• 09.10.2003, 13:35:10
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Scheele zu Weltbevölkerungsbericht: EU-Politik muss Gegenpol zu USA sein

Europäisches Parlament Vorreiter bei reproduktiver Gesundheit

Wien (SK) Gestern wurde im Europäischen Parlament in Brüssel der
aktuelle Weltbevölkerungsbericht vorgestellt. Der Report steht in
diesem Jahr unter dem Titel "Junge Menschen - Schlüssel zur
Entwicklung." "Die größte Teenager-Generation aller Zeiten - 1, 2
Milliarden junge Menschen - stehen an der Schwelle zum
Erwachsenwerden. Fast die Hälfte der Weltbevölkerung ist unter 25
Jahren. Noch nie in der Geschichte der Menschheit haben mehr Kinder
und Jugendliche auf der Erde gelebt", skizziert Karin Scheele,
SPÖ-Europaabgeordnete und Mitglied des Ausschusses für Entwicklung
und Zusammenarbeit, die wichtigsten Fakten. Die EU-Parlamentarierin
nimmt den Bericht zum Anlass, um vor allem auf ein Kernthema
hinzuweisen: "Die EU ist der internationale Akteur schlechthin, wenn
es darum geht, das Thema reproduktive Gesundheit auf der weltweiten
Agenda zu halten." ****

Damit bilde Europa "ein wichtiges Gegengewicht zu den USA und anderen
fundamentalistisch orientierten Staaten", deren konservative Politik
Millionen von Menschen massiv schade. Vor allem das EU-Parlament
werde weiterhin politischen Druck ausüben, um zumindest in der EU
einen fortschrittlicheren politische Zugang sicher zu stellen, so
Scheele am Donnerstag gegenüber dem Pressedienst der SPÖ.

Der Begriff reproduktive Gesundheit steht für drei eng miteinander
verzahnte Bereiche:

* Dienstleistungen zur freiwilligen Verhütung und Familienplanung
* Dienstleistungen bei Schwangerschaft, zur sicheren Abtreibung, bei
der Entbindung, im Kindbett und Betreuung nach einer Abtreibung
* Dienstleistungen zur Vorbeugung, Ermittlung und Behandlung sexuell
übertragbarer Infektionen, einschließlich AIDS

"Es besteht derzeit die massive Gefahr einer konservativen, rückwärts
gerichteten Politik gegen die Ärmsten der Welt", erklärt Scheele. So
haben die USA erst unlängst eine entwicklungspolitische Leitlinie
veröffentlicht, wonach Familienplanungs-Organisationen keine
US-Unterstützung erhalten, wenn sie Abtreibungen durchführen oder
eine entsprechende Beratung anbieten. Das, so Scheele, "trifft
insbesondere Organisationen in den Entwicklungsländern. Hier muss die
EU gegensteuern. Denn die Verbesserung der reproduktiven Gesundheit
ist einerseits ein Mittel zur Förderung der nachhaltigen Entwicklung,
aber darüber hinaus schlicht ein Menschenrecht."

Ohne energische Maßnahmen werde sich in den Entwicklungsländern auch
der Teufelskreis aus Bevölkerungswachstum und Armut weiterhin
wechselseitig verstärken. Zwar verlangsame sich das
Bevölkerungswachstum, bleibe aber gerade in den ärmsten Ländern immer
noch sehr hoch. Scheele: "Nach den neuesten UN-Schätzungen wird die
Weltbevölkerung bis 2050 von derzeit 6,3 Milliarden Menschen auf 8,9
Milliarden anwachsen."

Dem Weltbevölkerungsbericht komme deshalb eine herausragende
Bedeutung zu, weil er klar die Herausforderungen und Risiken
aufzeigt, mit denen insbesondere junge Menschen in den
Entwicklungsländern konfrontiert sind: Frühe Eheschließungen,
ungewollte Schwangerschaften, eine weitere Ausbreitung von AIDS,
abgebrochene Ausbildung und die Benachteiligung vor allem von jungen
Frauen, denen der Zugang zu Bildung verweigert wird.

Die EU-Abgeordnete nennt deshalb das Recht auf Bildung, die
Gleichstellung der Geschlechter, das Recht auf Gesundheit und den
Zugang zu Informationen und Dienstleistungen der reproduktiven
Gesundheit als Schlüssel für eine Verbesserung der derzeitigen
Situation.

"Die Wahrung dieser Rechte fördert auch andere wichtige
Entwicklungsziele wie die Verringerung der Armut oder
wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt. Die EU ist bei
all diesen Fragen sowohl ökonomisch als auch politisch ein wichtiger
internationaler Faktor. Diese Rolle muss Europa noch besser
ausfüllen. Und vor allem muss die EU eine Entwicklungsstrategie
verfolgen, die sich klar von jener der konservativen Vorreiter in den
USA unterscheidet", fordert Scheele abschließend. (Schluss) wf/mp/mm

Rückfragehinweis: Roland Graffius, Pressesprecher der SPÖ-Delegation
im EP, Tel.: ++32 - 475 - 60 66 34

OTS0159    2003-10-09/13:35

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