• 01.10.2003, 10:30:00
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Jährlich sterben über 1000 alte Menschen durch Stürze

Sozialministerium, Seniorenrat und "Sicher Leben" starten Informations-Kampagne

Wien (OTS) - 2001 starben 1088 Menschen über 60 Jahren bei
Freizeitunfällen, die meisten davon durch Stürze. Das sind mehr
Todesopfer als durch Verkehrsunfälle (956). Bei 80% der Unfälle sind
Mängel der Wohnung oder der Wohnumgebung beteiligt. Entsprechend groß
sind die Möglichkeiten der Vorbeugung: Stolperfallen können
beseitigt, rutschende Teppiche fixiert, Badezimmer mit Haltegriffen
ausgestattet werden. Der überparteiliche Österreichische Seniorenrat
sowie das Institut "Sicher Leben" starteten bereits im März vorigen
Jahres mit einer parlamentarischen Enquete einen Aktionsplan zur
Hebung der Seniorensicherheit und freuen sich über eine neue
Informations-Initiative des Sozialministeriums dazu, die heute von
Frau Staatssekretärin Ursula Haubner vorgestellt wurde.

In einer breit angelegten Studie des Institutes "Sicher Leben"
zeigte sich, dass 82% aller Seniorenunfälle Stürze sind, und dass für
etwa 80% dieser Stürze externe Umstände auslösend sind. Tatsächlich
bewegen sich Senioren vielfach in einer Wohnung und einem Wohnumfeld,
dass auf die besonderen Sicherheitsbedürfnisse gebrechlicher Menschen
keine Rücksicht nimmt: Stolperfallen, rutschende Teppiche, Stufen
ohne Handlauf, Badezimmer ohne Haltegriffe, mangelhafte Beleuchtung,
holpriges Pflaster usw. sind im Alltag allgegenwärtig. Die Mängel der
gebauten Umwelt sind andererseits der aussichtsreichste Ansatzpunkt
für die Verhütung der Unfälle: Stolperfallen können beseitigt,
Treppen können mit Handläufen versehen, Badezimmer mit Haltegriffen
ausgestattet, Straßenübergänge seniorengerecht gestaltet werden.

Die Senioren nehmen ihre besondere Gefährdung durch Unfälle nicht
länger tatenlos hin. Die Seniorenorganisationen, eine Vorreiterrolle
hat der Pensionistenverband Niederösterreich übernommen, und ihre
Dachorganisation, der Österreichische Seniorenrat, haben bereits im
Vorjahr eine Aktion Seniorensicherheit gestartet. Sie allein können
ihr Ziel aber nur schwer realisieren. Nun bekommen sie Unterstützung
- vom Sozialministerium. Anlässlich einer Fachtagung am 1. Oktober
2003 - dem Welttag der Senioren - wurden die Gründe für die wachsende
Zahl der Seniorenunfälle diskutiert und eine neue Initiative
vorgestellt. Die Veranstaltung ist der Auftakt intensiver gemeinsamer
Bemühungen des Bundesministeriums für soziale Sicherheit,
Generationen und Konsumentenschutz, des Österreichischen
Seniorenrates und des Instituts "Sicher Leben" zur Vermeidung "des
Todes vor der Zeit".

"Wir Senioren haben den Versuch begonnen, unser Menschenrecht auf
Sicherheit und Unfallschutz durchzusetzen" führt der Präsident des
Österreichische Seniorenrates Karl Blecha in seinen Begrüßungsworten
aus und zeigt sich erfreut, dass seit Beginn der Initiative vor bald
zwei Jahren Seniorensicherheit ein aus der öffentlichen Debatte nicht
mehr wegdenkbares Thema geworden ist.

"Mit dem Alter nimmt die Gebrechlichkeit zu - leider im wahrsten
Sinne des Wortes. Alte Menschen stürzen häufiger, und die Folgen sind
schwerer wiegend, oft tragisch. Im Jahr 2001 starben 1.088 Menschen
über 60 Jahre durch Unfälle abseits des Verkehrs - das sind mehr als
durch Verkehrsunfälle insgesamt getötet wurden (956). Rund 130.000
ältere Menschen mussten nach Freizeitunfällen im Spital behandelt
werden, wofür etwa 700.000 Behandlungstage erforderlich waren. Die
direkten Behandlungskosten betrugen etwa 480 Mio. Euro - die
Folgekosten für Pflegebedürftigkeit nicht eingerechnet", rechnet Dr.
Rupert Kisser, Leiter des Institutes "Sicher Leben" vor. "Wegen der
Zunahme des Anteils alter Menschen in unserer Gesellschaft und den
verbesserten Behandlungsmethoden gibt es zwar etwas weniger Tote,
aber rasch steigende Kosten".

