen wird auf eine harte Probe gestellt. Immer mehr Familienväter investieren das Familienbudget bei den Schönen der Nacht. Eine Gruppe von Frauen aus dem Ort will das nicht länger akzeptieren und hat der Prostitution im Ort den Krieg erklärt. Hunderte Unterschriften wurden gesammelt, doch die Behörden haben bisher von der Globalisierung des Sexgewerbes kapituliert. Alexander Steinbach hat Braganca besucht.

Irak: Der Fluss des Lebens

Von den vielen grausamen Methoden, mit denen Saddam Hussein Kritiker und Gegner verfolgte, hat - neben dem Giftgasangriff auf die Kurden -besonders die Vertreibung einer schiitischen Minderheit aus den Sumpfgebieten am südlichen Euphrat internationale Proteste und Empörung ausgelöst. Gezielt ließ Saddams Armee Tausende Quadratkilometer fruchtbare Feuchtgebiete austrocknen und zerstören. Eine der ältesten Kulturlandschaften der Welt, in denen die Sumpfaraber seit ewigen Zeiten friedlich gelebt hatten, wurde zerstört. Der zweite Teil der "Weltjournal"-Reportage über den Wiederaufbau des Irak zeigt den Exiliraker Hassan Janabi bei der Inspektion der Sumpfgebiete. Als wichtiger Mitarbeiter des neu organisierten Wasserministeriums will er seinen Traum wahrmachen, diesen ehemaligen Garten Eden wieder in Stand zu setzen. Und es gibt schon einen ersten Erfolg, ein Teil der Sumpfgebiete ist bereits wieder unter Wasser gesetzt.

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