- 26.09.2003, 09:40:32
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Mercer-Studie "Wertsteigerungsstrategien für Unternehmen in Private-Equity-Portfolios"
Private-Equity-Industrie: Wege aus der Krise
München (OTS) - Überangebot an Beteiligungskapital vorhanden -
Rückläufige Fondsrenditen und besorgte Investoren setzen
Private-Equity-Firmen unter Handlungsdruck - Aktives
Beteiligungsmanagement zur Wertsteigerung während gesamter Dauer der
Beteiligungen erforderlich
Die Private-Equity-Industrie steht vor einem tief greifenden
Umbruch. Ein hartes Marktumfeld mit rückläufigen Investitionen in
Private-Equity-Fonds und in neue Beteiligungen wird bei intensiverem
Wettbewerb zu einem schmerzhaften Ausleseprozess führen. Einige Fonds
werden vom Markt verschwinden. Traditionelle Wertsteigerungsansätze
greifen nicht mehr, bei den Private-Equity-Firmen ist ein Umdenken
notwendig. Das ist das Ergebnis der soeben erschienenen Mercer-
Studie "Wertsteigerungsstrategien für Unternehmen in Private-Equity-
Portfolios". Ein aktives strategisches Management der Beteiligungen
während der gesamten Haltedauer mit Fokus auf Wertsteigerung durch
strategische Maßnahmen ist erforderlich.
Markt für Private Equity eingebrochen
Nach hohen Wachstumsraten in der Private-Equity-Branche bis zum
Jahr 2000 sanken die eingeworbenen Fondsmittel in den letzten zwei
Jahren drastisch. Im Jahr 2001 gingen die Investitionen in Private
Equity um 19 Prozent zurück, im vergangenen Jahr erfolgte ein
weiterer Einbruch um 49 Prozent auf nur noch 19 Milliarden Euro. Der
Wert der getätigten Investments der Private-Equity-Firmen brach im
Jahr 2001 von 35 Milliarden Euro auf 27 Milliarden Euro ein. Das
entspricht einem Rückgang um 30 Prozent. Trotz einer leichten
Erhöhung der Investitionstätigkeit im Jahr 2002 gibt es nach wie vor
ein Überangebot an Kapital. Diese nicht investierten Fondsmittel
belaufen sich auf mehr als 100 Milliarden Euro.
Es gibt zwei Hauptgründe für die aktuelle Krise in der Private-
Equity-Industrie: Fehlende Möglichkeiten, Portfoliounternehmen Gewinn
bringend zu veräußern (Exit-Möglichkeiten) und nach wie vor zu hohe
Einstiegspreise bei Beteiligungen. Nach dem Börsencrash im Jahr 2000
mit Kurseinbußen von teilweise über 50 Prozent kann der Kapitalmarkt
auf kurz- bis mittelfristige Sicht keine Neuemissionen mehr
aufnehmen. Selbst Verkäufe an strategische Investoren, so genannte
Trade Sales, werden erschwert, da börsennotierte Unternehmen im Zuge
des Börsencrashs ihre "Akquisitionswährung Aktie" verloren haben und
für Cash-Käufe die erforderlichen Mittel meist fehlen.
Die hohen Einstiegspreise bei Unternehmenskäufen wurden nicht
ausreichend nach unten korrigiert. Dem Fachmagazin "Venture
Economics" zufolge trat zwar ein leichter Rückgang des Verhältnisses
von Kaufpreis zu Ergebnis (EBITDA-Multiples) um 20 Prozent zwischen
1999 und 2001 ein. Dieser war aber, verglichen mit den Exit-
Erwartungen der Private-Equity-Firmen, immer noch zu hoch.
Die restriktive Kreditvergabe der Banken verschärft die Situation
zusätzlich. Transaktionen scheitern vielfach daran, dass kein
tragfähiges Finanzierungskonzept mit den Banken erarbeitet werden
kann. Während noch bis vor einigen Jahren der Fremdkapitalanteil bei
typischen Buyout-Transaktionen (Transaktionen, bei denen das
Unternehmen von neuen Eigentümern übernommen wird) zwischen 75 und 80
Prozent lag, beträgt er heute oft nur 65 Prozent oder weniger. Diese
Risikoscheu drückt sich auch in langwierigen Kreditvergabeprozessen
und deutlich gestiegenen Anforderungen an die detaillierte
Unternehmensprüfung im Vorfeld der Akquisition (Due Diligence) aus.
