• 16.10.2003, 10:01:25
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OeNB - Umschichtungen von Krediten in JPY zu CHF positiv - Risiken bleiben aber bestehen

~ OeNB Direktor Univ. Doz. Dr. Christl präsentiert die aktuellsten Entwicklungen zu den österreichischen Fremdwährungskrediten ~

Wien (OTS) - "Die verstärkte Umschichtung von Krediten in
JPY zu solchen in CHF, die seit Mitte 2002 beobachtet werden
kann, ist aus Sicht der Finanzmarktstabilität positiv zu
beurteilen", sagte der Direktor der Oesterreichischen
Nationalbank, Univ. Doz. Dr. Christl, anlässlich einer von der
OeNB gemeinsam mit der Finanzmarktaufsicht (FMA) abgehaltenen
Pressekonferenz. Gleichzeitig wies Christl allerdings darauf
hin, dass "auch CHF-Kredite mit einem nicht zu
unterschätzenden Wechselkursrisiko behaftet sind, weshalb auf
Grund des hohen Anteils der Fremdwährungskredite am gesamten
Kreditvolumen nun mehr von einem - in Folge der Umschichtung
vom JPY in den CHF - zwar etwas geringeren, aber nach wie vor
bestehenden Risiko für die österreichische
Finanzmarktstabilität auszugehen ist".

Seit etwa Mitte 2002 haben sich sowohl das Volumen der
Forderungen österreichischer Banken an inländische Kunden in
Fremdwährung als auch der Anteil der Fremdwährungskredite am
gesamten Kreditvolumen - wenn auch auf hohem Niveau -
stabilisiert und waren in der ersten Jahreshälfte 2003 sogar
leicht rückläufig, wobei im August 2003 allerdings neuerlich
ein Anstieg auf nunmehr insgesamt 44 Mrd EUR zu beobachten
war. Dies entspricht einem Fremdwährungskreditanteil am
gesamten Kreditvolumen von 18,5%, was allerdings noch immer
deutlich unter dem Höchststand von 19,2% im August 2002 liegt.

Insbesondere bei den Unternehmen ist der
Fremdwährungskreditanteil von seinem Höchststand von 20,1% im
April 2002 auf 18,3% im August 2003 gesunken. Bei den privaten
Haushalten hielt das Wachstum des Fremdwährungskreditanteils
bis Ende 2002 unvermindert an. Erst im ersten Halbjahr 2003
war eine gewisse Stabilisierung bei rund 25% zu beobachten,
wobei der Anteil der Fremdwährungskredite im August 2003
allerdings auf fast 26% angestiegen ist.

Zurückzuführen war dieser neuerliche Anstieg der
Fremdwährungskredite in erster Linie auf eine gestiegene
Nachfrage nach Krediten in CHF. Der Anteil der JPY-Kredite an
den gesamten ausstehenden Fremdwährungskrediten ist vom
Höchststand von 42,0% im Juni 2002 auf 18,5% im August 2003
zurückgegangen, während jener der CHF-Kredite im selben
Zeitraum von rund 50,1% auf fast 73,7% gestiegen ist.

Aus Finanzmarktstabilitätsüberlegungen ist der Trend vom JPY
in den CHF grundsätzlich positiv zu beurteilen, da das
Wechselkursrisiko des CHF deutlich geringer ist als jenes des
JPY. Die Volatilität - und somit das Wechselkursrisiko - des
CHF war während der letzten Jahrzehnte etwa zwei bis drei mal
geringer als jene des JPY. Dennoch sind auch CHF-Kredite mit
einem nicht zu unterschätzenden Wechselkursrisiko behaftet.

In diesem Zusammenhang bestätigte Christl zwar grundsätzlich
die Aussage einer kürzlich von Univ. Prof. Dr. Hanns Abele
gemeinsam mit Univ. Ass. Dr. Guido Schäfer veröffentlichten
Studie der Wirtschaftuniversität Wien, wonach den höheren
Risiken von Fremdwährungskrediten generell auch höhere Chancen
gegenüberstehen. Das Ergebnis dieser Studie, wonach endfällige
CHF-Kredite mit einer Laufzeit von zehn Jahren, die zwischen
1975 und 1993 aufgenommen wurden, unter Berücksichtigung der
beobachteten Zins- und Wechselkursschwankungen stets eine
geringere Zahlungsbelastung aufwiesen als entsprechende
Kredite in EUR bzw. ATS, führte Christl allerdings auf
empirisch nicht nachvollziehbare Annahmen zurück.

Laut Christl ist dieses Ergebnis auf die in der WU-Studie
getroffene Annahme zurückzuführen, dass für variabel verzinste
bzw. an den Geldmarktzinssatz (LIBOR) gebundene Kredite in EUR
bzw. ATS die Banken den Kunden einen Aufschlag von 3% auf den
aktuellen Geldmarktzinssatz, bei Fremdwährungskrediten aber
einen Aufschlag von nur 1,5% verrechnen. Aus der seit Anfang
2003 von der OeNB erhobenen EZB-Zinssatzstatistik geht
allerdings hervor, dass die durchschnittlich von den Banken
verrechneten Aufschläge für variabel verzinste Kredite in EUR
und CHF annähernd gleich hoch sind und im Mittel seit Anfang
2003 knapp 1,5% betrugen.
Legt man den Berechnungen denselben Aufschlag für CHF- und
EUR-Kredite von 1,5% zu Grunde, so zeigen sich deutlich
geringere Ersparnisse aus den CHF-Krediten als in der WU-
Studie angegeben bzw. auch Perioden, in denen die CHF-Kredite
eine höhere Zahlungsbelastung als jene in EUR bzw. ATS
aufwiesen.
Gemäß den Berechnungen der OeNB ist das Risiko von
Mehrbelastungen, aber auch die Chance von Ersparnissen
gegenüber Krediten in EUR bei Finanzierungen in JPY noch
deutlich höher als im CHF.

Abschließend stellte Christl fest, dass die OeNB in
Zusammenarbeit mit der FMA einen Fragebogen initiierte, um im
Meldewesen nicht ersichtliche Daten bezüglich
Fremdwährungskredite zu erheben sowie einen Eindruck über das
Risikomanagement der betreffenden Kreditinstitute zu erhalten.
Die Ergebnisse des Fragebogens wurden entsprechend ausgewertet
und dienten als Grundlage für die seitens der FMA
präsentierten "FMA-Mindeststandards für die Vergabe und
Gestionierung von Fremdwährungskrediten" und die "FMA-
Mindeststandards für die Vergabe und Gestionierung von
Krediten mit Tilgungsträgermodellen".

OTS0050    2003-10-16/10:01

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