Scheele zu Weltbevölkerungsbericht: EU-Politik muss Gegenpol zu USA sein

Europäisches Parlament Vorreiter bei reproduktiver Gesundheit

Wien (SK) Gestern wurde im Europäischen Parlament in Brüssel der aktuelle Weltbevölkerungsbericht vorgestellt. Der Report steht in diesem Jahr unter dem Titel "Junge Menschen - Schlüssel zur Entwicklung." "Die größte Teenager-Generation aller Zeiten - 1, 2 Milliarden junge Menschen - stehen an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Fast die Hälfte der Weltbevölkerung ist unter 25 Jahren. Noch nie in der Geschichte der Menschheit haben mehr Kinder und Jugendliche auf der Erde gelebt", skizziert Karin Scheele, SPÖ-Europaabgeordnete und Mitglied des Ausschusses für Entwicklung und Zusammenarbeit, die wichtigsten Fakten. Die EU-Parlamentarierin nimmt den Bericht zum Anlass, um vor allem auf ein Kernthema hinzuweisen: "Die EU ist der internationale Akteur schlechthin, wenn es darum geht, das Thema reproduktive Gesundheit auf der weltweiten Agenda zu halten." ****

Damit bilde Europa "ein wichtiges Gegengewicht zu den USA und anderen fundamentalistisch orientierten Staaten", deren konservative Politik Millionen von Menschen massiv schade. Vor allem das EU-Parlament werde weiterhin politischen Druck ausüben, um zumindest in der EU einen fortschrittlicheren politische Zugang sicher zu stellen, so Scheele am Donnerstag gegenüber dem Pressedienst der SPÖ.

Der Begriff reproduktive Gesundheit steht für drei eng miteinander verzahnte Bereiche:

  • Dienstleistungen zur freiwilligen Verhütung und Familienplanung
  • Dienstleistungen bei Schwangerschaft, zur sicheren Abtreibung, bei der Entbindung, im Kindbett und Betreuung nach einer Abtreibung
  • Dienstleistungen zur Vorbeugung, Ermittlung und Behandlung sexuell übertragbarer Infektionen, einschließlich AIDS

"Es besteht derzeit die massive Gefahr einer konservativen, rückwärts gerichteten Politik gegen die Ärmsten der Welt", erklärt Scheele. So haben die USA erst unlängst eine entwicklungspolitische Leitlinie veröffentlicht, wonach Familienplanungs-Organisationen keine US-Unterstützung erhalten, wenn sie Abtreibungen durchführen oder eine entsprechende Beratung anbieten. Das, so Scheele, "trifft insbesondere Organisationen in den Entwicklungsländern. Hier muss die EU gegensteuern. Denn die Verbesserung der reproduktiven Gesundheit ist einerseits ein Mittel zur Förderung der nachhaltigen Entwicklung, aber darüber hinaus schlicht ein Menschenrecht."

Ohne energische Maßnahmen werde sich in den Entwicklungsländern auch der Teufelskreis aus Bevölkerungswachstum und Armut weiterhin wechselseitig verstärken. Zwar verlangsame sich das Bevölkerungswachstum, bleibe aber gerade in den ärmsten Ländern immer noch sehr hoch. Scheele: "Nach den neuesten UN-Schätzungen wird die Weltbevölkerung bis 2050 von derzeit 6,3 Milliarden Menschen auf 8,9 Milliarden anwachsen."

Dem Weltbevölkerungsbericht komme deshalb eine herausragende Bedeutung zu, weil er klar die Herausforderungen und Risiken aufzeigt, mit denen insbesondere junge Menschen in den Entwicklungsländern konfrontiert sind: Frühe Eheschließungen, ungewollte Schwangerschaften, eine weitere Ausbreitung von AIDS, abgebrochene Ausbildung und die Benachteiligung vor allem von jungen Frauen, denen der Zugang zu Bildung verweigert wird.

Die EU-Abgeordnete nennt deshalb das Recht auf Bildung, die Gleichstellung der Geschlechter, das Recht auf Gesundheit und den Zugang zu Informationen und Dienstleistungen der reproduktiven Gesundheit als Schlüssel für eine Verbesserung der derzeitigen Situation.

"Die Wahrung dieser Rechte fördert auch andere wichtige Entwicklungsziele wie die Verringerung der Armut oder wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt. Die EU ist bei all diesen Fragen sowohl ökonomisch als auch politisch ein wichtiger internationaler Faktor. Diese Rolle muss Europa noch besser ausfüllen. Und vor allem muss die EU eine Entwicklungsstrategie verfolgen, die sich klar von jener der konservativen Vorreiter in den USA unterscheidet", fordert Scheele abschließend. (Schluss) wf/mp/mm

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