• 03.10.2003, 14:06:52
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Sozialstaat laut IFES-Studie für große Mehrheit "sehr wichtig"

Österreicher sind stolz auf den Sozialstaat - und sie sind sehr besorgt um seine Zukunft

Wien (SK) "Welchen Sozialstaat wollen wir?" Diese Frage ließ
das Renner Institut in einer Studie (IFES, 1.000 Telefoninterviews,
Österreicher ab 18, 6. bis 15. September) untersuchen. Wie der
Direktor des Renner Instituts, Karl Duffek, am Freitag in einer
gemeinsamen Pressekonferenz mit SPÖ-Vorsitzendem Alfred Gusenbauer
berichtete, hat der Sozialstaat für die Österreicherinnen und
Österreicher "eine ungebrochen hohe Bedeutung". Unabhängig von Alter,
Beruf und Bildung wird er von einer überwiegenden Mehrheit (82
Prozent) als persönlich sehr wichtig eingeschätzt. "Die Österreicher
sind sehr stolz auf den Sozialstaat. Und sie sind sehr besorgt um
seine Zukunft", sagte Duffek. ****

Als die wichtigsten Bereiche der sozialen Sicherung werden
Gesundheit und Bildung angesehen. Diese Bereiche werden von 68
Prozent bzw. 60 Prozent als "besonders wichtig" angesehen. Danach
folgen die Pensionen, die 56 Prozent als besonders wichtig
bezeichneten. Die Bereiche Gesundheit (54 Prozent) und Pensionen (72
Prozent) sind es auch, die als "besonders gefährdet" angesehen
werden. 67 Prozent befürchten, dass der Weg in Richtung
Zwei-Klassen-Medizin eingeschlagen wird.

Die Studie zeigt auch eine sehr hohe Bereitschaft in der
Bevölkerung zu Reformen, berichtet Duffek. Als Voraussetzung müsse
dabei aber gelten, dass die Reformen langfristig und gerecht sind.
Für das Pensionssystem hat sich gezeigt, dass 80 Prozent die
unterschiedlichen Systeme für sehr ungerecht halten; ebenfalls 80
Prozent halten es für ungerecht, wenn Bezieher sehr hoher Pensionen
keinen Solidarbeitrag leisten. Die jüngst beschlossene Pensionsreform
wird von 63 Prozent als reine Geldbeschaffung angesehen.

Die Studie bringt auch eine "beachtliche Bereitschaft zu
einem Eigenbeitrag" zutage. Dabei werden solidarische
Finanzierungsformen im Gesundheitswesen (39 Prozent wären für höhere
Kassenbeiträge zur Erhaltung des Gesundheitswesens) Selbstbehalten
bei jedem Arztbesuch (24 Prozent) eindeutig vorgezogen.

Allgemein werden Sachleistungen (60 Prozent) gegenüber
Geldleistungen (32 Prozent) vorgezogen; die Leistungen sollen
generell und universell sein. Und es werden "keine überzogenen"
Ansprüchen an den Sozialstaat gestellt. 82 Prozent halte den
Sozialstaat und seine Aufrechterhaltung für sehr wichtig, weitere 14
für eher wichtig. Im europäischen Vergleich ordnen die Befragten den
österreichischen Sozialstaat als sehr entwickelt ein: 86 Prozent sind
der Ansicht, dass der Sozialstaat in Österreich besser als oder
zumindest gleich gut wie in anderen EU-Ländern ist.

Die Österreicher haben eine "sehr handfeste und nüchterne
Sichtweise" auf den Sozialstaat, resümierte Duffek. Er fügte hinzu:
"Ich würde überhaupt sagen, die Österreicherinnen und Österreicher
sind klüger, als es manche Politiker glauben." (Schluss) wf

OTS0196    2003-10-03/14:06

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