- 09.10.2003, 10:08:58
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Loveparade-Erfinder Dr. Motte lobt ÖVP:"Sehr gut, dass ihr in Österreich über Werte diskutiert!"
Wien (OTS) - Welche Werte sind Menschen wichtig? Warum geht es
nicht ohne Werte? Diese Fragen standen gestern abend im Mittelpunkt
der Auftaktveranstaltung des "Unkonvent" der Politischen Akademie der
ÖVP im Wiener "Semperdepot". Unter der Leitung von Akademie-Direktor
Günther Burkert-Dottolo diskutierten Bildungsministerin Elisabeth
Gehrer, Interio-Chefin Janet Kath, Philosoph Konrad Paul Liessmann,
Loveparade-Erfinder Dr. Motte und der Musiker Marc Pircher, Gewinner
des Grand Prix der Volksmusik 2003, ihre persönlichen Zugänge zu
Werten.
Lopatka: ÖVP steht für bunte und offene Wertedebatte
ÖVP-Generalsekretär Reinhard Lopatka plädierte bei der Eröffnung
der Veranstaltung für eine "bunte und offene" Wertedebatte. Es sei
für die Politik sinnvoll, einen "Werte-Check" vorzunehmen und zu
fragen, ob die bisherigen Werte für die Bewältigung der Zukunft
ausreichend seien, oder ob man den politischen Wertekanon erweitern
müsse, sagte er.
Interio-Geschäftsführerin Kath: "Werte sind, was wirklich
wichtig ist"
"Werte sind das, was Menschen wirklich wichtig ist", erklärte
Interio-Geschäftsführerin Janet Kath ihr Werteverständnis. "Ich trage
für 150 Mitarbeiter Verantwortung und weiß: Wenn es mir und dem
Unternehmen gut geht, dann geht es den Mitarbeitern und ihren
Familien gut", betonte Kath den Wert der unternehmerischen
Verantwortung.
Loveparade-Erfinder Dr. Motte: "Finde sehr gut, dass ihr über
Werte diskutiert!"
"Jeder kann so sein, wie er will - das ist wie eine Familie, die
sich gegenseitig unterstützt. Es gibt nur zwei Gesetze: Respekt und
Toleranz", charakterisierte Loveparade-Erfinder Dr. Motte die
Werte-Befindlichkeit der House und Techno-Szene. "Wir schaffen uns
unsere eigene Welt. Beim Tanzen geht es nicht nur darum, von außen
betrachtet zu werden, sondern darum, nach innen zu schauen. Durch die
Musik habe ich mich selbst entdeckt. Ich möchte geliebt und
verstanden werden. Das sind die wichtigsten Grundwerte überhaupt,"
erläuterte Dr. Motte sein Werte-Credo. Großes Lob gab es vom
Loveparade-Erfinder für die ÖVP: "Ich finde es gut, dass ihr in
Österreich über Werte redet", sagte er. In Deutschland sei das
aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Situation leider nicht der
Fall.
Grand-Prix-Gewinner Pircher: "Familie und Freunde sind das
Fundament, das jeder haben sollte"
"Ich habe am Grand-Prix der Volksmusik mit der Einstellung
teilgenommen, dass ich zeigen will, dass ich Freude an der Musik habe
- und nicht, dass ich unbedingt gewinnen muss", illustrierte der
heurige Grand-Prix-Sieger Marc Pircher sein Verständnis von Werten
und Zielen. Pircher: "Das Fundament, das jeder haben sollte ist die
Familie. Gibt es die nicht, dann sind Freunde und Lebenspartner
wichtig."
Philosoph Liessmann: "Die Spaßgesellschaft gibt es
gottseidank nicht mehr"
"Der Wert ist so ziemlich das Relativste, was es auf der Welt
gibt", diagnostizierte der Philosoph Konrad Paul Liessmann beim
"Unkonvent". Und: "Werte sind Töchter der Zeit". Als Beispiel nannte
er den Spaß als "Zentralwert der Spaßgesellschaft." Noch vor wenigen
Jahren habe "alles Spass machen müssen". "Die Spaßgesellschaft gibt
es gottseidank seit zwei Jahren nicht mehr", sagte Liessmann. Der
Philosoph brachte die zentrale Herausforderung in der Wertediskussion
klar auf den Punkt: "Keine Gesellschaft kann ohne gemeinsamen Fundus
an Werten existieren. Das Problem tritt dort auf, wo es darum geht,
aus individuellen Werten Werte für die ganze Gesellschaft
herauszufiltern. Die Frage ist: Nach welchen Kriterien könne wir uns
auf die Werte einigen, die für alle wichtig sein sollen und auf die
man auch diejenigen verpflichten kann, die diese Werte vielleicht
nicht zu ihren subjektiven Werten erklären wollen?" Als seine
persönlichen Wertefavoriten nannte Liessmann übrigens: "Gesundheit,
Erfolg und geliebt werden."
Bildungsministerin Gehrer: "Jugend soll unkonventionell sein
und über Sinn nachdenken"
Bildungsministerin Elisabeth Gehrer stellte beim "Unkonvent" klar,
dass es ihr - beim die "Wertedebatte" auslösenden "Presse"-Gespräch -
um die Frage gegangen sei, was das Leben lebenswert mache. Diese
Frage solle man heute mit jungen Menschen diskutieren. Sie erlebe in
Gesprächen mit der Jugend viel Engagement und Freude an einem
interessanten Beruf, wobei das Einkommen meist sekundär sei. Gehrers
Credo: "Man soll die Herausforderungen des Lebens mit Engagement und
Freude annehmen und vor allem mit positivem Denken. Mir geht es auf
die Nerven, wenn Leute immer nur die negativen Seiten sehen."
Gleichzeitig betonte die Bildungsministerin, dass man sich auch die
Freiheit auf eine eigene Meinung herausnehmen sollte. Dies habe sie
selbst stets so gehalten. An die Jugend appellierte sie deshalb, sich
von "alten Regeln" nicht beeinflussen zu lassen. Gehrer: "Die Jugend
soll unkonventionell sein, und darüber nachdenken, was ihrem Leben
Sinn gibt."
Politische Akademie setzt Wertediskussion fort
Die Politische Akademie setzt nach der gestrigen
Auftaktveranstaltung ihren Werteschwerpunkt im Rahmen des "Unkonvent"
fort. Die nächsten Termine und Themen:
Wir "Ichlinge" 3. Dezember 2003 Solidarität / Verantwortung No more Blackouts 21. Jänner 2004 Gerechtigkeit / Nachhaltigkeit (Teil 1).
Weiter Informationen: http://www.modernpolitics.at
OTS0055 2003-10-09/10:08
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