Gerade für die in der Boom-Phase gegründeten Private-Equity-Firmen
ohne nachweisliche Erfolge (Track Record) und ausgeprägtes Netzwerk
in der Industrie- und Bankenlandschaft wird es schwierig werden, sich
im härteren Marktumfeld durchzusetzen. Einige Private-Equity- Firmen
werden daher vom Markt verschwinden. Es gibt jedoch Hoffnung für den
Private-Equity-Markt. "Trotz der momentanen Krise rechnen wir
langfristig mit einer steigenden Bedeutung von Private Equity", sagt
Thomas Kautzsch, Director und Leiter der deutschen Private Equity
Group von Mercer Management Consulting. Der Grund dafür sind unter
anderem höhere erwartete Allokationsquoten (Regelungen für die Höhe
einzelner Investitionen in verschiedenen Anlagekategorien) für die
Anlagekategorie Private Equity bei bedeutenden Investoren,
beispielsweise Pensionskassen und Versicherungen. Auch eine
langfristig wieder normalisierte Kapitalmarktentwicklung wird zu
einer Erholung des Marktes beitragen.
Alte Rezepte produzieren keine risikoadäquaten Renditen mehr
Seit den 90er-Jahren hat sich das Wettbewerbsumfeld im Private-
Equity-Geschäft verändert:
Die Anzahl der im Markt agierenden Fonds hat sich erheblich
erhöht. Während in den 90er-Jahren überwiegend Eigenkapital knapp
war, besteht heute ein Überhang an Eigenkapital und eine Knappheit an
lukrativen Investments. Die traditionellen Werthebel von Private-
Equity- Firmen - Financial Engineering, Financial Leverage, Auswahl
und Incentivierung von Managementteams - sind weitgehend zum
Commodity geworden, das von vielen Fonds beherrscht wird. Immer mehr
und immer kleinere Transaktionen werden über Auktionsverfahren
abgewickelt. Fremdkapital wird wesentlich restriktiver vergeben.
Der verschärfte Wettbewerb treibt die Preise für Unternehmenskäufe
in die Höhe und setzt die Fondsrenditen unter Druck. Die Investoren
sind darüber beunruhigt und üben Druck auf die Private-Equity-
Unternehmen aus, die daraufhin unter Kaufzwang geraten. Die Folge für
das Private-Equity-Unternehmen, das den Zuschlag bei den
branchenüblichen Auktionsverfahren erhalten hat, ist der "Winner's
Curse" (Fluch des Gewinners) - die Beteiligungen werden zu überhöhten
Preisen erworben.
"Der Kauf eines profitablen Unternehmens, das eine Kapitalspritze
zur Wachstums-finanzierung benötigt, war früher ein sicheres
Erfolgsrezept. Die Anzahl der idealen Deals ist aber mittlerweile
deutlich geringer geworden. Der so entstandene Druck, das Kapital
auch zu investieren, führt schließlich zur Bereitschaft, überhöhte
Einstiegspreise zu zahlen", analysiert Nikolai Dördrechter, Berater
bei Mercer Management Consulting. Der deutsche Mittelstand als
Hoffnungsträger zur Erleichterung der Situation ist ausgefallen: Hier
konnte bislang nur in unbedeutendem Maße Dealflow generiert werden.
Auch Steuererleichterungen bei Unternehmensverkäufen konnten den
Markt in der Vergangenheit nicht nachhaltig positiv beeinflussen. Die
von der Bundesregierung geplanten Veränderungen der
Steuergesetzgebung werden diese Situation weiter verschärfen. Die
Mercer-Studie analysierte 600 Private-Equity-Transaktionen von 28
überdurchschnittlich gut performenden Leveraged Buyout-Fonds und
kommt zu dem Schluss, dass in der aktuellen Situation traditionelle
Ansätze keine Lösung bringen können. "Weder konnten Fonds von
Größenvorteilen profitieren, noch konnte eine höhere Rendite bei
höheren Dealvolumina erzielt werden", erklärt Thomas Kautzsch, Autor
der Studie. Spektakuläre Fälle von Fehlinvestitionen und
Totalabschreibungen, wie zum Beispiel bei der Bundesdruckerei und
Fairchild-Dornier, sind keine Seltenheit mehr. "Private-Equity-
Firmen sind meist zu sehr reaktiv tätig. Nach einer intensiven
Kontaktphase zu Beginn des Investments wenden sie sich zu schnell
wieder neuen Unternehmensakquisitionen zu. Eine echte
Weiterentwicklung der Portfoliounternehmen erfolgt meist erst dann,
wenn diese schon zu tief in die Krise geraten sind. Dann geht es nur
noch um Schadensbegrenzung und nicht mehr um Wertsteigerung", so
Kautzsch.
