• 09.09.2003, 16:23:54
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Agrarreform ja, aber mit Augenmass

WirtschaftsBlatt-Kommentar von Wolfgang Unterhuber

Wien (OTS) - Die EU gibt jährlich 40 Milliarden Euro für ihre
Bauern aus. Das ist knapp die Hälfte des gesamten EU-Budgets.
Subventioniert werden vor allem die Überschüsse bei Milch, Zucker und
Weizen.

Kein Wunder, dass bei der jetzt stattfindenden WTO-Konferenz die
Agrarpolitik im Mittelpunkt steht.
Weltbank, Internationaler Währungsfonds und OECD verlangen von den
USA und der EU eine drastische Drosselung ihrer Agrarförderungen und
einen Abbau der Handelsschranken für landwirtschaftliche Erzeugnisse
aus Afrika, Südamerika und Südostasien.

Dazu eine Rechnung: Bei Abschaffung aller Agrarförderungen müssten
in den Supermarktregalen die Preise für landwirtschaftliche Produkte
sofort um mindestens 50 Prozent angehoben werden. Nur dann könnten
die Bauern - die im Schnitt auf der Einkommensskala ohnehin schon
ganz unten anzutreffen sind - überleben.

Frage: Wie viele Konsumenten können oder wollen für das Kilo
Tomaten aus dem Marchfeld um die Hälfte mehr bezahlen, wenn dasselbe
Produkt aus einem Nicht-EU-Land weit billiger zu haben ist?

Ein radikaler Abbau der Agrarförderungen hätte zur Folge, dass die
meisten Landwirte aufgeben müssen. Eine Verödung ganzer Landstriche
wäre die Folge (die auch den Tourismus treffen würde), gepaart mit
dramatischen Konsequenzen für den Arbeitsmarkt. Natürlich steht
ausser Frage, dass die Art und Weise der Subventionen reformiert
werden muss. Es kann nicht sein, dass in der EU 20 Prozent der
Betriebe 80 Prozent der Förderungen erhalten. Und es ist skurril,
wenn börsenotierte, nicht-agrarische Industrieunternehmen
landwirtschaftliche Exportstützungen erhalten.

Der Ansatz von Kommissar Fischler, künftig weniger die
Produktionsmenge und stattdessen Umweltaufgaben zu fördern, ist
richtig. Dass die Förderung für Grossbetriebe eine Maximalhöhe nicht
übersteigen darf, ist ebenfalls ein guter Ansatz, weil so mehr Geld
für die Kleinen übrig bleibt. Darüber hinaus braucht es aber neue
Modelle, um jene Bauern zu unterstützen, die unternehmerisch denken
und bereit sind, Qualität statt Masse zu produzieren.

Dann wären die 1000 Euro, die umgerechnet jeder EU-Haushalt
jährlich in den Agrartopf einzahlt, sicher besser angelegt als jene
Gelder, die die Bürger für fragwürdige Privilegien in so manchen
Staatsbetrieben (siehe ÖBB) überweisen müssen.

OTS0220    2003-09-09/16:23

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