- 01.10.2003, 14:39:11
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VKI warnt vor Nahrungsergänzungsmittel aus Direkt- und Internetvertrieb
Kein guter Rat von Dr. Rath: Hochdosierte Vitamin- und Mineralstoffpräparate sollen zur Vorbeugung und Therapie eingesetzt werden. VKI ortet irreführende Werbeaussagen.
Wien (OTS) - Derzeit tourt Dr. Matthias Rath durch den deutschen
Sprachraum, um die Neuauflage seines Buches : "Warum kennen Tiere
keinen Herzinfarkt" sowie seine Mikronährstoff-Präparate zu promoten.
Sein Motto lautet: "Vitamintherapien statt teurer Gesundheitsreform".
Diese spektakulären Aussagen bewegten den Verein für
Konsumenteninformation (VKI) Dr. Rath's propagierte Produkte genauer
unter die Lupe zu nehmen. Fazit: Bei mehreren von Dr. Rath's
Präparaten sind einzelne Nährstoffe in einer bedenklich hohen
Dosierung enthalten. Da extreme Überdosierungen von Vitaminen und
Mineralstoffen dem Körper schaden können, muss vor einer
Selbstmedikation ohne ärztliche Kontrolle gewarnt werden. In
Österreich sind Dr. Rath's Präparate als Arzneimittel nicht
zugelassen und daher auch nicht verkehrsfähig. Offizielle Prüfungen
hinsichtlich Nebenwirkungen und gesundheitlicher Risiken fehlen.
Kritisch steht der VKI (Verein für Konsumenteninformation) auch
den Behauptungen Dr. Rath's gegenüber, denn sie suggerieren die
Notwendigkeit der Einnahme seiner empfohlenen Vitamin- und
Mineralstoffpräparate, um nicht zu erkranken. So behauptet der
umtriebige Mediziner, dass die Basis der Arteriosklerose-Entstehung
ein Vitamin C Mangel sei, die Ursache vieler chronischer Erkrankungen
in einer unzureichenden Versorgung mit Mikronährstoffen liege und
eine ausreichende Aufnahme von Mikronährstoffen mit der Ernährung
nicht möglich sei. VKI-Ernährungswissenschafterin Mag. Birgit Beck
stellt dazu fest: "Wissenschaftliche Belege für die Wirkung
hinsichtlich der therapeutischen Anwendungsgebiete Schlaganfall,
Herzinfarkt bzw. Ateriosklerose liegen nicht vor. Außerdem ist eine
ausreichende Aufnahme mit Mikronährstoffen über die Ernährung
hierzulande sehr wohl möglich!"
Immer wieder taucht beim Vertrieb von Nahrungsergänzungsmittel das
Argument: "unser Böden sind an Nährstoffen verarmt" auf. Auch diese
Mär will Beck beseitigt wissen: "Der Nährstoffgehalt der Böden wird -
mit wenigen Ausnahmen - im Vergleich zu früher von Experten sogar
höher eingeschätzt. Ebenso wird der Nährstoffgehalt pflanzlicher
Lebensmittel als unverändert beurteilt. Probleme in der
Nährstoffversorgung sind also nicht auf so genannte nährstoffverarmte
Böden zurückzuführen, sondern auf Fehl- und Mangelernährung."
Nachdem Dr. Rath's Produkte wegen der sehr hohen Dosierung und
Einnahme-Empfehlungen unter das Arzneimittelgesetz fallen, in
Österreich jedoch nicht zugelassen sind, müssen Werbeaussagen, die im
Zusammenhang mit seinen Vitaminpräparaten gemacht werden, als
irreführend und wissenschaftlich nicht hinreichend angesehen werden.
Denn Aussagen, die sich auf die Beseitigung, Linderung oder Verhütung
von Krankheiten beziehen, sind im Verkehr mit Lebensmitteln
unzulässig. Krankheitsbezogene Aussagen sind Arzneimitteln
vorbehalten. Diese Regelung soll den Verbraucher vor Täuschung durch
falsche Versprechungen bei der Auslobung von Lebensmitteln schützen.
Aus wissenschaftlicher Sicht ist die lebensnotwendige Bedeutung
von Vitaminen bei wichtigen Stoffwechselprozessen unbestritten. Auch
dem antioxidativen Effekt von Vitaminen wird von wissenschaflticher
Seite eine gewisse vorbeugende Wirkung hinsichtlich Schäden an
Blutgefäßen zugeschrieben. Unzutreffend ist jedoch die Behauptung,
durch eine hochdosierte Vitaminzufuhr wären Herzinfarkte
grundsätzlich vermeidbar, und zwar sowohl hinsichtlich der Vorbeugung
von Gefäßschäden als auch bei der Reparatur bereits bestehender
Veränderungen an den Herzkranzgefäßen.
Als weiteres Problem ortet der VKI Dr. Rath's Versprechung: "Nie
wieder Herzinfarkt". Dies ist eine Aussage, die bei der Bevölkerung
gut ankommt, aber Gefahren birgt. Schließlich ist es einfacher
Vitaminpillen zu schlucken als andere wichtige, durch den eigenen
Lebensstil bedingte Risikofaktoren wie Rauchen, zu fettreiche
Ernährung oder Bewegungsmangel zu reduzieren. Die
VKI-Ernährungs-wissenschafterin appelliert an die Vernunft der
Betroffenen, die sich möglicherweise in falscher Sicherheit wiegen:
"Eine sonst ungesunde Lebensweise kann durch in Form von
Nahrungsergänzungsmittel aufgenommene Vitamine nicht kompensiert
werden."
OTS0194 2003-10-01/14:39
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