• 23.09.2003, 12:41:14
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Hombach: "Nun müssen Dritte richten"

WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach nimmt in einem trend/BESTSELLER-Interview erstmals ausführlich zum Streit mit "Krone"-Chef Hans Dichand und seinen Söhnen Stellung.

Wien (OTS) - "Es ist nun unsere erklärte Strategie, mithilfe der
Gerichte und eines Schiedsgerichts die Auseinandersetzung zu
objektivieren", erklärt Bodo Hombach, Geschäftsführer der WAZ-Gruppe,
zum eskalierenden Disput mit "Kronen Zeitung"-Geschäftsführer und
Herausgeber Hans Dichand und seinen Söhnen Christoph und Michael.
"Nun müssen eben Dritte richten", sagt Hombach in einem
Exklusivinterview des am Dienstag nächster Woche erscheinenden
Medien-Spezial, das das Wirtschaftsmagazin trend und das Fachmagazin
BESTSELLER gemeinsam herausgeben.
Zum aktuellen Vorwurf von Michael Dichand in einem kürzlich
erschienenen Interview im Branchenmagazin "Der Österreichische
Journalist", die WAZ-Gruppe (50-Prozent-Eigentümer der "Kronen
Zeitung") würde mit der Balkan-Mafia Geschäfte machen, findet Hombach
klare Worte: "Wenn man das Interview liest, hat man den Eindruck,
dass ihm die Sicherungen durchgegangen sind. Es gibt aber auch
Österreicher, die sagen, er habe gar keine. Wäre nur ein Funke von
dem wahr, das Dichand dort rausrotzt, hätte er es nicht in einem
bedeutungslosen Magazin von sich gegeben." Und weiter: "Es gab wohl
Versuche, seriöse Medien für diese Gruselgeschichten zu
interessieren. Die haben aber nach kurzer Prüfung erkannt, um welch
dummes Zeug es sich handelt. Offenbar war auch Hans Dichand klug
genug, es nicht selber vorzutragen. Er ist ja ein erfahrener Mann."
Zu den konkreten Vorwürfen erklärt Hombach: "Auch die vorliegenden
Behauptungen finden ihre Abnehmer. Deshalb ist es wichtig, mit
einigem aufzuräumen. Und insbesondere der Behauptung
entgegenzutreten, wir hätten bei unserem Anteil an dem serbischen
Magazin Politika indirekt kroatische Partner eingeführt. Solche
Behauptungen können für Irritation und Unruhe auf dem Balkan sorgen,
denn kaum haben nationalistische Kreise Michael Dichand dafür
gewonnen, ihre Behauptungen ungeschützt nachzuplappern, gilt er ihnen
originellerweise als Quelle - und sie tragen die Behauptungen erneut
vor, die schon vor langem widerlegt waren."
Für Hombach sei es ärgerlich, dass die Krone darunter "Schaden
leidet: nach außen, was die Glaubwürdigkeit anlangt, und nach innen,
was die Motivation betrifft. Zudem führt der Umstand, dass Dichands
Sohn mit destruktiven Kräften paktiert, in Südosteuropa zu den
besagten ruf- und geschäftsschädigenden Irritationen."

Die weitere Vorgangsweise der WAZ-Gruppe im Disput mit
Hälfteeigentümer Hans Dichand stellt Hombach im
trend/BESTSELLER-Interview so dar: "Zu keinem Moment hat die WAZ die
Rolle von Hans Dichand als Miteigentümer infrage gestellt. Außerdem
denkt keiner der WAZ-Gesellschafter daran, sich aus dem
österreichischen Markt zurückzuziehen. Was das Schiedsgericht
anlangt: Auf jeden Fall werden die Attacken, die Michael Dichand im
Namen seines Vaters auf uns unternimmt, Gegenstand dieses Verfahrens
sein. Aber auf einer Liste von Ärgernissen und Vorwürfen ist das
höchstens Punkt 6. Wir haben eine ganze Reihe anderer Dinge vorrangig
auszutragen. Welche das am Ende sind, will ich noch nicht konkret
beantworten, weil noch Fristen laufen." Zum Konflikt mit Hans Dichand
sagt Hombach außerdem: "Der Konflikt hat tiefe menschliche Abgründe,
teilweise sehr widersprüchlicher Art, offenbart, die sich
verlegerisch und ökonomisch auswirken". Der WAZ-Geschäftsführer hält
es für anachronistisch, "dass ein übermächtiger Verleger quasi alles
bestimmt." Er hielte eine Arbeitsteilung zwischen Verlagsmanagement,
Verkaufschef und Chefredakteur für marktgerecht, "denn durch
Pluralität und Vielfalt bei den Produkten ist auch die Marktabdeckung
höher", so Hombach.

Konkret nimmt Hombach auch Stellung zu der Frage, ob Christoph
Dichand in seinen Augen ein geeigneter Chefredakteur für die "Kronen
Zeitung" sei: "Die WAZ befürchtet nicht nur den Verlust der
bisherigen Standards, sondern sie traut ihm auch nicht zu, die
journalistische Qualität zu verbessern und das Blatt an neue
Herausforderungen anzupassen. Auch ein erfolgreiches Boulevardblatt
muss Glaubwürdigkeit bewahren und ethische Grundsätze einhalten!
Unter der neuen Chefredaktion gab es bereits Vorkommnisse, die diesen
Anspruch auf unvertretbare Weise infrage stellen."
Und zum Stil und der inhaltlichen Ausrichtung der "Kronen Zeitung"
erklärt Hombach im trend/BESTSELLER-Interview generell:
"Kampagnenjournalismus gibt es in unserem Hause nicht. Erich Schumann
und seine Mitgesellschafter wollen aufgrund ihrer Weltsicht mit
keinen antieuropäischen undemokratischen Positionen in Verbindung
gebracht werden. Allerdings: Als sich die WAZ beteiligt hat, war die
Krone, wie sie ist. Sie bekennt sich zur Kampagne. Insofern trägt die
WAZ verlegerische Mitverantwortung. Aber: Es war zwischen den
Partnern von Anfang an klar, dass die publizistische Führung und
Verantwortung bei Herrn Dichand liegt. Das Blatt hatte am Markt
Erfolg."

OTS0143    2003-09-23/12:41

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