- 23.09.2003, 09:38:26
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Greenpeace bringt Anzeige gegen Penaten-Hersteller ein
Beanstandete Babycreme und Zahnpasten müssen binnen 48 Stunden vom Markt verschwinden
Wien (OTS) - Kaum zu glauben: Die potentiell
gesundheitsbedrohliche Penaten-Creme soll noch mindestens ein halbes
Jahr verkauft werden. Das hat Penaten-Hersteller Johnson & Johnson
angekündigt, obwohl die Umweltorganisation Greenpeace die
Gesundheitsrisiken durch Konservierungsstoffe wie MDGN oder Triclosan
gestern veröffentlicht hat. Greenpeace hat heute Anzeige wegen des
Verdachts auf Verstoß gegen die Kosmetik-Kennzeichnungsverordnung
gegen Johnson & Johnson eingebracht. Diese Verordnung schreibt vor,
dass Produkte spezielle Warnhinweise für Allergiker enthalten müssen.
Penaten-Creme trägt keinerlei Warnhinweise. Greenpeace forderte heute
die Hersteller und den österreichischen Handel auf, binnen 48 Stunden
alle MDGN- und Triclosan-hältigen Produkte aus den Regalen zu nehmen.
Die Bereitschaft der Hersteller scheint gering zu sein:
Unilever/Lever Fabergé (Mentadent) findet "im Bereich
Zahnpflegeprodukte die Verwendung (von Triclosan) nach wie vor
sinnvoll" - trotz der möglichen Resistenzbildungen und der
vorhandenen Alternativen. "Da die Kosmetikindustrie offenbar nicht
bereit ist, das Wohl der Konsumenten zu beachten, appellieren wir
dringend an das Verantwortungsbewusstsein des österreichischen
Handels", erklärt Greenpeace-Chemiker Herwig Schuster, "Bipa, dm,
Schlecker & Co müssen umgehend handeln und die Produkte aus den
Regalen nehmen."
Die Chlorverbindung Triclosan reichert sich im menschlichen Gewebe an
und ist sogar in Muttermilch nachweisbar. Die verbreitete Anwendung
hat nachweislich zur Bildung resistenter Keime geführt. Methyldibromo
Glutaronitril (MDGN) gilt als der am häufigsten Kontaktdermatitis
verursachende Konservierungsstoff. Laut Greenpeace-Untersuchungen
beträgt die Konzentration von MDGN in "Penaten Baby Pflegecreme
Gesicht und Körper" ca. 0,3 mg pro Gramm. Laut einer dänischen Studie
können schon 0,15 mg pro Gramm Allergien auslösen.
Greenpeace appelliert dringend an die Bundesregierung, Maßnahmen zum
Schutz der Gesundheit vor MDGN und Triclosan zu erlassen. Die
Umweltorganisation forderte Gesundheitsministerin Rauch-Kallat auf,
umgehend nationale Verbote zu erlassen und sich darüber hinaus auf
EU-Ebene für einen raschen Ausstieg aus MDGN einzusetzen. Schuster:
"Jetzt kann Rauch-Kallat beweisen, ob sie ihre Verantwortung als
oberste Gesundheitsschützerin Österreichs ernst nimmt."
Auch Umweltminister Pröll müsse sich massiv für ein strenges
Chemikalienrecht in der EU einsetzen. Dieses wird zurzeit reformiert,
so Greenpeace. "Es kann nicht sein, dass in Europa Chemikalien
vermarktet werden, von denen niemand weiß, wie gefährlich sie sind,
weil sie nie getestet wurden. Es kann nicht sein, dass Substanzen,
von denen bekannt ist, dass sie umwelt- und gesundheitsgefährdend
sind, für die Produktion von Alltagsprodukten verwendet werden",
kommentiert Schuster den derzeitigen Umgang mit Chemikalien.
Greenpeace lehnt den jüngsten Vorstoß der EU-Wirtschaftsminister ab,
die gestern Mitspracherecht für sich beanspruchten. "Chemikalienrecht
muss eine Umweltsache bleiben", so Schuster.
Für betroffene Eltern bietet Greenpeace auf seiner Homepage ein
Musterschreiben an Johnson & Johnson an, mit dem Eltern ihr Geld für
die riskante Penaten-Creme zurückverlangen und Schadenersatz für
etwaige Fälle von Allergien anmelden können.
Eine Liste mit belasteten und "sauberen" Produkten finden Sie unter
www.greenpeace.at/kosmetik
Konsumenten können sich am Info-Telefon unter 0662-657777 weitere
Informationen holen.
OTS0037 2003-09-23/09:38
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