Fischer bei Präsentation seines Buches "Wende-Zeiten - Ein österreichischer Zwischenbefund"

Buch "Wende-Zeiten" soll Gegenstück zur "Wüste Gobi" sein

Wien (SK) Anlässlich der Buchpräsentation des zweiten Nationalratspräsidenten und stellvertretenden SPÖ-Vorsitzenden Heinz Fischer im Bruno Kreisky-Forum kritisierte Altbundeskanzler Franz Vranitzky Dienstag abend in seiner Laudatio scharf die aktuelle Politik der schwarz-blauen Regierung. "Viele Probleme stehen vor uns", so Vranitzky, "aber manche legen eine Nonchalance an den Tag und meinen trotz der wirtschaftlichen und konjunkturellen Probleme nichts dagegen tun zu müssen". Vranitzky wies darauf hin, dass Österreich gerade jetzt vor einem "Quantensprung im EU-Integrationprozess stehe", aber das "Ideenpotenzial müsse jetzt eingebracht werden, sonst gebe es einen Rückschlag, der nicht mehr aufzuholen sei. Fischer nannte als Hauptmotiv für sein neues Buch "Wende-Zeiten" die Tatsache, dass er die Darstellung der schwarz-blauen Wende vor dreieinhalb Jahren nicht jenen überlassen wollte, die es für eine Errungenschaft halten, Österreich durch die Wüste Gobi zu schicken. Fischer: "In meinem Buch sollen die Fakten sprechen, und Fakten brauchen keine Beschmückung." ****

Auf die Kritik mancher Journalisten, sein Buch würde nichts wirklich Neues ans Tageslicht bringen, stellte Fischer klar, dass er sich nur an Fakten halte. "Indiskretionen und Tratsch" gebe es immer, so Fischer, aber es sei Aufgabe der Journalisten, so etwas weiterzugeben. In der Politik hingegen, betonte Fischer, brauche es härtere Beweise und Indizien. Fischer: "Ich glaube nicht, dass das naiv ist, sondern fair, dass man Gerüchte nicht zum Nennwert nimmt." Wichtig sei ihm gewesen, aus "seinen Notizen völlig unbefangen nichts als Fakten und die pure Wahrheit" sprechen zu lassen, so Fischer weiter. Man müsse Dinge so darstellen, dass sie auch einen "Wert und eine Aussage für Zeithistoriker haben". Kritik übte Fischer am Buch Khols, der es, im Gegensatz zu seinen "Wendezeiten", nicht der Mühe wert fand, auch nur den "Funken Selbstkritik" in seinem eigenen Werk zu üben.

Ein Buch brauche Gesinnung, betonte Fischer in seiner Rede, und sein Buch habe klar eine sozialdemokratische mit einem gewissen Popper-Einfluss. Wichtig sei ihm in seinem Werk ein differenzierter Zugang gewesen, so Fischer, und auf der anderen Seite eine Absage an absolute Positionen. Ein Buch brauche aber neben einem Motiv und einer Gesinnung, so Fischer weiter, auch noch Stil. Sein Stil sei es halt, auf nüchterne Weise Fakten, Entwicklungen und chronologische Abläufe wirken zu lassen. Hier gehe es um "die Kollision zweier Werte". Indiskretionen seien zu vermeiden, er fühle sich zur Genauigkeit verpflichtet. Fischer: "Die Fakten sprechen für sich."

Altbundeskanzler Vranitzky fand Lob und Anerkennung für Fischers Buch, rechnete aber auch mit der aktuellen Tagespolitik ab. Die Geltung Österreichs in der EU sehe er schwinden, so Vranitzky. Es dürfe nicht übersehen werden, was diese Wende alles bedeutet habe und bedeutet. "Wir werden doch nicht alle vergessen haben, warum es eine Gendarmerie und eine Polizei gibt", meinte Vranitzky zu den Zusammenlegungspläne der Regierung. Auch das Infragestellen von Geschworenengerichten durch Böhmdorfer sei mehr als bedenklich und gefährlich. Bei den ÖBB könne man doch nicht einerseits für eine leistungsfähige Eisenbahn sein und andererseits gegen die Eisenbahner vorgehen. (Schluss) rr

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