Neue Anforderungen an Private-Equity-Firmen
Private-Equity-Firmen können in drei Phasen der Beteiligung Wert
schaffen: Beim Einstieg durch Erzielen eines geringen Kaufpreises,
während der Haltedauer durch eine aktive Wertsteigerung oder beim
Exit durch das Erzielen eines hohen Verkaufspreises. Früher konnten
sich Private-Equity-Firmen auf die wertschaffende komplexe
Finanztransaktion zu Beginn der Beteiligung beschränken, ohne sich
über die Phasen der Haltedauer und des Exits ernsthaft Gedanken
machen zu müssen. Ein Haupthebel war dabei die Finanzierung einer
Akquisition über einen möglichst hohen Fremdkapitalanteil zur
Steigerung der Eigenkapitalrendite der Private-Equity-Firma. Dies ist
zwar immer noch ein wichtiges Instrument der Renditesteigerung, doch
es ist bei weitem nicht mehr ausreichend. Heute müssen operationelle
Verbesserungen im Beteiligungsunternehmen herbeigeführt und sowohl
Unternehmensstrategie als auch Geschäftsmodell einer kritischen
Prüfung und Optimierung unterzogen werden. Diese wertsteigernden
Maßnahmen müssen während der Beteiligungsphase realisiert werden.
Stärkerer Fokus auf Geschäftsmodell und Strategie des
Portfoliounternehmens
Eine kontinuierliche Betreuung erfordert ein umfassendes
Verständnis des Portfoliounternehmens, auf das ein aktives
Wertsteigerungsmanagement aufbauen kann. Die Mercer-Studie kommt zu
dem Ergebnis, dass erfolgreiche Investitionen in aller Regel auf
einer Verbesserung der Unternehmensstrategie oder des
Geschäftsmodells beruhen. Die Voraussetzung dafür ist ein
entsprechendes Know-how auf Seiten der Private-Equity-Gesellschaft.
Dieses kann entweder intern durch Neueinstellungen und Übertragung
der Aufgaben an spezialisierte Mitarbeiter, oder mit externer
Unterstützung durch Unternehmensberatungen oder so genannte "Interim
Manager" erlangt werden.
Dieser Ansatz der aktiven Wertsteigerung verbessert nicht nur die
Aussichten für bereits bestehende Investments. Er ermöglicht auch das
Investment in bisher als nicht attraktiv eingeschätzte Unternehmen
mit Bedarf an strategischer Neuausrichtung, die oft günstig erworben
werden können. Thomas Kautzsch rät den Private- Equity-Firmen, diese
wichtigen Chancen zur Wertsteigerung nicht außer Acht zu lassen:
"Eine kontinuierliche Betreuung der Portfoliounternehmen ist die
Voraussetzung für ein aktives Wertsteigerungsmanagement. Die
Verbesserung des Geschäftsmodells und eine Neuausrichtung der
Strategie müssen als entscheidende Hebel zur Wertgenerierung
berücksichtigt werden."
10 Thesen zur Krise in der Private-Equity-Industrie
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1. In Europa gibt es einen großen Überhang an
Beteiligungskapital. Im Jahr 2001 wurden durch
Private-Equity-Firmen 38 Milliarden Euro neue Mittel
eingeworben, aber nur 24 Milliarden Euro investiert.
Zusammen mit Fondsmitteln aus früheren Jahren stehen insgesamt
mehr als 120 Milliarden Euro für Unternehmenskäufe durch
Private-Equity-Firmen zur Verfügung.
2. Seit 2001 sind die von Private-Equity-Fonds erzielten
Renditen deutlich zurückgegangen. Gründe dafür sind der enorme
Überhang an Beteiligungskapital, preistreibende
Auktionsverfahren beim Unternehmensverkauf, mangelnde
Differenzierung von Private-Equity-Firmen und ungenügende
Exit-Möglichkeiten.
3. Die Investoren fordern mehr Transparenz und eine stärkere
Haftung der Private-Equity-Firmen bei Fehlinvestments.
