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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Von Stoibers Oktoberfest kann ÖVP am Sonntag nur träumen" (von Adolf Winkler)
Ausgabe vom 22.9.2003
Graz (OTS) - Jetzt kann das Münchner Oktoberfest so richtig
überschäumen. Die bayerischen Wähler haben CSU-"Kini" Edmund Stoiber
den Maßkrug fast bis zum Zwei-Drittel-Strich mit Stimmen
vollgeschenkt. Das restliche Drittel für die anderen Parteien hat
in Bayern auch für die nächsten vier Jahre das politische
Leichtgewicht vom Bierschaum obendrauf - oans, zwoa g'suffa!
Die bayerische Watsch'n für Kanzler Gerhard Schröder ist so
schallend laut, wie Stoibers Machtanspruch innerhalb der Union
gegenüber der blassen CDU-Chefin Angela Merkel. Die Bedrohung für
Rot-Grün in Berlin kommt direkt von der CSU-
Festwies'n - o'zapft is!
In Bayerns Nachbarländern Oberösterreich und Tirol wird man neidig
auf den Stoiber-Triumph schauen. Bei den Landtagswahlen kommenden
Sonntag wäre der Tiroler Landeshauptmann Herwig van Staa schon mit
der Rückgewinnung der absoluten Mehrheit
für die ÖVP hoch zufrieden. In Oberösterreich darf ÖVP-
Landeshauptmann Josef Pühringer laut Umfragen gerade mit dem Halten
der 43 Prozent rechnen.
Dabei sind Oberösterreich und Tirol jene Bundesländer, die Bayern
soziographisch am ähnlichsten sind. Und müsste nicht die ÖVP, die
sich wie die CSU als christlich-soziale Partei versteht, hier Ernte
halten wie die Schwarzen in Bayern?
Die CSU hat allerdings seit Goppel und Strauß rechts von sich keine
Partei groß werden lassen, während sich die ÖVP von der FPÖ bei
Kernthemen abräumen ließ. Allumarmend machtbewusst schafft die CSU
den Spagat von der technologischen
Modernisierung bis zur restriktiven Ausländerpolitik.
In Tirol und Oberösterreich hat die ÖVP kommenden Sonntag auch eine
aktuelle Last zu tragen: die von ihr angeführte Bundesregierung, die
zuletzt nichts unversucht ließ, ihre Performance zu beschädigen.
Hingegen war die haarsträubend
schlechte Regierungsarbeit von Rot-Grün in Berlin für Stoiber ein
aufgelegter Elfer.
Nicht von ungefähr ist das bayerische Modell ganz nach dem
Geschmack von Jörg Haider. Stoibers Triumph nährt seine seit Jahren
am Köcheln gehaltenen Drohgebärden, die Kärntner Freiheitlichen nach
CSU-Vorbild von der Bundespartei abzuspalten,
von neuem. Schon kommenden Sonntag könnte der Separationsplan
aufgewärmt werden - sollte die FPÖ in Oberösterreich und Tirol mehr
als halbiert werden und unter zehn
Prozent fallen. Haider braucht dann für die Kärntner Landtagswahl
nicht nur Distanz zu Schüssel, sondern auch zur FPÖ. Außer er
übernimmt gleich den Parteiobmann-Job von Herbert Haupt. ****
OTS0068 2003-09-21/20:19
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