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"Presse"-Kommentar: Betonklotz an Schüssels Bein (von Hans Werner Scheidl)
Ausgabe vom 19. September 2003
Wien (OTS) - Die Würfel innerhalb der ÖVP dürften gefallen sein:
Fritz Neugebauer soll der neue starke Mann an der Spitze des ÖAAB
werden. Bis Montag haben die Landesobmänner dieser großen
Teilorganisation noch Zeit, sich die Sache zu überlegen.
Sie sollten das gründlich tun. Der bullige Beamten-Gewerkschafter,
der für seine Klientel unbezahlbar ist, wäre die denkbar schlechteste
Galionsfigur für diesen ÖAAB, der schon laut Eigendefinition die
nichtsozialistischen "Arbeiter und Angestellten" zu vertreten
vorgibt. Was hat ein Beschäftigter in der rauen Arbeitswelt der
Privatwirtschaft aber von "seinem" Spitzenfunktionär im
Parteivorstand zu gewärtigen, der die Verkörperung erfolgreich
verteidigter Einzelinteressen ist, die dem freien Wettbewerb
diametral entgegengesetzt sind?
Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass sich die Verteilungskämpfe
zwischen öffentlich Bediensteten und Privatangestellten in den
nächsten Jahren mildern werden. Genau das Gegenteil wird nämlich der
Fall sein. Und ausgerechnet Wolfgang Schüssel, der die Bürger zu mehr
Leistungswillen, Risikobereitschaft & Eigenverantwortlichkeit
ermuntern will, lässt sich diesen Betonklotz ans Bein binden?
Die Volkspartei, die in den Meinungsumfragen nicht gerade
exzellent vor uns steht, würde ihr theoretisches Wählerpotenzial
absichtsvoll und sehenden Auges reduzieren. Fritz Neugebauer hat
seine Meriten, hat seine Beamten hervorragend vertreten. Das möge er
im Interesse der öffentlich Bediensteten noch lange tun.
OTS0225 2003-09-18/17:25
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