Landau: Hospizarbeit in Österreich braucht noch weitere Impulse (1)

Internationaler Hospiztag soll Politiker an notwendige Schritte erinnern

Wien (OTS) - "Noch hat Österreich in Europa eine beispielgebende Vorreiterrolle für eine Kultur des Lebens, zu der eine Kultur des Sterbens untrennbar dazu gehört - doch diese Vorreiterrolle ist in Gefahr!" so der Wiener Caritasdirektor Michael Landau zum Internationalen Hospiztag am 4. Oktober. "Es fehlt die Übernahme der Finanzierung der Hospizbetreuung in die Regelfinanzierung der Sozialversicherung, es fehlt die existientielle Absicherung in der Familienhospizkarenz. Es fehlt die Umsetzung des Grundsatzes 'soviel mobil wie möglich, so wenig stationär wie nötig'!", mahnt Michael Landau energisch ein. Er erinnert an die Caritasforderungen nach einem "Nationalen Hospizplan" und regt eine "Bund-Länder-Arbeitsgruppe - nicht zuletzt zum Thema der Finanzierung - als nächsten Schritt an".

Familienhospizkarenz - Rechtsanspruch auf existentielle Absicherung eingemahnt

Die Einführung der Familienhospizkarenz war im letzten Jahr ein großer Schritt in die richtige Richtung und Österreich übernahm damit die Vorreiterrolle in Europa, würdigt Landau die politische Zwischenbilanz. Der Wiener Caritasdirektor formuliert aber eine Befürchtung: "Was mit der Familienhospizkarenz im vergangenen Jahr als Meilenstein gefeiert worden ist, das läuft Gefahr, im sauren Regen des politischen Alltags zu verwittern." Er erinnert daran, dass die derzeit vorgesehenen Regelungen für die existentielle Absicherung wie der Familienhospizkarenz-Härteausgleich und das Pflegegeld für die Angehörigen lückenhaft, kompliziert in der Anwendung und mit Rechtsunsicherheit verbunden sind. "Es handelt sich bestenfalls um eine Übergangsregelung, die nach alter österreichischer Tradition die Gefahr in sich birgt zur Dauerlösung zu werden", so das Fazit von Landau. Im Falle der Familienhospizkarenz wäre das eine vergebene Chance. Der Wiener Caritasdirektor sieht Familienhospizkarenz "als unvollendet, weil es gerade sozial schwachen Menschen sehr schwer gemacht wird, ihre Angehörigen auf dem letzten, vielleicht schwierigsten Stück des Weges adäquat zu begleiten." Die Caritas mahnt daher, dass es wichtig sei, einen Rechtsanspruch auf eine existenzielle Absicherung von sozial Schwachen für die Dauer der Karenzierung zu schaffen. Die Schaffung existenzsichernder Rahmenbedingungen für die Inanspruchnahme der Familienhospizkarenz durch Angehörige ist dringend weiter zu entwickeln, denn derzeit wird die Familienhospizkarenz - soweit das die vorhandenen Daten belegen -kaum in Anspruch genommen. Bundesweit waren es 2002 rd. 220 Fälle und dieses Jahr (Stand August 2003) bisher ca. 300. Vor allem gelte es auch die - immer wieder besprochene - begleitende Evaluierung über Hindernisse auf dem Weg zur Familienhospizkarenz endlich in Angriff zu nehmen. "Ziel muss es sein, das Instrument der Familienhospizkarenz bedarfsgerecht weiterzuentwickeln", so Landau.

Rechtssicherheit und Regelfinanzierung

"Die Hospizbetreuung leistet viel, doch jeder muss es sich auch leisten können", weist Landau auf die unsichere finanzielle Absicherung der Dienste hin. Derzeit finanzieren sich die Hospizdienste je nach Bundesland aus unterschiedlichsten Quellen. Aber ohne Spenden könnte keines der Angebote auskommen. "Unsere Vision wäre es, dass die Hospizdienste wie andere Betreuungsformen durch einen Arzt 'verschrieben' werden können, und die Leistungen durch die Sozialversicherungen abgedeckt sind". Das heißt die Finanzierung der Hospizbetreuung muss in den Leistungskatalog der Sozialversicherungen aufgenommen werden. Darüber hinaus wird es wichtig sein, das Pflegegeld in den höheren Stufen anzupassen und endlich zu valorisieren.

Vorsätze aus der Schublade holen

Caritasdirektor Michael Landau appelliert daher an die Verantwortlichen in der Regierung, konkret an Bundeskanzler

Wolfgang Schüssel und Bundesministerin Maria Rauch-Kallat, den einstimmigen parlamentarischen Beschluss zur umfassenden Förderung der Hospizarbeit wieder aufzugreifen und zügig sowie vollständig umzusetzen."Die gute Entscheidung des österreichischen Parlaments darf nicht in der Schublade verschwinden, sondern sie braucht, um der Betroffenen willen - und das sind letztlich wir alle - dringend Entwicklungsmöglichkeiten". Sicherzustellen sei auch, dass die Erfahrungen aus der Hospizarbeit künftig in den Alltag der Spitäler und Pflegeeinrichtungen integriert werden. (Forts.)

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