• 10.10.2003, 13:24:51
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Wiener Handel fordert Widmungsstopp für Einkaufszentren

Wien (OTS) - Einen zumindest 2-jährigen Widmungsstopp für
Einkaufszentren und Fachmärkte an der Wiener Peripherie fordert die
Interessenvertretung der Wiener Händler beim diesjährigen Handelstag
am 10. Oktober. 15,2 Mio. qm Verkaufsfläche im österreichischen
Handel sind genug.

Mit 1,9 qm/Einwohner liegt Österreich bereits im europäischen
Spitzenfeld - mehr Verkaufs-flächen bedeuten nur einen sinnlosen
Verdrängungs- und Vernichtungswettbewerb. Vor allem werden durch
großflächige Vertriebsformen die so dringend benötigten Arbeitsplätze
im Handel wegrationalisiert, betonte der Obmann des Wiener Handels,
Dr. Fritz Aichinger bei seinem Eingangsstatement.

Große Einkaufszentren am Stadtrand führen zur Verödung der
Innenstädte
In dieselbe Kerbe schlug der Hauptredner der Fachtagung, Univ. Prof.
Dr. Joachim Zentes von der Universität des Saarlandes, Saarbrücken,
ein anerkannter Experte für Handelsforschung und
-entwicklung. Verkaufsflächenexplosion und Handelskonzentration haben
massive Auswirkungen auf die mittelständischen Handelsstrukturen der
Innenstädte. Durch die Ansiedlung großer Verkaufsflächen am Stadtrand
komme es zu einer Verödung und Erosion traditioneller Standorte in
der Innenstadt sowie zu einer Verdrängung des mittelständischen
Handels, was letztendlich in einer Uniformität des Stadtbildes
resultiere. Als Ausweg aus dieser einseitigen Entwicklung schlägt
Prof. Zentes die Einbindung des Handels in die Ziele der
Stadtentwicklung (sowohl städtebaulich und sozialpolitisch als auch
arbeitsmarkt- und verkehrspolitisch) und eine Belebung von
Stadtteilkernen als Nahversorgungs- und Kommunikationszentren vor.

"Es wäre viel vernünftiger und wirtschaftlich nachhaltiger, in die
Attraktivierung der Einkaufstraßen zu investieren, anstatt Milliarden
in Einkaufszentren auf der grünen Wiese zu verpulvern" sieht das auch
Helmut Mondschein, Leiter des Einkaufsstraßen-Managements, sehr
pragmatisch.

Flächenwachstum und Konjunktur
Die Gründe für die derzeit angespannte Situation im österreichischen
Einzelhandel, für Umsatzrückgänge und Kaufunlust der Konsumenten
seien mannigfaltig; manche davon durch zyklische
Wirtschaftsentwicklungen bedingt und somit unvermeidbar, manche
einfach hausgemacht. "Verstärkt wird die vorhandene
Konjunkturschwäche aber jedenfalls durch die explosionsartige
Entwicklung der Verkaufsflächen und eine verfehlte
Raumordnungspolitik", so Dr. Fritz Aichinger. Bereits das Jahr 2002
brachte den Händlern einen - teilweise massiven - Umsatzrückgang. Ein
vergleichsweise sehr guter Jännerumsatz dürfe aber nicht darüber
hinwegtäuschen, dass wahrscheinlich auch im Jahr 2003 die
Konsumausgaben nachhinken werden und der Handel mit weiteren
schwierigen Situationen rechnen muss. "Die Schuld dafür einfach dem
"kaufunlustigen" Konsumenten oder der allgemeinen Konjunkturschwäche
zu geben, ist für mich zu simpel", so Dr. Fritz Aichinger.

Österreich ist mit einer Shopping-Center-Fläche von ca. 195 qm je
1.000 Einwohner, im europäischen Vergleich bereits sehr gut besetzt;
in Wien sind es bereits 229 qm je 1.000 Einwohner. In Deutschland
kommen beispielsweise auf 1.000 Einwohner nur 97 qm Verkaufsfläche.
Anders ausgedrückt: Waren es früher die (großen) Einzelhändler
selbst, die an einer Flächenexpansion Interesse zeigten, sind es
nunmehr fast ausschließlich internationale Immobilien-Großinvestoren,
die ohne jede Rücksicht auf regionale Einzelhandelsstrukturen und
Konsumgewohnheiten ihre Flächenwachstumspläne umsetzen wollen.

Stopp den Einkaufszentren
Die Interessensvertretung des Wiener Handels fordert daher ein
sofortiges Innehalten und einen zumindest zweijährigen, gänzlichen
Baustopp von Einkaufszentren an der Peripherie, um in dieser Zeit die
Strukturen zu überprüfen und die Verträglichkeit von weiteren
Verkaufsflächen zu evaluieren. "Denn nur dann, wenn wir die
Konsumenten wieder rückgewinnen, wenn wir ihnen wieder Lust auf das
Einkaufen in ihrer Umgebung machen können, dann werden wir das
derzeitige Konjunktur-Tal durchschreiten", prognostiziert Dr.
Aichinger. Keine Lösung sei es aber, auf die angespannte Situation
mit weiteren gigantischen Konsumtempeln zu reagieren. Mehr denn je
ist die Vielfalt der Handelslandschaft in den Städten ein
Erfolgsgarant für die Wirtschaft.

OTS0191    2003-10-10/13:24

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | WHK

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