- 02.10.2003, 10:52:25
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Greenpeace warnt vor Neustart von Reaktorblock 2 in Paks
Beschädigte Brennstäbe im ungarischen AKW noch nicht beseitigt
Wien/Budapest (OTS) - Greenpeace protestiert auf das Schärfste
gegen den Plan des ungarischen Energieversorgers MVM den Betrieb des
Reaktorblockes 2 im ungarischen Atomkraftwerk Paks wieder
aufzunehmen, da die beschädigten Brennstäbe seit dem Zwischenfall im
April noch immer nicht beseitigt sind. Die MVM ist als Eigentümer des
Atomkraftwerks und als Stromkunde primär daran interessiert die
Stromproduktion aus Gründen des Profits und aus eigenen
Unternehmensinteressen wieder zu steigern. Wie Greenpeace-Experten
schon befürchtet haben, hat die Atomlobby nichts gelernt aus ihren
Fehlern, welche zur Serie von Zwischenfällen im April dieses Jahres
führten. Stattdessen nimmt die Kraftwerksleitung ein hohes Risiko
auf, um die Stromproduktion zu maximieren. "Nach den letzten
gefährlichen Zwischenfällen muss die österreichische Bundesregierung
sich sofort über das geplante Vorhaben in Kenntnis setzen und die
österreichische Bevölkerung informieren. Bis dahin muss der Block 2
abgeschaltet bleiben", fordert Greenpeace-Energieexperte Erwin Mayer.
Nach Experten der internationalen Umweltschutzorganisation ist die
Wiederaufnahme des Betriebs von Block 2 technisch gefahrlos noch
nicht möglich, wenn die Ursache des Zwischenfalls noch nicht behoben
wurde und die beschädigten Brennstäbe noch nicht entfernt worden
sind. Der Neustart des Reaktorblocks ist eine sehr riskante Prozedur,
weil dafür eine große Anzahl von neuen Brennstäben nötig sind, um die
beschädigten und zerstörten zu ersetzen. Diese liegen aber immer noch
in dem Abkühlbecken und wurden noch nicht entfernt. Bei einer
weiteren Abschaltung müsste die gesamte Brennstoffversorgung aus dem
Reaktor entfernt und im bereits teilweise mit kaputten Brennstäben
gefüllten Abkühlbecken gelagert werden. Dieser Vorgang könnte zu
einer Überfüllung des Beckens führen, was auch die Ursache für den
Zwischenfall im April war. "Wir erwarten, dass der Direktor des
Atomkraftwerks in einigen Wochen ankündigen wird, dass der zweite
Block in Betrieb sein wird und gleichzeitig die beschädigten
Brennstäbe entfernt werden. In diesem Zeitraum wird es nicht möglich
sein, bei einem Zwischenfall den Reaktor abzuschalten", befürchtet
Roland Csaki von Greenpeace in Ungarn.
Es ist bekannt, dass die Profitorientierung und überhastete
Vorgangsweise der Kraftwerksleitung zum Zwischenfall im April geführt
hat. Die Reinigung der Brennstäbe wurde wegen jahrelang verzögerten
Reparaturarbeiten nötig. Bereits zwei Mal hat die Kraftwerksleitung
in der Vergangenheit große Fehler wegen übereilten Reparaturarbeiten
gemacht. Nach jahrelanger Sorglosigkeit bei der Wartung wegen der den
Profit verringernden Zeitdauer der Abschaltung wurde das früher
verwendete kleinere Reinigungssystem durch ein größeres ersetzt, um
die Zeitdauer der Abschaltung zu verkürzen. Dies hatte gravierende
Sicherheitsprobleme und auch den Zwischenfall im April zur Folge.
"Die Energiegesellschaft wollte in unverantwortlicher Weise Zeit
sparen um mehr Gewinn herauszuschlagen", so Csaki. Diese gefährlichen
Experimente kosteten den ungarischen Staat bis jetzt umgerechnet etwa
44 Millionen Euro. Auch die internationale Atomenergiebehörde IAEO
kritisierte die mangelnde Sicherheit in Paks. Greenpeace ruft die
Kraftwerksleitung von Paks auf, die Sicherheit der Bevölkerung vor
die Profitmaximierung zu stellen und den Reaktorblock 2 nicht zu
starten, bevor die Schäden behoben sind. "Wir wollen keine
Experimente mehr, die Millionen von Menschen in Mitteleuropa
gefährden", fordert Csaki abschließend die Kraftwerksleitung auf, den
Block 2 nicht verfrüht einzuschalten.
OTS0066 2003-10-02/10:52
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