"Neues Volksblatt" Kommentar: "Zwei Seiten" (Von Christian Buchar)

Ausgabe vom 10. Oktober 2003

Linz (OTS) - LINZ (OTS) - Das geplante Recht auf Teilzeit für Eltern bis zum Schuleintritt ihres Kindes ist familienpolitisch natürlich zu begrüßen - in der Praxis aber eine zweischneidige Sache. Zunächst in Hinsicht auf die Wirtschaft: Die Vorstellung, dass Personalchefs bei Einstellungen auf Festlegungen drängen, das Recht auf Teilzeit nicht zu nutzen, mag moralisch fragwürdig erscheinen. In der Praxis dürfte aber mancher, der eine solche Festlegung verweigert, gegenüber Kinderlosen oder Teilzeit-Verzichtern ins Hintertreffen geraten.
Andererseits ist natürlich auch eine Beschränkung des Rechtsanspruchs auf Betriebe mit über 20 Mitarbeitern problematisch. Im Sinne des Gleichheitsgrundsatzes sind Chancen für Eltern wohl kaum nach dem "Zufallsfaktor Betriebsgröße", wie es die Katholische Frauenchefin Margit Hauft formuliert, zu regeln - und damit ein erklecklicher Anteil der Eltern vom Teilzeit-Recht fernzuhalten. Zum anderen erscheint es einsichtig, dass kleinere Betriebe dadurch schlicht und einfach überfordert werden können. Fazit: Der familienpolitisch richtige Ansatz weist Tücken auf, die politischen Mitbewerbern kräftige Angriffsziele bieten.

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