- 03.10.2003, 08:00:00
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Landau: Hospizarbeit in Österreich braucht noch weitere Impulse (1)
Internationaler Hospiztag soll Politiker an notwendige Schritte erinnern
Wien (OTS) - "Noch hat Österreich in Europa eine beispielgebende
Vorreiterrolle für eine Kultur des Lebens, zu der eine Kultur des
Sterbens untrennbar dazu gehört - doch diese Vorreiterrolle ist in
Gefahr!" so der Wiener Caritasdirektor Michael Landau zum
Internationalen Hospiztag am 4. Oktober. "Es fehlt die Übernahme der
Finanzierung der Hospizbetreuung in die Regelfinanzierung der
Sozialversicherung, es fehlt die existientielle Absicherung in der
Familienhospizkarenz. Es fehlt die Umsetzung des Grundsatzes 'soviel
mobil wie möglich, so wenig stationär wie nötig'!", mahnt Michael
Landau energisch ein. Er erinnert an die Caritasforderungen nach
einem "Nationalen Hospizplan" und regt eine
"Bund-Länder-Arbeitsgruppe - nicht zuletzt zum Thema der Finanzierung
- als nächsten Schritt an".
Familienhospizkarenz - Rechtsanspruch auf existentielle
Absicherung eingemahnt
Die Einführung der Familienhospizkarenz war im letzten Jahr ein
großer Schritt in die richtige Richtung und Österreich übernahm damit
die Vorreiterrolle in Europa, würdigt Landau die politische
Zwischenbilanz. Der Wiener Caritasdirektor formuliert aber eine
Befürchtung: "Was mit der Familienhospizkarenz im vergangenen Jahr
als Meilenstein gefeiert worden ist, das läuft Gefahr, im sauren
Regen des politischen Alltags zu verwittern." Er erinnert daran, dass
die derzeit vorgesehenen Regelungen für die existentielle Absicherung
wie der Familienhospizkarenz-Härteausgleich und das Pflegegeld für
die Angehörigen lückenhaft, kompliziert in der Anwendung und mit
Rechtsunsicherheit verbunden sind. "Es handelt sich bestenfalls um
eine Übergangsregelung, die nach alter österreichischer Tradition
die Gefahr in sich birgt zur Dauerlösung zu werden", so das Fazit von
Landau. Im Falle der Familienhospizkarenz wäre das eine vergebene
Chance. Der Wiener Caritasdirektor sieht Familienhospizkarenz "als
unvollendet, weil es gerade sozial schwachen Menschen sehr schwer
gemacht wird, ihre Angehörigen auf dem letzten, vielleicht
schwierigsten Stück des Weges adäquat zu begleiten." Die Caritas
mahnt daher, dass es wichtig sei, einen Rechtsanspruch auf eine
existenzielle Absicherung von sozial Schwachen für die Dauer der
Karenzierung zu schaffen. Die Schaffung existenzsichernder
Rahmenbedingungen für die Inanspruchnahme der Familienhospizkarenz
durch Angehörige ist dringend weiter zu entwickeln, denn derzeit wird
die Familienhospizkarenz - soweit das die vorhandenen Daten belegen -
kaum in Anspruch genommen. Bundesweit waren es 2002 rd. 220 Fälle und
dieses Jahr (Stand August 2003) bisher ca. 300. Vor allem gelte es
auch die - immer wieder besprochene - begleitende Evaluierung über
Hindernisse auf dem Weg zur Familienhospizkarenz endlich in Angriff
zu nehmen. "Ziel muss es sein, das Instrument der
Familienhospizkarenz bedarfsgerecht weiterzuentwickeln", so Landau.
Rechtssicherheit und Regelfinanzierung
"Die Hospizbetreuung leistet viel, doch jeder muss es sich auch
leisten können", weist Landau auf die unsichere finanzielle
Absicherung der Dienste hin. Derzeit finanzieren sich die
Hospizdienste je nach Bundesland aus unterschiedlichsten Quellen.
Aber ohne Spenden könnte keines der Angebote auskommen. "Unsere
Vision wäre es, dass die Hospizdienste wie andere Betreuungsformen
durch einen Arzt 'verschrieben' werden können, und die Leistungen
durch die Sozialversicherungen abgedeckt sind". Das heißt die
Finanzierung der Hospizbetreuung muss in den Leistungskatalog der
Sozialversicherungen aufgenommen werden. Darüber hinaus wird es
wichtig sein, das Pflegegeld in den höheren Stufen anzupassen und
endlich zu valorisieren.
Vorsätze aus der Schublade holen
Caritasdirektor Michael Landau appelliert daher an die Verantwortlichen in der Regierung, konkret an Bundeskanzler
Wolfgang Schüssel und Bundesministerin Maria Rauch-Kallat, den
einstimmigen parlamentarischen Beschluss zur umfassenden Förderung
der Hospizarbeit wieder aufzugreifen und zügig sowie vollständig
umzusetzen."Die gute Entscheidung des österreichischen Parlaments
darf nicht in der Schublade verschwinden, sondern sie braucht, um der
Betroffenen willen - und das sind letztlich wir alle - dringend
Entwicklungsmöglichkeiten". Sicherzustellen sei auch, dass die
Erfahrungen aus der Hospizarbeit künftig in den Alltag der Spitäler
und Pflegeeinrichtungen integriert werden. (Forts.)
Rückfragehinweis:
Peter Wesely, Pressesprecher der Caritas der Erzdiözese Wien, 01/87812/221, 0664/1838140, [email protected], www.caritas-wien.at
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