"Die Sterblichkeit durch Kinderunfälle konnte von 1991 bis 2001 um
63 % gesenkt werden. Dies war das Ergebnis konzentrierter
Anstrengungen vieler Institutionen, die zu dieser Entwicklung
beitragen haben. Die Anzahl der tödlich verunglückten Senioren sank
im gleichen Zeitraum hingegen nur um ein Viertel. Studien zeigen,
dass auch bei den alten Menschen ähnliche Erfolge wie bei den Kindern
möglich sind", betont Dr. Fritz Koppe, Konsumentensprecher des
Seniorenrates und Initiator des Aktionsplanes "Seniorensicherheit".
"Dazu muss auf drei Ebenen angesetzt werden: Einerseits muss das
Bewusstsein der älteren Menschen geweckt werden, wie sie sich vor
Gefahren schützen können. Um dies zu erreichen, müssen weiters die
Menschen geschult werden, die regelmäßig mit alten Menschen zu tun
haben. Und drittens muss die Umwelt sicherer gemacht werden".

Die neue Kampagne hat drei Stoßrichtungen:

Es soll das Gefahrenbewusstsein der Senioren geweckt werden: Jeder
Senior sollte wissen wie er sich vor vermeidbaren Unfallgefahren
schützen kann. Stolperfallen im Haushalt, wie rutschende Teppiche
herumliegende Kabel, unzureichende Beleuchtung und dergleichen können
von jedem leicht beseitigt werden. Wichtigste
Unfallverhütungsmaßnahme ist dabei das Bewusstsein und die Erhaltung
der eigenen körperlichen Aktions- und Reaktionsfähigkeit. Jeder
Seniorenklub, jede Ortsgruppe einer Seniorenorganisation und jede
andere Gelegenheit, Senioren zu informieren, soll genützt werden, um
der von praktisch allen Senioren unterschätzten Unfallgefahr
entgegenzuwirken.

Alte Menschen sollen fachkundige Beratung und Hilfe bekommen, z.B.
durch die Mitarbeiter/innen der sozialen Dienste, Gesundheitsberufe
und pflegende Angehörige. Diese Menschen brauchen aber dafür das
notwendige Wissen. Heimhelfern/innen und Hauskrankenpfleger/innen
soll deshalb Informationsmaterial und Schulungen angeboten bekommen.

Ebenso wichtig ist die Schaffung einer weniger unfallträchtigen
Umwelt. Wenn die Wirtschaft seniorenfreundlichere Produkte anbietet,
reduziert das die Unfallgefahr. Man weiß beispielsweise heute, wie
ein sicheres Badezimmer zu gestalten ist, aber viele Installateure
und deren Auftraggeber besitzen dieses Wissen nicht. Das
Problembewusstsein für die Unfallgefahren der Senioren muss auch in
Wirtschaft und Politik verankert werden. Schließlich geht es auch um
die sichere Gestaltung öffentlicher Wege und öffentlicher
Verkehrsmittel.

An Hand von Modellprogrammen wie "Sicher Gehen über 60" in Wien
konnte nachgewiesen werden, dass das Zurückdrängen der strukturellen
Rücksichtslosigkeit das Risiko für Stürze - und deren Folgen wie
Oberschenkelhalsbrüche und Spitals-Behandlungskosten - senkt.
Das erfordert ein breites Verständnis der Bevölkerung für die
Zusammenhänge, wirksame Vertretung der Sicherheitsinteressen von
Senioren, die politische Gestaltung durch Gesundheits- und
Sozialpolitik, Unterstützung und entsprechendes Handeln der
Sozialversicherungen, der Wohlfahrtseinrichtungen, des Bau- und
Baunebengewerbes sowie der einschlägigen Schulen - eben ein
Aktionsprogramm Seniorensicherheit. "Die Initiative Sicher Gehen hat
maßgeblich dazu beigetragen, dass die Zahl der Seniorenunfälle in
Wien seit 1996 gegenüber den anderen Bundesländern gesunken ist. Wien
hat sich dadurch bisher etwa 50.000 Spitalstage und 25 Millionen Euro
Behandlungskosten von Heim- und Freizeitunfällen erspart", rechnet
Sylvia Zotl, Leiterin der Wiener Initiative vor. "Schade, dass es
keine Aktien für Unfallverhütung gibt, denn im Gesundheitswesen gibt
es keine bessere Investition als Prävention."

OTS0067    2003-10-01/10:30

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