- 11.09.2003, 13:08:46
- /
- OTS0183 OTW0183
Wirtschaft begrüßt Start einer umfassenden Gesundheitsreform
Leitl: Bessere Gesundheitsvorsorge, Einführung von Qualitätsstandards, Kostendämpfung und einheitliche Planung und Steuerung des Gesundheitssystems als Reformziele
Wien (PWK591) - "Von Seiten der Wirtschaft ist es sehr zu
begrüßen, dass die Regierung nach der Pensionsreform nun auch
ernsthaft eine Verbesserung des Gesundheitssystems unter Einbeziehung
aller Parlamentsparteien und der Sozialpartner angehen will",
kommentiert WKÖ-Präsident Christoph Leitl das erste Gespräch zur
Gesundheitsreform, welches Donnerstag abends im Bundeskanzleramt
stattfinden wird.
Leitl erwartet, dass bei diesen Gesprächen einerseits die bestehenden
strukturellen Defizite im Gesundheitssystem geortet, und andererseits
einvernehmlich grundsätzliche Ziele der Reform festgelegt werden:
"Aus meiner Sicht gibt es derzeit drei große Mängel im
Gesundheitssystem. Es gibt kein Gesamtsystem an Anreizen für mehr
Gesundheitsvorsorge. Ein Gesundheitssystem, dass die Reparatur vor
den Erhalt der Gesundheit stellt, wird aber stets vergeblich gegen
eine Kostenexplosion kämpfen. Zweitens: Der Eintritt ins und die
Versorgung im Gesundheitssystem ist ungesteuert und unkontrolliert.
Daraus ergeben sich etwa oft unnötige Mehrfachuntersuchungen. Und
drittens stellt sich das Gesundheitssystem als ungeordnetes
Konglomerat vieler Anbieter dar. Wir brauchen statt einer
organisatorischen und finanziellen Zersplitterung ein einheitliches
Gesundheitssystem, eine einheitliche Betrachtung und Vorgangsweise."
Leitl erwartet daher, dass ein wesentliches Ziel der
Gesundheitsreform eine verbindliche Qualitätssicherung der
Gesundheitsversorgung verbunden mit kostendämpfenden Maßnahmen ist:
"Die Wirtschaft kann sich etwa die Einrichtung einer unabhängigen
Qualitätssicherungsagentur auf Basis eines
Qualitätssicherungsgesetzes vorstellen, wo Behandlungsstandards,
Prozesse und Ergebnisse nachhaltig verbessert werden."
Um sicherzustellen, dass im Gesundheitssystem alle an einem Strang
ziehen und der Patient an der für ihn besten Ebene im
Gesundheitssystem behandelt wird, sollten - so Leitl - länderweise
Gesundheitsagenturen eingerichtet werden. Dort sollten
Sozialversicherungen, Länder und Bund für eine einheitliche Planung,
Steuerung und Finanzierung verantwortlich sein. Leitl: "Für die
bundesweite Koordination soll eine zehnte Gesundheitsagentur
eingerichtet werden, die insbesondere für die Krankenanstaltenplanung
verantwortlich ist." Wenn es gelingt, die Behandlung bei
niedergelassenen Ärzten und in Spitälern bestmöglich zu organisieren,
können ein bis zwei Milliarden Euro bei gleichzeitiger Erhöhung der
Behandlungsqualität eingespart werden.
Und nicht zuletzt muss eine bessere Koordination aller
Gesundheitsvorsorgemaßnahmen sichergestellt werden. Leitl: "Der
Ausbau der betrieblichen Gesundheitsförderung wird hier eine ganz
bedeutende Rolle spielen. Damit kann etwa die Anzahl der
Krankenstandstage deutlich verringert werden. Hier finden die
Sozialversicherungen und unsere Betriebe eine lohnende Aufgabe."
Leitl: "Wir stehen zum bisherigen Kurs der Regierung,
Finanzierungsprobleme nicht - wie bisher üblich - durch reflexartige
Beitragserhöhungen zu lösen. Diesmal werden notwendige
Strukturreformen begonnen, was ich sehr begrüße." (RH)
OTS0183 2003-09-11/13:08
OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK






