Wirtschaft begrüßt Start einer umfassenden Gesundheitsreform

Leitl: Bessere Gesundheitsvorsorge, Einführung von Qualitätsstandards, Kostendämpfung und einheitliche Planung und Steuerung des Gesundheitssystems als Reformziele

Wien (PWK591) - "Von Seiten der Wirtschaft ist es sehr zu begrüßen, dass die Regierung nach der Pensionsreform nun auch ernsthaft eine Verbesserung des Gesundheitssystems unter Einbeziehung aller Parlamentsparteien und der Sozialpartner angehen will", kommentiert WKÖ-Präsident Christoph Leitl das erste Gespräch zur Gesundheitsreform, welches Donnerstag abends im Bundeskanzleramt stattfinden wird.

Leitl erwartet, dass bei diesen Gesprächen einerseits die bestehenden strukturellen Defizite im Gesundheitssystem geortet, und andererseits einvernehmlich grundsätzliche Ziele der Reform festgelegt werden:
"Aus meiner Sicht gibt es derzeit drei große Mängel im Gesundheitssystem. Es gibt kein Gesamtsystem an Anreizen für mehr Gesundheitsvorsorge. Ein Gesundheitssystem, dass die Reparatur vor den Erhalt der Gesundheit stellt, wird aber stets vergeblich gegen eine Kostenexplosion kämpfen. Zweitens: Der Eintritt ins und die Versorgung im Gesundheitssystem ist ungesteuert und unkontrolliert. Daraus ergeben sich etwa oft unnötige Mehrfachuntersuchungen. Und drittens stellt sich das Gesundheitssystem als ungeordnetes Konglomerat vieler Anbieter dar. Wir brauchen statt einer organisatorischen und finanziellen Zersplitterung ein einheitliches Gesundheitssystem, eine einheitliche Betrachtung und Vorgangsweise."

Leitl erwartet daher, dass ein wesentliches Ziel der Gesundheitsreform eine verbindliche Qualitätssicherung der Gesundheitsversorgung verbunden mit kostendämpfenden Maßnahmen ist:
"Die Wirtschaft kann sich etwa die Einrichtung einer unabhängigen Qualitätssicherungsagentur auf Basis eines Qualitätssicherungsgesetzes vorstellen, wo Behandlungsstandards, Prozesse und Ergebnisse nachhaltig verbessert werden."

Um sicherzustellen, dass im Gesundheitssystem alle an einem Strang ziehen und der Patient an der für ihn besten Ebene im Gesundheitssystem behandelt wird, sollten - so Leitl - länderweise Gesundheitsagenturen eingerichtet werden. Dort sollten Sozialversicherungen, Länder und Bund für eine einheitliche Planung, Steuerung und Finanzierung verantwortlich sein. Leitl: "Für die bundesweite Koordination soll eine zehnte Gesundheitsagentur eingerichtet werden, die insbesondere für die Krankenanstaltenplanung verantwortlich ist." Wenn es gelingt, die Behandlung bei niedergelassenen Ärzten und in Spitälern bestmöglich zu organisieren, können ein bis zwei Milliarden Euro bei gleichzeitiger Erhöhung der Behandlungsqualität eingespart werden.

Und nicht zuletzt muss eine bessere Koordination aller Gesundheitsvorsorgemaßnahmen sichergestellt werden. Leitl: "Der Ausbau der betrieblichen Gesundheitsförderung wird hier eine ganz bedeutende Rolle spielen. Damit kann etwa die Anzahl der Krankenstandstage deutlich verringert werden. Hier finden die Sozialversicherungen und unsere Betriebe eine lohnende Aufgabe."

Leitl: "Wir stehen zum bisherigen Kurs der Regierung, Finanzierungsprobleme nicht - wie bisher üblich - durch reflexartige Beitragserhöhungen zu lösen. Diesmal werden notwendige Strukturreformen begonnen, was ich sehr begrüße." (RH)

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