- 08.10.2003, 17:24:40
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DER STANDARD-Kommentar: "Was auf Schwarzenegger zukommt" (von Christoph Winder) - Erscheinungstag 10.10.2003
Arnold hat es geschafft. Jetzt gibt es zwei Drehbücher für seine Zukunft.
Wien (OTS) - Wenn sich der bärbeißige alte CNN-Reporter Walter
Rodgers vom Grazer Hauptplatz meldet und die Weltöffentlichkeit schon
in aller Herrgottsfrüh mit dem Anblick der schmucken
Straßenbahngarnituren im Herzen der Grünen Mark verwöhnt wird, dann,
ja dann muss in der Tat Außergewöhnliches passiert sein.
Und das ist es ja auch: Der 7. Oktober wird mit der Abwahl des
glücklosen Gray Davis als historischer Termin in die Geschichte
Kaliforniens eingehen - aber auch in die der austroamerikanischen
Beziehungen. Die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen werden aufblühen,
die Aufwallungen der österreichischen Politiker, die sich im Ruhm
ihres kalifornischen Kollegen sonnen wollen, sind jetzt schon
erheblich. Selbst mancher Bürgermeister in der hinteren Steiermark
dürfte seinen Bizeps anschwellen fühlen, und die Arnie-Hysterie, die
uns jetzt wochenlang aus den notorischen österreichischen Jubelmedien
entgegenschlagen wird, wagt man sich ja kaum auszumalen.
Der Mann, der dies möglich gemacht hat, mag von Erscheinungsbild und
Gebaren nicht eben als Sinnfigur feiner Geistigkeit durchgehen - aber
an seinem Sieg gibt es nichts kleinzureden. Schwarzenegger hat diesen
Wendepunkt seiner Karriere mit unglaublicher Energie, Zielstrebigkeit
- und einem Quäntchen Glück - herbeigeführt. Dazu ist ihm neidlos zu
gratulieren. Seinen Platz im Pantheon erfolgreichen
Exilösterreichertums hat er sich - Heimat bist du großer Söhne! -
redlich verdient.
Nach einem burlesken und weit gehend inhaltsleeren Wahlkampf kehrt
nun freilich der überaus schwierige politische Alltag im
krisengebeutelten Kalifornien ein. Hier sind zwei ganz
unterschiedliche Drehbücher denkbar, nach denen Arnies politische
Zukunft ablaufen könnte.
Drehbuch eins: Der in der klugen Antrittsrede des Neo- gouverneurs
beschworene Geist der Zusammenarbeit trägt wirklich Früchte. Es
gelingt ihm, mit dem mehrheitlich demokratischen Abgeordnetenhaus in
Sacramento einen Budgetpakt auszudealen, der zum Guten ausschlägt.
Kalifornien schafft einen spektakulären Turnaround und zieht als neu
angesprungene Konjunkturlokomotive die gesamten USA in ökonomisch
bessere Gefilde. Das kommt George Bush zugute und sichert ihm die
Wiederwahl. Nachdem sich der steirische Wundermann derart für höhere
Aufgaben empfohlen hat, wird der Druck nach einer Verfassungsänderung
so stark, dass Arnie 2012 als Präsident ins Weiße Haus einziehen
kann. Das Einzige, was dann noch fehlt, wäre eine öffentliche
Himmelfahrt des größten Steirers aller Zeiten.
Drehbuch Nummer zwei ist weniger erfreulich: Schon bald nach der
Wahl stellt sich heraus, dass Arnies sachpolitische Schweigsamkeit im
Wahlkampf nicht von ungefähr kam und er wirklich jene Nullnummer ist,
als die ihn seine Gegner darzustellen versuchten. Er gerät in einen
zermürbenden budgetpolitischen Stellungskrieg mit seinen
demokratischen Kontrahenten, mit Kalifornien geht es weiter bergab.
Frustrierte Wähler, welche sich einen brachialen Umschwung erhofft
hatten, wünschen ihn mit einem hämischen Hasta la vista zum Teufel.
Unter tatkräftiger Ermunterung der Demokraten beginnt eine Gruppe
von Frauen, die dem Zugriff des sinnenfreudigen Steirers ausgesetzt
war, das Thema sexuelle Belästigung hochzukochen. Schließlich
schwappt das kalifornische Desaster auch noch auf Bundesebene über
und beschädigt Parteifreund George W. Bush so stark, dass dieser 2004
seinen Job verliert. Das Einzige, was dann noch fehlte, wäre, dass
die USA der Steiermark den Krieg erklären.
Zwei Szenarien, unterschiedlich wie Tag und Nacht - und welches der
Realität näher kommt, steht in den Sternen. Eines ist freilich
sicher: Arnie und Kalifornien, das wird auch weiterhin der
Medienstoff bleiben, aus dem sich endlose Feuilletonromane und
süffige politische Seifenopern fertigen lassen. Am 9. Oktober stehen
wir erst am Anfang der großen Arnie- Show. Bleiben Sie also dran.
OTS0249 2003-10-08/17:24
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