4. Nach den ersten 100 Tagen nimmt die Anzahl der Kontakte
zwischen Private-Equity-Firma und Portfoliounternehmen rapide
ab. Die Mitarbeiter der Private-Equity-Firmen wenden sich neuen
Transaktionen zu.
5. Krisen in Portfoliounternehmen werden häufig zu spät
erkannt. Anstelle von Wertsteigerung wird Schadensbegrenzung
betrieben.
6. Private-Equity-Firmen behaupten, ihre Portfoliounternehmen
in der Optimierung des Geschäftsmodells und in der
Strategiefindung aktiv zu unterstützen. Die Praxis zeigt
jedoch, dass strategische Fragen fast ausschließlich dem
Managementteam überlassen werden - substanzielle Potenziale zur
Wertsteigerung werden so nicht genutzt.
7. Bei erfolgreichen Investments sind häufig
Unternehmensstrategie oder Geschäftsmodell aktiv verändert
worden.
8. Der Einstieg einer Private-Equity-Firma in ein Unternehmen
bietet eine einmalige Chance für Management und Investoren, den
Gesamtwert des Unternehmens nachhaltig zu steigern. Diese wird
vielfach nicht genutzt.
9. Aufgrund des schwieriger werdenden Marktumfeldes werden
einige Private-Equity-Unternehmen die aktuelle Krise nicht
meistern und aus dem Markt ausscheiden.
10. Private-Equity-Firmen müssen das Management des
Portfoliounternehmens bei der Strategiefindung aktiv
unterstützen. Das erforderliche Branchen- und
Methoden-Know-how sollten Private-Equity-Firmen idealerweise
intern aufbauen. Private-Equity-Firmen werden zukünftig mehr
und mehr auf Teams aus Partnern mit einschlägiger
Branchenerfahrung und operativer Umsetzungskompetenz setzen
müssen.
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Mercer Management Consulting
Mercer Management Consulting ist Teil von Mercer Inc., New York,
einer der führenden internationalen Unternehmensberatungen mit 160
Büros in 40 Ländern. Weltweit erwirtschaften 15.000 Mitarbeiter einen
Umsatz von 2,4 Mrd. Euro. Die Büros in München, Stuttgart, Frankfurt,
Düsseldorf und Hamburg tragen mit 450 Mitarbeitern zu diesem Erfolg
bei.
Die Beratungsleistungen von Mercer Management Consulting
fokussieren auf Strategien zur Wertsteigerung. Dabei bildet Value
Growth - die nachhaltige Steigerung des Unternehmenswertes - den
Schwerpunkt. Mercer steht dafür, Wachstumspotenziale aufzuzeigen und
konsequent zu nutzen, Wachstumsbarrieren zu erkennen und zu
überwinden sowie Strategie, Führung, Organisation, Geschäfts- und
Managementprozesse gemeinsam mit den Kunden nachhaltig auf
Wertwachstum auszurichten.
Unseren Kunden steht mit den Bereichen - Communications,
Information & Entertainment - Manufacturing & Automotive - Travel &
Transportation - Retail, Consumer & Healthcare - Energy & Life
Sciences - eine breite Palette von Beratungsdienstleistungen zur
Verfügung. Zudem bietet Mercer seinen Kunden ein breites
Produktangebot im Bereich Private Equity und M&A an. Der gesamte
Bereich Financial Services wird von der weltweit führenden Strategie-
und Risikomanagementberatung Mercer Oliver Wyman verantwortet.
Durch die Einbindung in das weltweite Netz der Muttergesellschaft
Marsh & McLennan Companies (Umsatz über 10 Mrd. US-Dollar; 59.000
Mitarbeiter) steht den Kunden von Mercer die gesamte Palette
professioneller Dienstleistungen für Risiko- und
Versicherungsmanagement, Vermögensverwaltung und Unternehmensberatung
zur Verfügung. Zusammen mit den Schwesterunternehmen Marsh und Putnam
Investments verfügt Mercer somit über ein umfassendes Analyse-,
Beratungs- und Produktangebot.
- Querverweis: Charts zur Private-Equity-Studie liegen in der
digitalen Pressemappe zum Download vor und sind unter
http://www.presseportal.de/galerie.htx?type=dok abrufbar -
ots Originaltext: Mercer Management Consulting
Rückfragehinweis:
Pierre Deraëd
Leiter Corporate Communications
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Mercer Management Consulting
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Tel.: 004989.939 49 599
Fax: 004989.939 49 507
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