• 20.10.2003, 10:11:56
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Bulgarien: Österreich war 2002 der größte Auslandsinvestor

Internationaler Flughafen Sofia wird mit österreichischem Know-How ausgebaut - Zugsicherungssystem für bulgarische Staatsbahn kommt auch aus Österreich

Wien (PWK711) - Bulgariens Politiker sehen mit Spannung der
bevorstehende Aufnahme von 10 Beitrittskandidaten in die Europäische
Union entgegen. Für die bulgarische Politik selbst, insbesondere die
Wirtschaftspolitik des Landes, steht ein Beitritt zur EU im
Mittelpunkt des Interesses. Den Abschluss der Verhandlungen über den
EU-Beitritt erhofft sich Sofia für 2004. Ein Großteil der
Verhandlungskapitel konnte bereits geschlossen werden. Bereits jetzt
sind die EU-Programme zur Unterstützung des Ausbaus der
Infrastruktur, PHARE und ISPA, sowie SAPARD für den
landwirtschaftlichen Bereich, unentbehrliche Stützen des
wirtschaftlichen Aufschwungs.

"Die bilateralen Handelsbeziehungen zwischen Österreich und Bulgarien
laufen seit Jahren erfolgreich", sagt Walter Koren, Leiter der
Außenwirtschaft Österreich (AWO) der WKÖ. Und der Fortschritt der
EU-Beitrittsverhandlungen sowie die Aufnahme Bulgariens in die Union
in einigen Jahren, werden die Handelsbeziehungen sicher weiter
beflügeln, so Koren. Die österreichischen Exporte nach Bulgarien
stiegen im ersten Halbjahr diesen Jahres um 10% auf knapp 130 Mio
Euro und die Importe legten sogar um 30% zu. Die Handelsbilanz blieb
im ersten Halbjahr mit 62 Mio Euro weiterhin positiv. Traditioneller
Schwerpunkt bei den österreichischen Lieferungen ist der
Maschinensektor, in dem österreichische Exporteure ausgezeichnet
positioniert sind. Gleichzeitig rangiert Bulgarien auch importseitig
als wichtiger Lieferant, wobei Bekleidungsimporte im Vordergrund
stehen. Koren: "Neben der starken Stellung als Handelspartner ist die
österreichische Wirtschaft auch einer der bedeutendsten Investoren in
Bulgarien. Im vergangenen Jahr kamen im Ländervergleich die meisten
ausländischen Direktinvestitionen von österreichischen Unternehmen.
Insgesamt scheint Österreich damit in der offiziellen Statistik
derzeit auf dem 5.Platz auf." Der WKÖ-Handelsdelegierte in Sofia,
Hermann Ortner, ergänzt: "Erfreulicherweise sind die österreichischen
Investitionen auch branchenmäßig sehr breit gefächert. Neben dem
Banken- und Versicherungssektor sind der Mobilfunk, die
Textilbranche, die Lebensmittel- und Treibstoffdistribution sowie der
Bausektor Schwerpunkte österreichischen Engagements." Beispiele
wichtiger österreichischer Investitionen in Bulgarien sind unter
anderem der Erwerb und Ausbau einer Kartonfabrik in Nikopol durch die
Firma Mayr-Melnhof Karton und die Erzeugung von Kranteilen durch
Palfinger Produktionstechnik. Eines der derzeit größten Bauprojekte
in Bulgarien, der Ausbau des Internationalen Flughafens Sofia, wird
von der Fa. Strabag durchgeführt, gleichzeitig baut die Firma Soravia
Bauträger ein Business-Center in zentraler Toplage.

Sehr erfreulich ist auch die erfolgreiche Teilnahme österreichischer
Unternehmen an internationalen Projekten. Beispielsweise stattete
Alcatel Austria die bulgarischen Staatsbahnen im Rahmen eines
PHARE-Projektes mit einem topmodernen Zugsicherungssystem aus.
Ortner: "Gute Perspektiven für einen erfolgreichen wirtschaftlichen
Einstieg, sei es im Rahmen von Investitionen oder Zulieferungen,
bietet derzeit sicherlich der Energie- und Umweltsektor." Gerade auch
durch internationale Hilfestellungen soll der enorme Nachholbedarf
möglichst rasch aufgeholt bzw. verringert werden. Dieser Perspektive
Rechnung tragend hat die Außenhandelsstelle Sofia vor einigen Monaten
eine Wirtschaftsmission mit den Schwerpunkten "Infrastruktur, Umwelt
und Energie" organisiert, in deren Rahmen es einer Reihe
österreichischer Firmen gelang, auf offizieller und Firmenebene
interessante Geschäftsmöglichkeiten zu identifizieren.

Zur allgemeinen wirtschaftlichen Lage merkt Ortner an, dass das
Wirtschaftswachstum auch heuer mit prognostizierten 4% weit über dem
europäischen Durchschnitt liegen werde. Trotz des noch immer sehr
niedrigen Pro-Kopf-Einkommens von etwas über EUR 2.000 im
Jahresschnitt besitzt die bulgarische Wirtschaftspolitik einen
wichtigen Trumpf in Form der mittlerweile erreichten
makroökonomischen Stabilität. Seit dem Krisenwinter 1996/1997 ist es
gelungen, den Außenwert der bulgarischen Währung durch Einführung des
Currency-Board’s stabil zu gestalten. Desgleichen wurde die Inflation
in den letzten beiden Jahren auf unter 5 % gedrückt. Der
Staatshaushalt ist einnahmen- und ausgabeseitig fast ausgeglichen.
Diese Budgetdisziplin ermöglicht allerdings naturgemäß nur geringen
Ausgabenspielraum. Eine umfangreiche Aufbesserung der eigenen
Finanzkraft erfolgt vor allem durch internationale
Finanzierungsquellen wie die erwähnten EU-Programme, Weltbank- und
IWF-Kredite sowie ausländische Direktinvestitionen.

Während die Privatisierung im industriellen Bereich weitgehend
abgeschlossen ist, bieten sich in strategischen Sektoren, allen voran
die Energiewirtschaft, noch zahlreiche Kaufmöglichkeiten. Gerade der
Elektrizitätssektor, der derzeit zur Privatisierung ansteht, spielt
in Bulgarien traditionell eine wichtige Rolle, da das Land seit
Jahren in der Lage ist, Stromüberschüsse zu exportieren. Der Verkauf
von Energieversorgungsgesellschaften und Kraftwerken sowie Neubauten
und Modernisierungen im Kraftwerkssektor zielen auf eine weitere
Stärkung dieses Wirtschaftsbereiches ab. Wichtigster Sektor in der
bulgarischen Wirtschaft ist mit Abstand die Dienstleistung, wobei in
den letzten Jahren die rapide gestiegenen Einnahmen aus dem Tourismus
stark ins Gewicht fallen. Schwerpunkt für den Ausbau der
touristischen Infrastruktur ist die Schwarzmeerküste, die sich immer
mehr zu einer modernen Fremdenverkehrsregion entwickelt. Entsprechend
erfreulich fielen die hohen Zuwachsraten in den letzten Jahren aus.
Besonders deutlich zeigt sich der wirtschaftliche Aufwärtstrend auch
in den Branchen Telekommunikation, Bauwesen und Verkehr. (BS)

OTS0046    2003-10-20/10:11

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